Salzlandkreis

Stand: 18.08.2026 21:47 Uhr

Am Flughafen Cochstedt ist ein Technologiezentrum für Drohnensicherheit eröffnet worden. Das DLR will mehr als zehn Millionen Euro investieren und bis zu 40 Stellen schaffen. Erforscht werden Technologien zur sicheren Nutzung, Erkennung und Abwehr von Drohnen.

von MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Handy liegt auf einer Laptoptastatur. Das Display zeigt das Google Logo

Nachrichten personalisieren

Orten, stören, abfangen – das sind tägliche Aufgaben am Flughafen Cochstedt. Das Gelände liegt etwas verloren in der Provinz südlich von Magdeburg. Seit 2019 wird dort an Drohnen geforscht: zur Erkennung von Waldbränden, zum Transport und nun immer stärker auch für militärische Anwendungen.

Am Dienstag wurde hier, am Testflughafen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), eine Forschungseinrichtung für Drohnensicherheit eröffnet. Es gehe darum, durch Forschung und Innovation „das Wettrüsten (…) zwischen Drohnenabwehr und Drohnenabwehr-Überwindungstechnik“ zu gewinnen, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Dienstag am Flughafen Cochstedt. Das Zentrum werde „ein zentraler Baustein der Sicherheitsarchitektur gegenüber der hybriden Bedrohung durch Drohnen sein“.

Video:
Cochstedt: So sollen gefährliche Drohnen gestoppt werden (12 Min)

Reaktion auf mutmaßlichen Drohnenangriff bei Leipzig/Halle

Die Eröffnung fällt in eine Zeit wachsender Sorge vor Drohnenangriffen. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte zuletzt ein Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle vor gut zwei Wochen. Dort war in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne entdeckt und von einem Mitarbeiter zum Absturz gebracht worden. Deutschland sei „täglich Zielscheibe von hybriden Angriffen“ von „fremden Mächten“, die versuchten, durch Spionage, Sabotage und Manipulation die Stabilität Deutschlands zu untergraben, sagte Dobrindt. Er sprach vom „Schattenkrieg des 21. Jahrhunderts“.

Deutschlands Strategie zur Drohnenabwehr und zum Schutz kritischer Infrastruktur

Das Technologiezentrum ist Teil einer Strategie zur Drohnenabwehr, die Dobrindt mit den Innenministern der Länder besprochen hatte. Dazu gehört eine seit Dezember tätige Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei, die perspektivisch auf 300 Kräfte anwachsen soll. Zweiter Baustein ist ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern, in dem sich verschiedene Sicherheitsbehörden und andere Stellen austauschen sollen. Falls nötig, soll auch die Bundeswehr einbezogen werden.

Fliegende Schwarmdrohne

Testzentrum in Sachsen-Anhalt

Mit der Forschung in Cochstedt kommt der dritte Baustein hinzu. Mehr als zehn Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in den Ausbau fließen. Zudem sollen bis zu 40 neue Arbeitsplätze entstehen, 25 davon in Cochstedt. Das Technologiezentrum arbeitet neben Cochstedt auch am DLR-Standort Braunschweig.

Dass der Flughafen Cochstedt nun deutsches Technologiezentrum für Drohnensicherheit ist, scheint fast logisch. Quasi im Wochentakt laufen dort bereits Tests. Erst kürzlich testeten Polizeibeamte dort verschiedene Abwehrsysteme. Einerseits gehe es um Methoden, wie Drohnen geortet und verfolgt werden können, um ein Lagebild zu erstellen, teilte das DLR mit. Darüber hinaus gehe es aber auch darum, unerwünschte Drohnen unschädlich zu machen. So können Drohnen mit Störsignalen am Weiterflug gehindert werden oder eine Abfangdrohne nimmt die Verfolgung auf und bringt die fremde Drohne zum Absturz oder rammt sie.

