Am Mittwochabend wird es im Willy-Lemkens-Sportpark wieder richtig voll. Der SV Sonsbeck empfängt um 18 Uhr in der ersten Runde des Fußball-Niederrheinpokals den Drittligisten Rot-Weiss Essen. Trainer Heinrich Losing weiß nach dem 1:1 zum Oberliga-Start in Baumberg genau, was seine Mannschaft gegen den zwei Klassen höher spielenden Gegner erwartet. „Pure Vorfreude. Wie in den letzten Jahren ist so ein Spiel immer ein Highlight. Wir werden das genießen“, sagt der Sonsbecker Coach. Ganz ohne Hoffnung geht der SVS allerdings nicht in die Partie.

„Wir wollen an uns glauben. Vielleicht ist die große Sensation möglich, aber dafür muss alles passen. Wir wollen mutig spielen und für Entlastung sorgen. Gleichzeitig müssen wir intensiv verteidigen, viel Laufbereitschaft mitbringen und aggressiv in den Zweikämpfen sein.“

SV Sonsbeck rechnet mit bis zu 2.500 Zuschauern

Auch auf den Rängen verspricht das Duell eine besondere Atmosphäre. Bislang sind mehrere Hundert Eintrittskarten verkauft, 2.500 Zuschauer haben unter Flutlicht rund um den Rasen Platz. Dass auf der Anlage noch mehr möglich ist, zeigte erst der Pokalkracher gegen den MSV Duisburg aus dem November 2025. Damals sorgten rund 3.000 Zuschauer für eine Rekordkulisse und den höchsten Umsatz in einem Pflichtspiel jemals.

Eine besondere Verbindung zwischen beiden Vereinen hat Henrik Lerch. Der frühere Sonsbecker Fußballer ist seit November 2024 Pressesprecher des ehemaligen Bundesligisten. Der 44-Jährige, der auch lange im Vorstand des SV Budberg tätig war, trug von 2006 bis 2008 selbst das rot-weiße Sonsbecker Trikot. In dieser Zeit absolvierte er 42 Landesliga-Partien und erzielte vier Tore. „Ich freue mich sehr auf dieses Spiel. Es ist kurios und speziell, innerhalb von nicht einmal zwei Jahren jetzt zweimal mit RWE nach Sonsbeck zu kommen“, so Lerch.

Rot-Weiss Essen will in die 2. Bundesliga aufsteigen

Sportlich könnte die Aufgabe für Sonsbeck kaum größer sein. Rot-Weiss Essen zählt nach der verpassten Relegation in der vergangenen Saison erneut zu den Top-Favoriten auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Dort spielte RWE zuletzt in der Saison 2006/07. Der Drittligist hat seinen Kader prominent verstärkt und will unter Trainer Uwe Koschinat den nächsten Anlauf nehmen. Der Saisonstart verlief allerdings holprig. Beim 1. FC Saarbrücken verspielten die Essener zum Auftakt eine 2:0-Führung und verloren noch mit 2:5. Anschließend gelang gegen den TSV Havelse ein knapper 1:0-Heimsieg.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass es noch in keinem Landespokal eine dermaßen herausfordernde Ausgangssituation gegeben hat, wie in dieser Saison. Ich darf zum ersten Mal als RWE-Trainer gegen einen Oberligisten coachen. Sonsbeck wird uns maximal fordern. Wir haben uns professionell mit Videomaterial vorbereitet“, sagt Koschinat.

SV Sonsbeck: Erinnerungen an 2024 und das Viertelfinale gegen Essen

Losing wartet damit weiterhin auf seinen ersten Sieg als Trainer gegen RWE. Einen direkten Vergleich zum damaligen Pokalabend möchte er aber nicht ziehen. „Das war eine ganz andere Situation. Für Essen ging es damals noch gegen den Abstieg. Wir hoffen natürlich ein bisschen darauf, dass sie uns unterschätzen und wir über uns hinauswachsen. Dazu werden wir auch das nötige Spielglück brauchen. Klar ist: Wir sind der totale Außenseiter.“

Auch Koschinat sprach eine Warnung aus. „Wir haben die Nicht-Abstiegssaison damals mit dem Pokalsieg gekrönt, die so nicht zustande gekommen wäre, wenn wir das Spiel nicht gedreht hätten. Wir werden mit einer veränderten Mannschaft auftreten, aber die Erwartungshaltung ist dieselbe.“

Elfter Neuzugang für SV Sonsbeck kommt aus Schönebeck

Personell sieht es beim Oberligisten vor dem Pokal-Kracher gut aus. Lediglich Daniel Gorden Raul und Timo Lehmkuhl fallen aus, ansonsten stehen Losing alle Spieler zur Verfügung. RWE muss nach wie vor auf Leistungsträger Lukas Brumme verzichten.

Auch auf dem Transfermarkt hat Sonsbeck noch einmal nachgelegt. Mit Samuel Pozniak von der SG Schönebeck stößt ein 18 Jahre alter Offensivspieler dazu, nachdem er im Training überzeugte. Für einen Einsatz kommt es aber noch zu früh. Darüber hinaus befindet sich weiterhin ein Torhüter im Probetraining. Hier wollen die Sonsbecker zunächst die Einheit am Freitag abwarten, bevor eine Entscheidung getroffen wird.