In einem Interview äußerte sich PlayStation-Veteran Shuhei Yoshida zu Sonys angekündigtem Aus der Disc. Im Verlauf des Gesprächs erklärte Yoshida unter anderem, warum er die teils heftigen Reaktionen und Proteste der Spieler für überzogen hält.
Anfang Juli kündigte Sony das Aus der Disc als Medium für PlayStation-Spiele an und gab bekannt, dass Neuveröffentlichungen für die PlayStation-Konsolen ab Januar 2028 nur noch in digitaler Form erscheinen.
Eine Ankündigung, die in den vergangenen Wochen hohe Wellen schlug und unter anderem dazu führte, dass die Spieler auch mehr als anderthalb Monate später weiterhin jede Möglichkeit nutzen, um ihrem Unmut Luft zu machen – vor allem in den Kommentarspalten auf X und YouTube.
Im Interview mit GamerBraves äußerte sich nun auch Shuhei Yoshida, ehemaliger Leiter der PlayStation Studios und bei PlayStation mehrere Jahre für das Indie-Geschäft verantwortlich, über das bevorstehende Aus der Disc. Ihn persönlich stört die rein digitale Zukunft von PlayStation nicht, da Yoshida schon jetzt bewusst auf Discs verzichtet.
Yoshida: „Ich persönlich bin ein komplett digitaler Konsument. Ich möchte mich nicht mit Discs herumärgern oder ständig Discs wechseln. Ich möchte alle meine Spiele auf meinem Dashboard haben und einfach ein Spiel auswählen und losspielen können. Ich bin also komplett digital.“
Aus der Disc überrascht Yoshida nicht
Auch wenn Yoshida, der Sony Anfang 2025 nach mehr als 30 Jahren im Unternehmen verließ, im Vorfeld natürlich nichts von Sonys bevorstehender Ankündigung wusste, kommt das Aus der Disc auf den PlayStation-Systemen für ihn nicht überraschend. Vor allem aufgrund des stetig steigenden Marktanteils digital verkaufter Spiele war diese Entwicklung absehbar.
Dennoch räumte Yoshida ein, welche Bedeutung physische Medien für manche Fans haben können. „Ich weiß, dass es Sammler von physischen Spielen gibt. Sie haben ganze Wände voller Spieleverpackungen. Für sie wäre es schade, wenn physische Spiele irgendwann nicht mehr zum Sammeln erhältlich wären“, sagte Yoshida weiter.
Wie Yoshida erklärte, erwartet er, dass Publisher und entsprechende Partner Collector’s Editions und andere Sammlerausgaben auch nach einem möglichen Ende der Disc-Produktion weiterhin anbieten könnten. Statt einer Disc könnte die Verpackung dann etwa einen Download-Code für das jeweilige Spiel enthalten.
„Für Sammler, die physische Verpackungen und Sondereditionen mögen, denke ich, dass sie diese physischen Verpackungen auch weiterhin kaufen können“, fügte er hinzu.
Wird die Bedeutung physischer Medien überschätzt?
Auch wenn er die Sorgen der Spieler vor dem Verschwinden physischer Medien durchaus nachvollziehen kann, ist Yoshida der Meinung, dass die daraus resultierenden Folgen möglicherweise ein wenig übertrieben dargestellt werden. Schließlich verhindern auch Spiele auf Disc oder Cartridge nicht, dass die Spieler heutzutage noch Updates, DLCs oder andere zusätzliche Daten herunterladen müssen.
Yoshida weiter: „Selbst bei physischen Spielen auf Disc aktualisieren die Entwickler die Spieldaten heutzutage in den meisten Fällen ständig und fügen neue Inhalte hinzu. Wer sich für eine physische Version entscheidet, muss ohnehin neue Patches, DLCs oder Updates herunterladen. Deshalb verstehe ich nicht, warum es ein so großes Problem sein sollte, wenn keine Disc mehr enthalten ist.“
Bezüglich der Preisgestaltung digitaler Spiele ergänzte Yoshida, dass diese nicht zwingend an die Preise physischer Versionen gebunden sind, da Publisher den Preis für ein digitales Spiel selbst festlegen können.
Gleichzeitig räumte er ein, dass Discs für den Gebrauchtmarkt wichtig sind, da manche Spieler ihre Spiele weiterverkaufen möchten, um Geld für neue Titel zurückzubekommen, während andere günstigere gebrauchte Spiele kaufen.
Sales die Lösung für einen fehlenden Gebrauchmarkt?
„Für diejenigen, die Spiele kaufen oder verkaufen möchten, könnte das Fehlen von Discs zu einem Problem werden“, merkte Yoshida an. Als Ausgleich verwies er auf regelmäßige Rabattaktionen, wie sie etwa Steam, PlayStation, Xbox und Nintendo über das Jahr hinweg anbieten.
„Publisher bieten das ganze Jahr über immer wieder Aktionen und Preisnachlässe an. Die Leute werden also auf einen Sale warten und die gewünschten Spiele zu einem günstigeren Preis kaufen können“, erklärte Yoshida abschließend.
„Ich denke, Publisher und Plattformen werden auch weiterhin solche Möglichkeiten anbieten, damit Menschen, die sich den vollen Preis zum Verkaufsstart nicht leisten können, die Spiele günstiger erwerben können.“
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