Man kann Nürnberg nicht nachsagen, dass es eine faule Stadt wäre, dazu wurden dort zu viele Rekorde geleistet. Das Germanische Nationalmuseum zum Beispiel gilt nach eigenen Worten als „größtes kulturgeschichtliches Museum des deutschen Sprachraums“. Dank mittelfränkischer Tüchtigkeit fuhr hier auch die erste Eisenbahn des Landes ab und legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die erst die Deutsche Bahn zu beenden wusste.
Und der 1. FC Nürnberg würde ein eigenes Kapitel verdienen, so rekordverdächtig wie er mit den Gefühlen seiner Anhänger zu spielen weiß. Unübertroffen etwa die Saison 1983/84, als der Club alle 17 Auswärtsspiele verlor.
Nun ist ein neuer Leistungsnachweis für Nürnberg dazugekommen: der Weltrekord fürs längste Bläserkonzert. Dieses fand schon Ende Juli statt, die Meldung durchs Rekord-Institut für Deutschland folgte aber erst dieser Augusttage. Damit darf der Versuch, 72 Stunden lang Posaunenchöre ununterbrochen in der Jakobskirche musizieren zu lassen, offiziell als erfolgreich gelten.
Laut der Mitteilung waren dazu insgesamt 1870 Menschen im Einsatz. Denn die Pause zwischen den Titeln habe höchstens ein paar Sekunden dauern dürfen. Es hätten also „immer gleichzeitig drei verschiedene Musikchöre an ihren Instrumenten“ gesessen. Dass gleichzeitig auch die Hitze den Freistaat durchgrillte, dürfte das Dauerblasen nicht unbedingt vereinfacht haben.
Aber in Nürnberg hat man Durchhaltewillen bewiesen. Der Bläser-Rekord ist deshalb auch weder der einzige noch der erste, den das Rekord-Institut für die Stadt notiert hat. 2025 meldete man die weltweit größte Schneekugelsammlung (4820 Stück), 2022 den schwersten Schwerlasttransport (535,5 Tonnen), 2015 den längsten Buntstift (459,97 Meter). Die Liste ließe sich fortsetzen.
Die Krux: Wer fleißig bleiben will, darf sich nicht auf Erfolgen ausruhen. Nur wenigen ist es vergönnt, einen Rekord bis in alle Ewigkeit zu verteidigen. Je größer Ruhm und Ehre, desto motivierter ist erfahrungsgemäß die Konkurrenz. Und Bestmarken sind ohnehin zum Brechen da. Ohne dem Wunsch nach immer höher, immer schneller, immer weiter fehlte der Rekordjagd überall auf dieser Welt der Sinn.
Es könnte also nur eine Frage der Zeit sein, bis unter Posaunen und vielleicht Trompeten zum nächsten Rekordangriff geblasen wird. Nur beim 1. FC Nürnberg dürfen sie ruhig schlafen: Das Kunststück, in einer Bundesligasaison alle Auswärtsspiele zu verlieren, wird so schnell niemand nachmachen wollen.