Stand: 18.08.2026 20:32 Uhr
Nach den tödlichen Schüssen in Stade will die Region Hannover die Jugendhilfe besser schützen. Geplant sind neue Sicherheitsstandards, ein Schutzkonzept und zusätzliche Stellen.
Die Region Hannover zieht Konsequenzen aus der tödlichen Gewalttat in Stade. Sechs Menschen waren dort getötet worden, darunter drei Mitarbeitende der Region. Die Tat habe die Region in ein „Davor und Danach“ geteilt, sagte Sozialdezernentin Anne Spiegel bei einem Pressegespräch. In den ersten Tagen seien die betroffenen Teams seelsorgerisch und traumatherapeutisch unterstützt worden. Gleichzeitig habe die Region bewusst auf vorschnellen Aktionismus verzichtet und gemeinsam mit den Mitarbeitenden ermittelt, welche zusätzlichen Schutzmaßnahmen sie brauchen.

Sechs Menschen starben nach Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung. Wie werden diejenigen betreut, die vor Ort waren?
Schutzräume, Kameras und SafeWatches
Ein Teil der neuen Maßnahmen ist inzwischen in Umsetzung. So wird ein Schutzkonzept für den Fachbereich Jugend erarbeitet. Außerdem sollen Eingangsbereiche der Außenstellen mit Gegensprechanlagen und Kameras gesichert werden. Im Haupthaus entsteht ein zentraler Raum für schwierige Gespräche. Er ist speziell ausgestattet, unter anderem mit Fluchtwegen – der Sicherheitsdienst sitzt direkt nebenan. Auch der Einsatz von Polizei und Sicherheitsdiensten soll ausgeweitet werden. Zudem startet ein Pilotprojekt mit sogenannten SafeWatches – mobilen Alarmgeräten, die am Handgelenk getragen werden können.

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Viele Maßnahmen gab es schon vorher
Hausbesuche zu zweit, kollegiale Beratung, Coaching und Supervision, Fortbildungen, Diensthandys sowie die Zusammenarbeit mit Polizei und Sicherheitsdiensten gehörten auch vor der Tat zum Arbeitsalltag. Neu ist unter anderem das sogenannte Aachener Modell. Damit sollen Gespräche anhand von vier Stufen daraufhin eingeschätzt werden, wie kritisch oder eskalativ eine Situation sein könnte. Zwei weitere Stellen schafft die Region im Fachbereich Jugend: eine für psychologische Unterstützung und eine als Schnittstelle, die die Umsetzung des Schutzkonzepts begleitet.
Jugendhilfe zwischen Nähe und Sicherheit
Trotz der neuen Maßnahmen soll die Jugendhilfe nahbar bleiben. Denn ihre Arbeit lebt von Vertrauen, Beziehungsarbeit und dem direkten Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und Familien. Die Region will deshalb Sicherheit und Nähe miteinander verbinden. Zugleich räumt Sozialdezernentin Spiegel ein: Eine hundertprozentige Sicherheit werde es nicht geben. Auch Roland Levin, Leiter des Fachbereichs Jugend, betont, dass Aggression und Konflikte in der Jugendhilfe zum Arbeitsalltag gehören. Auch deswegen wünscht er sich mehr Wertschätzung für diesen Beruf. In den vergangenen zwei bis drei Jahren habe es allerdings mehr Situationen mit Aggressionen und Bedrohungen gegeben.

Künftig sollen Gespräche mit Angehörigen schon vorher auf mögliche Risiken geprüft werden. Ein Ampelsystem soll helfen.

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