Experte: Technik allein reicht nicht aus

Der IT-Sicherheitsexperte Manuel Atug hält das Technologiezentrum für einen sinnvollen ersten Schritt. Dort könne geprüft werden, was angebotene Abwehrsysteme tatsächlich leisten und welche Gefahren sie mit sich bringen. Technik allein reiche jedoch nicht aus, so Atug im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Entscheidend seien abgestimmte Verfahren zwischen Bundes- und Landespolizei sowie der politische Wille, erprobte Maßnahmen auch einzusetzen. Die derzeitige Aufteilung der Zuständigkeiten bezeichnete Atug als „Wimmelbild der Verantwortungsdiffusion“.

Manuel Atug

Manuel Atug, Gründer und Sprecher der AG KRITIS, fordert neben technischer Forschung klare Zuständigkeiten bei der Drohnenabwehr. (Archivbild)

Atug sieht das Hauptproblem deshalb nicht in fehlendem Wissen, sondern in der Umsetzung. „Hauptsächlich liegt es daran, dass der politische Wille nicht da ist, das so durchzuziehen“, sagte er mit Blick auf einheitliche Verfahren bei der Drohnenabwehr. Atug ist auch Gründer und Sprecher der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen, kurz AG KRITIS. Der Zusammenschluss von Fachleuten setzt sich für den Schutz wichtiger Versorgungssysteme ein. Bereits im November 2025 warnte die Gruppe davor, dass Drohnen Menschenmengen angreifen oder Sprengstoff transportieren könnten. Die Gefahr sei daher längst bekannt, sagte Atug.

Ursprünglich war der Flughafen von Cochstedt ein sowjetischer Militärstützpunkt im geteilten Deutschland. Schließlich stellte sich mehrfach, zuletzt in den 2010er-Jahren, das zweite Leben als Verkehrsflughafen mit Urlaubsflügen aus der Provinz als nicht lukrativ genug heraus. Die lange Landebahn und die umgebenden Gebäude in Cochstedt bieten den Forschern nun die gewünschten Bedingungen, um etwa Drohnenangriffe auf Flughäfen zu simulieren. Dafür wurde eine Geozone von 16 mal 5 Kilometern rund um den Standort eingerichtet, erklärt die DLR-Vorstandsvorsitzende Anke Kaysser-Pyzalla.

Die Rolle des DLR beim Ausbau der Drohnensicherheit in Deutschland

Die sich verändernde Sicherheitslage in den vergangenen Monaten und Wochen mache es dringend notwendig, Kompetenzen zu bündeln, sagte die DLR-Vorstandsvorsitzende Anke Kaysser-Pyzalla. „Einen Schwerpunkt setzen wir auf unser Drohnenkompetenzzentrum am Flughafen Cochstedt, wo unbemannte Luftfahrtsysteme und deren Resilienz im Einsatz getestet, aber auch Maßnahmen zur Drohnenabwehr erprobt werden.“

Die Neutralisierung unerwünschter Drohnen ist komplex. Zunächst gehe es um das Erkennen von Drohnen oder ganzen Drohnenschwärmen. Dann müsse die Situation in einem Lagezentrum bewertet werden. Anschließend würden in einem dritten Schritt geeignete Gegenmaßnahmen ausgewählt und gestartet. Dabei steht laut DLR auch die Sicherheit der Umgebung im Mittelpunkt. Flugverkehr ist am Flughafen Cochstedt weiterhin möglich. Auch die Bundeswehr nutzte das DLR-Gelände im Juni für Flug- und Systemtests mit Transportflugzeugen.

Logo Leichte Sprache mit Text: Leichte Sprache

Mehr zum Thema

Ein Fluglotse steht auf dem Tower des Flughafen Cochstedt

Polizisten auf einem Feld vor Flughafen

Ein Schild am Zaun des Flughafen Frankfurt weist auf das Verbot von Drohnenflügen hin.

Mitteldeutsche Flughäfen

MDR (Max Hensch, Oliver Leiste, Hannes Leonard), dpa