Trockenheit und Hitze machen den Menschen in Bayern zunehmend zu schaffen. Im Juni wurde laut Niedrigwasser-Lagebericht noch nie zuvor eine so lange Hitzewelle beobachtet. Gleichzeitig hat es im Raum Augsburg seit März jeden Monat deutlich weniger geregnet als normal. Dadurch schwindet das Grundwasser. In München muss deshalb jetzt Wasser gespart werden, in Teilen des Landkreises Aichach-Friedberg schließt man einen solchen Schritt zumindest nicht mehr aus. Wird auch im Landkreis Augsburg das Trinkwasser knapp?

Hitze und Trockenheit verschärfen die Situation im Landkreis Augsburg

Bayernweit zeigen 80 Prozent aller oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie 74 Prozent der tieferen Grundwasserstockwerke niedrige Verhältnisse an. Im Landkreis Augsburg vermeldet das Wasserwirtschaftsamt beispielsweise für Bobingen, Graben und Gennach einen sehr niedrigen Grundwasserstand. Oliver Chmiel vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth: „Das ist jedoch nicht alleine das Ergebnis der letzten Hitze-Wochen, sondern ein Trend, der sich über die letzten Jahre und Monate eingestellt hat.“

Das gesamte letzte Jahr 2025 sowie das bisherige Jahr 2026 seien von Trockenheit geprägt gewesen. Die aktuelle Witterung führe zu einer Verschärfung der Situation. Der Grundwasserstand wird als „sehr niedrig“ bezeichnet, wenn der aktuelle Wert niedriger ist als 90 Prozent aller bisher gemessenen Werte.

Grundwasser im Kreis Augsburg: Neuer Niedrigstwert in Meitingen

„In Bobingen oder in Langerringen messen wir derzeit sehr niedrige Grundwasserstände“, so Chmiel. Die oberflächennahen Grundwassermessstellen sowie die Tiefengrundwassermessstellen im Landkreis zeigten alle bis auf eine Ausnahme sehr niedrige Grundwasserstände an. An der Tiefengrundwassermessstelle Meitingen wurde sogar ein neuer Niedrigstwert gemessen. Damit sich das Grundwasser wirklich erholt, müsste es lange und intensiv regnen – vor allem im Winterhalbjahr. Die Regenfälle, die es zuletzt gab, können da wenig ausrichten.

Für die Trinkwasserversorgung in Bobingen besteht aber trotzdem keine Gefährdung – das liegt daran, wie dort das Trinkwasser gewonnen wird. „An den vom Freistaat betriebenen Flachmessstellen nähert sich das obere Stockwerk tatsächlich dem historischen Tiefststand. Für unsere tiefen Versorgungsbrunnen gilt dies jedoch ausdrücklich nicht“, so Eva-Maria Gürpinar, Sprecherin der Stadt. Durch die ungleichmäßige Niederschlagsverteilung der letzten Jahre fehle die dynamische Neubildung im Flachgrundwasserleiter. Das betreffe Landwirtschaft, Privatbrunnen und die Natur, jedoch nicht die tiefe Trinkwassergewinnung in Bobingen.

Trinkwasser in Bobingen: „Ein wahrer Schatz“

Die vier Tiefbrunnen im Bobinger Stadtwald reichen bis zu 270 Meter in die Erde. Das dortige Tiefengrundwasser ist durch dicke, undurchlässige Tonschichten von der Oberfläche isoliert, viele tausend Jahre alt und frei von Schadstoffen wie Nitrat oder Pestiziden. „Wir sitzen sprichwörtlich auf einem wahren Schatz“, so Gürpinar. Wasserentnahmeverbote werde die Stadt absehbar nicht aussprechen.

Einen ähnlichen Schatz gibt es auch in Augsburg: Es gebe derzeit keine Hinweise, dass der Grundwasserstrom, den die Stadtwerke Augsburg nutzen, absehbar versiegt oder so einbüßt, dass die Wasserversorgung gefährdet wäre, sagt deren Sprecher Jürgen Fergg. Die Stadtwerke Augsburg versorgen auch Aystetten, Neusäß und Stadtbergen mit Trinkwasser. Sie gewinnen das Wasser im Augsburger Stadtwald nahe dem Lech. Es handelt sich um einen starken Grundwasserstrom aus dem Alpenvorland, der stets nachfließt und sich erneuert, also keine tiefliegenden Wasserspeicher, die angezapft werden. Deshalb könne man durch Wassersparen auch nicht für kommende heiße und trockene Tage, Wochen oder gar künftige Jahre und Generationen vorsorgen.

Gemeinden im Lechfeld sparen Wasser mit neuer Technik

Wasser gespart wird beim Wasserzweckverband Lechfeld seitens der Gemeinden. In Klosterlechfeld, Untermeitingen und Obermeitingen arbeiten die Bauhöfe seit einem Jahr mit neuer Technik bei den Bewässerungsfahrzeugen. „Das beim Rückspülprozess der Aufbereitungsanlage des Wasserwerks Klosterlechfeld anfallende und überschüssige Rückspülwasser wird nun nicht mehr zu 100 Prozent der Kanalisation zugeführt“, sagt Verbandsvorsitzender Simon Schropp.

In Klosterlechfeld, Untermeitingen und Obermeitingen wurden Bewässerungsfahrzeuge der Bauhöfe umgerüstet. So muss nicht mehr Trinkwasser zum Gießen der Grünanlagen verwendet werden.

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In Klosterlechfeld, Untermeitingen und Obermeitingen wurden Bewässerungsfahrzeuge der Bauhöfe umgerüstet. So muss nicht mehr Trinkwasser zum Gießen der Grünanlagen verwendet werden.
Foto: Wasserzweckverband Lechfeld

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In Klosterlechfeld, Untermeitingen und Obermeitingen wurden Bewässerungsfahrzeuge der Bauhöfe umgerüstet. So muss nicht mehr Trinkwasser zum Gießen der Grünanlagen verwendet werden.
Foto: Wasserzweckverband Lechfeld

Die Grünanlagen werden seither nicht mehr mit Wasser aus dem öffentlichen Trinkwassernetz gegossen. Trotz wachsender Bevölkerung sei der Wasserverbrauch rückläufig. Wasserentnahmeverbote seien nicht geplant. Denn diese hätten laut Schropp in der Vergangenheit eher das Gegenteil bewirkt: Einmal ausgesprochen, seien die Menschen eher dazu übergegangen, Wasser zu horten und den Wasserverbrauch somit in die Höhe zu treiben.

So steht es um das Grundwasser in Ihrem Ort

Auf der Internet-Seite des Gewässerkundlichen Diensts Bayern kann sich jeder über den Grundwasserstand in seinem Ort informieren. Informationen gibt es unter: https://www.gkd.bayern.de/de/grundwasser/oberesstockwerk/isar