Bielefeld. Wer in den vergangenen eineinhalb Jahren rund um Sparrenburg und Promenade unterwegs war, ist ihnen immer wieder begegnet: Bauzäunen, Bohrgruben und schwerem Gerät für eine Leitung, die später fast vollständig unsichtbar sein wird. Nun nähert sich eine der großen Bielefelder Stromnetz-Baustellen ihrem Ende. Bis Ende August sollen die Arbeiten im öffentlichen Raum abgeschlossen sein.
Seit März 2025 erneuern die Stadtwerke die 110.000-Volt-Verbindung zwischen dem Umspannwerk Sparrenberg und dem Umspannwerk Gadderbaum an der Bodelschwinghstraße. Rund 3,5 Kilometer lang ist die Trasse. Das eigentliche Hochspannungskabel wurde nach Angaben des Unternehmens in diesem Sommer innerhalb von etwa sechs Wochen eingezogen.
Ganz fertig ist die neue Verbindung damit allerdings noch nicht. Es folgen Arbeiten an Steuerkabeln und in den beiden Umspannwerken. In Betrieb gehen soll die Leitung nach aktuellem Stand im April 2027. Bereits beim Baustart im März vergangenen Jahres hatten die Stadtwerke angekündigt, das neue Kabelsystem im Laufe des kommenden Jahres ans Netz bringen zu wollen. Der Zeitplan hat sich damit zumindest grundsätzlich nicht verschoben.
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10,5 Kilometer Kabel in 3,5 Kilometern Leerrohr
Die Dimensionen des Projekts erschließen sich vor allem unter der Erde. Von den etwa 3,5 Kilometern Trasse wurden rund drei Kilometer im sogenannten Horizontalspülbohrverfahren hergestellt. Dabei wird nicht die gesamte Strecke aufgerissen, sondern unterirdisch durch den felsigen Untergrund gebohrt. Nur rund 480 Meter mussten in offener Bauweise hergestellt werden – unter anderem an den Wasserbehältern auf der Promenade und im Bereich Schöne Aussicht. Durch das dabei entstandene Leerrohrsystem wurden drei einzelne Hochspannungsadern gezogen. Zusammengerechnet kamen so rund 10,5 Kilometer 110-kV-Kabel unter die Erde. Zusätzlich verlegten die Stadtwerke drei Kabel für die 10.000-Volt-Ebene.
Beim Großteil der Strecke war kein schweres Gerät nötig: Die Leitungen wurden zumeist unterirdisch verlegt.
| © Eike J. Horstmann
Dass gerade die Promenade als beliebtes Ausflugsziel bei einer solchen Großbaustelle vergleichsweise glimpflich davonkam, war von Beginn an Teil der Planung. Schon zum Baustart hatten die Stadtwerke angekündigt, die Oberfläche möglichst wenig aufzureißen. Die ersten beiden Bohrungen führten jeweils rund 230 Meter durch den Fels zwischen Burgstraße und den Wasserbehältern. Lediglich an Start- und Zielpunkten sowie dort, wo der Untergrund keine Bohrung zuließ, waren offene Gruben vorgesehen.
Auch auf zwei Großveranstaltungen wurde Rücksicht genommen. Für den Hermannslauf 2025 verschwand die Baustelle an der Sparrenburg vorübergehend, auch wurden die Bauabläufe später auf das Sparrenburgfest abgestimmt. Und nicht zuletzt wurde auch darauf geachtet, dass die Hauptnutzer weiter zu ihrem Recht kamen: Die Promenade blieb während der Arbeiten grundsätzlich für Fußgänger erreichbar und erlebbar.
Punktlandung: Das auf dem Plakat angegebene Ende der Arbeiten im August 2026 wird eingehalten.
| © Eike J. Horstmann
Hinter dem Aufwand steckt vor allem die Frage, wie viel Strom das Bielefelder Netz künftig transportieren können muss. Wärmepumpen, Elektroautos und immer mehr Photovoltaikanlagen erhöhen die Anforderungen. „Das 110-kV-Netz ist das Rückgrat der Stromversorgung“, sagt Nils Neusel-Lange, Geschäftsführer der Bielefelder Netz GmbH. Dieses müsse deshalb frühzeitig modernisiert und leistungsfähig gehalten werden.
Lesen Sie auch: Stadtwerke Bielefeld bohren neue Hochspannungsleitung unter der Altstadt | nw.de
Mit dem Ende der Arbeiten an der Promenade ist das Kapitel Hochspannungsbau rund um das Umspannwerk Sparrenberg allerdings keineswegs abgeschlossen. Im Gegenteil: Die nächste Baustelle läuft bereits. Seit Juli lassen die Stadtwerke eine weitere neue 110.000-Volt-Leitung vom Umspannwerk Sparrenberg aus verlegen – diesmal in Richtung Zwinger und damit unter der Innenstadt hindurch. Die rund 925 Meter lange Verbindung ersetzt ein Kabelsystem aus dem Jahr 1982 und wird ebenfalls leistungsfähiger ausgelegt. Auch dort setzen die Stadtwerke überwiegend auf Spülbohrungen, damit Kreuzstraße, Kunsthallenpark, Oberntorwall und andere Bereiche nicht auf ganzer Länge aufgegraben werden müssen.
Bei diesem Projekt wird es allerdings noch deutlich länger dauern, bis tatsächlich Hochspannung durch die neuen Kabel fließt: Zunächst entstehen lediglich die Leerrohre. Der eigentliche Kabeleinzug zwischen Sparrenberg und Zwinger ist erst für das Frühjahr 2028 vorgesehen.
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