Moabit – Stop and Go im Berufsverkehr. Marius K. (42) schaut immer wieder nervös auf seine Luxusuhr. Termindruck! Als plötzlich jemand durch das geöffnete Fenster des Ford Mustang brutal seinen Arm packt und ihm ruckartig die „Hublot Classic Fusion“ (limitierte Auflage, Wert: 6500 Euro) vom Handgelenk reißt.

Jetzt sah der Unternehmer einen der mutmaßlichen Räuber auf der Anklagebank des Landgerichts wieder: den Libyer Yakoub M. C. (24). Während der zu Prozessbeginn schwieg, erinnerte sich der Zeuge noch genau an den frühen Abend des 9. Juni 2024 auf der Karl-Marx-Straße in Neukölln.

„Ich stand im Stau. Es war warm. Das Fenster offen. Mein linker Arm auf dem Rahmen der Fahrertür, als mich ein Mann ansprach.“ Was der wollte? „Keine Ahnung. Habe ihn nicht verstanden.“ Und fast zeitgleich ein zweiter an die geschlossene Beifahrerscheibe klopfte. Er habe zu dem hinübergeblickt. Nur einen kurzen Moment – der dem Komplizen auf der Fahrerseite aber genügte, um nach der Uhr am Handgelenk zu greifen.

Marius K. (42) reagierte blitzschnell, sprang bei laufendem Motor aus dem Auto und nahm die Verfolgung auf. Gemeinsam mit einer Polizeistreife, die zufällig mit ihrem Wagen zwei Fahrzeuge hinter ihm stand. „Ich bekam einen der beiden Täter zu fassen.“ Den Klopfer auf der Beifahrerseite, den Angeklagten? „Er versuchte noch, mit seinem Rucksack nach mir zu schlagen. Aber ich konnte ihn fixieren.“

Den Uhrenräuber verfolgten die Polizisten in eine Seitenstraße. Bis in ein Haus, in dem Wohnungslose lebten. In dem hatte der noch schnell mit seiner Beute vor laufender Videokamera gewedelt, ehe er damit auf Nimmerwiedersehen übers Dach entkam.

Der Raub teurer Uhren am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit ist inzwischen ein bundesweites Problem. Ermittler sprechen von bandenmäßig organisierten internationalen Tätergruppen.

Marius K. auf die Frage des Richters nach den Tatfolgen für ihn: „Ich trage seitdem in der Öffentlichkeit keine Uhr mehr. Überhaupt keine Wertgegenstände. Lasse alles sicher verwahrt zu Hause.“

Fortsetzung: 20. August

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