Leopoldshöhe/ Kreis Lippe. Bereits zum elften Mal hatte der Nabu NRW zur Teilnahme an der Falterzählaktion „Schmetterlingszeit“ aufgerufen. Im Zeitraum vom 15. Juni bis 15. Juli wurden bei bestem Sommerwetter mit 19.053 Meldungen etwas weniger Tag- und Nachtfalter beobachtet als im Vorjahr, wie der Nabu Leopoldshöhe schreibt.
Bei den Tagfaltern liegt erneut der Kohlweißling vorn, bei den Nachtfaltern sichert sich das Taubenschwänzchen den ersten Platz. Auffällig war in diesem Jahr der hohe Anteil an gesichteten Faulbaum-Bläulingen. Hauhechel-Bläulinge kommen laut Beobachtungen ebenfalls gut zur Entwicklung, sie tauchen jetzt bei Hitzetemperaturen vermehrt auch inmitten von Waldgebieten und Hausgärten auf. Zudem seien etliche Beobachtungen von Schwalbenschwänzen gemeldet worden, ebenso von Widderchen, auch bekannt als Blutströpfchen.

Schwalbenschwanz
(© Ewald Thies)
Die Zählergebnisse seien in erster Linie dem günstigen Wetter während des diesjährigen Beobachtungszeitraums geschuldet, schreibt der Nabu. „Bei anhaltend trockenem und sonnigem Sommerwetter waren schlicht viele Falter unterwegs“, erklärt Falterkenner Hans Dudler vom Nabu Leopoldshöhe. Doch die Zahl der fliegenden Falter hänge nicht allein vom Sommerwetter ab.
Gute Zählergebnisse
So profitierte der in diesem Jahr häufiger gemeldete Faulbaum-Bläuling von den warmen, blütenreichen Wochen im Frühjahr. „Die Blüten fressenden Raupen fanden in der für sie entscheidenden Entwicklungsphase reichlich Nahrung und konnten dadurch eine individuenstarke Sommergeneration hervorbringen.“ Ewald Thies vom Nabu Leopoldshöhe fügt hinzu: „Ab dem Frühsommer konnten wir bereits einen bemerkenswert starken Einflug von Distelfaltern und auch Admiralen beobachten”. Diese wanderfreudigen Falter bildeten über den Sommer hinweg mehrere Generationen und tauchten vermehrt auch in den Gärten auf.
Überhaupt ließe sich feststellen: Bedingt durch die hohen Temperaturen zeigten die Falter ein unruhiges Flugverhalten und ausgeprägte Wanderungsbewegungen. Hans Dudler erklärt: „Wir sind davon überzeugt, dass im nächsten Jahr bei uns bestimmt Arten auftauchen, die selten sind und die wir hier bislang nicht oder kaum zu Gesicht bekamen”. Im vergangenen Jahr seien mehrfach Sichtungen vom Großen Fuchs sowie Baumweißlingen im Kreis Lippe gemeldet worden.

Das Taubenschwänzchen
(© Petra Gehle)
Hitzesommer nicht für alle Arten positiv
Weniger positiv falle dagegen erneut die Bilanz bei den Falterarten Schornsteinfeger und Landkärtchen aus: Beide Arten seien im Vergleich zum Vorjahr deutlich seltener gemeldet worden. „Die leichte Erholung, die wir im vergangenen Jahr nach zwei feuchteren Sommern beobachten konnten, war leider nur von kurzer Dauer“, bedauert Dudler. „Diese Arten leiden besonders unter trockenen Sommern.“ Ein positiver Trend einzelner Arten innerhalb eines Jahres sei noch lange kein Grund zur Entwarnung.
Die entscheidenden Weichen für den Erhalt der Artenvielfalt müssen weiterhin in unserer Kulturlandschaft gestellt werden. Zwar leisten naturnahe Gärten als grüne Inseln im Siedlungsraum einen wichtigen Beitrag und städtisches Grün gewinnt darüber hinaus als Trittsteinbiotop zwischen isolierten Lebensräumen zunehmend an Bedeutung. Doch für eine nachhaltige Verbesserung der Situation heimischer Schmetterlinge – und der Insekten insgesamt – wird vor allem die zukünftige Wiederherstellung wertvoller Lebensräume im Rahmen der Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung entscheidend sein.
Falter fördern vor der eigenen Haustür
Wer Schmetterlingen helfen möchte, kann direkt im eigenen Umfeld aktiv werden. Das Projekt „Mehr gArtenvielfalt in NRW“ unterstützt Bürgerinnen und Bürger dabei, ihre Gärten, Balkone oder öffentlichen Grünflächen naturnäher und falterfreundlicher zu gestalten. Erste praktische Tipps gibt es unter http://www.mehrgartenvielfalt.de. Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die Ergebnisse der Zählaktion im Detail
Den ersten Platz belegen wie im Vorjahr die Weißlinge mit 3989 Meldungen. Das Tagpfauenauge steht auf Platz 2 mit 1583 Meldungen. Platz 3 belegt das Große Ochsenauge mit 1018 Zählungen. Die Bläulinge (862), der Admiral (824) und der Zitronenfalter (747) liegen dicht beieinander auf den Plätzen 5,6 und 7 hinter dem Taubenschwänzchen, dem meist gesichteten tagaktiven Nachtfalter. Zu den weiteren noch häufiger gesichteten Tagfaltern gehören der Kleine Fuchs (499), der im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich häufiger gesichtete Distelfalter (482) und der Schornsteinfeger mit 479 Zählungen. Weiter abgeschlagen folgen der C-Falter (219) und das Landkärtchen (132).