Krüger benötigte gerade einmal drei Minuten, um den Anschluss herzustellen. Handgestoppte 107 Sekunden später war der Ausgleich perfekt – erneut durch den eingewechselten Angreifer, diesmal nach Vorarbeit von Sussek. Nachdem Lex-Tyger Lobinger die Partie per Strafstoß gedreht hatte, setzte Sussek in der 72. Minute selbst den Schlusspunkt zum 4:2. Drei Tore innerhalb von elf Minuten gingen damit auf das Konto von Spielern, die beim Anpfiff noch auf der Bank gesessen hatten.

Kein einmaliger Effekt

Dass die Duisburger Bank Wirkung entfalten kann, zeigte sich bereits eine Woche zuvor. Beim 3:0 gegen den SV Meppen brachte Hirsch in der 59. Minute gleich drei neue Offensivkräfte: Safi, Sussek und Conor Noß. Noß war es schließlich, der in der 84. Minute den dritten Treffer erzielte. Zuvor legte er bereits das zwischenzeitliche 2:0 durch Ben Schlicke auf.

Nach zwei Spieltagen ist das noch keine belastbare Langzeitstatistik. Auffällig ist die Entwicklung trotzdem: Vier der sieben MSV-Tore wurden bislang von Spielern erzielt, die nicht zur Startformation gehörten. Noß gegen Meppen sowie Krüger mit seinem Doppelpack und Sussek in Verl haben damit früh eine besondere Rolle eingenommen.

Hirsch kann nachlegen

Eine gute Bank sollte im Fußball zunächst eine Selbstverständlichkeit. Elf Spieler beginnen, weitere warten auf ihre Chance. Beim MSV scheint die Grenze zwischen Startelf und Ersatzbank derzeit allerdings besonders fließend zu sein. Krüger und Sussek sind dafür das beste Beispiel. Beide wurden in Verl erst nach 58 Minuten eingewechselt und veränderten die Partie innerhalb kürzester Zeit zugunsten der Zebras.

Das macht die Aufgabe für Hirsch nicht einfacher, aber genau das dürfte ihm gefallen. Denn der MSV kann während eines Spiels nicht nur frische Beine bringen, sondern auch Spieler mit der Qualität, eine Partie tatsächlich zu verändern. Doch ergibt sich daraus gleich die nächste Frage: Was bedeutet die Joker-Wucht für die Startelf in den kommenden Wochen?

Rotation wird kommen

Krüger und Sussek haben in Verl Argumente gesammelt. Nicht zwingend dafür, dass Hirsch seine Anfangsformation verändern muss. Aber zumindest dafür, dass die Spieler auf der Bank mehr sind als reine Alternativen für den Fall, dass etwas nicht funktioniert. Besonders im Hinblick auf die anstehende Liga-Pause, in der der MSV zunächst im DFB-Pokal und wenige Tage später im Niederrheinpokal gefordert ist, wird es zur geplanten Belastungssteuerung kommen. Spieler aus der vermeintlich zweiten Reihe werden Einsatzzeiten erhalten, doch Hirsch hat in der Vergangenheit stets bewiesen, dass er mit der notwendigen Ernsthaftigkeit an die Sache geht. Aber: Selbst bei einem kompletten Umbau der Startelf würde der MSV noch eine mehr als Konkurrenzfähige Mannschaft stellen können.

Der MSV hat nach zwei Spieltagen sechs Punkte gesammelt – in der 3. Liga hat das ansonsten nur der 1. FC Saarbrücken geschafft. Der Saisonstart ist damit gelungen. Noch lässt sich daraus selbstverständlich keine große Prognose für die kommenden Monate ableiten. Aber es gibt bereits einen Faktor, der für eine lange Saison nicht unwichtig sein könnte: Hirsch kann Qualität nachlegen.

In Verl war es genau diese Qualität, die aus einem 0:2 ein 4:2 machte. Und vielleicht ist das die interessanteste Erkenntnis nach den ersten beiden Spieltagen: Beim MSV endet die erste Elf derzeit nicht mit den elf Spielern, die auf dem Platz stehen.