- Ein Pressenza-Modell, das über fünf Tage mithilfe von KI-Tools entwickelt wurde, bewertet politische Führungspersönlichkeiten anhand der Kriterien Kraft, Weisheit und Güte in zwölf Politikbereichen.
- Dabei wird jeder Politikbereich danach beurteilt, ob politisches Handeln den Spielraum menschlicher Freiheit erweitert oder einschränkt.
- An erster Stelle liegt Claire Hanna (SDLP), dicht gefolgt von Zack Polanski (Green) und John Swinney (SNP).
Claire Hanna ist Vorsitzende der Sozialdemokratischen und Arbeiterpartei (SDLP) in Nordirland. Sie führt eine Pressenza-Bewertung von zehn im Vereinigten Königreich aktiven politischen Führungspersönlichkeiten an. Auf den weiteren Plätzen folgen Zack Polanski, Vorsitzender der Grünen Partei in England und Wales, John Swinney, Vorsitzender der Scottish National Party (SNP) und Erster Minister Schottlands, sowie Mary Lou McDonald, Vorsitzende von Sinn Féin und Oppositionsführerin in der Republik Irland.
Am anderen Ende der Rangliste stehen Kemi Badenoch, konservative Politikerin und Oppositionsführerin in Westminster, sowie Nigel Farage, Vorsitzender von Reform UK und Abgeordneter für Clacton. Beide erhielten deutlich negative Bewertungen.
Bei dieser Untersuchung wurde bewusst eine ungewöhnliche Frage gestellt. Anstatt zu fragen, welcher Politiker am beliebtesten, wahlpolitisch erfolgreich, medienfreundlich oder im herkömmlichen Sinne „kompetent” ist, fragten wir: „Wer beweist Kraft, Weisheit und Güte in einer Weise, die den Spielraum der menschlichen Freiheit erweitert?“
Die Ergebnisse:
Rang Politiker:in Partei Punktzahl Beleglage
1 Claire Hanna SDLP +23 8/12
2 Zack Polanski Green Party +22 9/12
3 John Swinney SNP +21 10/12
4 María Lou McDonald Sinn Féin +20 8/12
5 Rhun ap Iorwerth Plaid Cymru +19 10/12
6 Ed Davey Liberal Democrats +14 6/12
7 Andy Burnham Labour +9 12/12
8 Gavin Robinson DUP 0 6/12
9 Nigel Farage Reform UK -11 7/12
10 Kemi Badenoch Conservative -17 10/12
Eine Bewertung, die auf acht der zwölf Bereiche basiert, bedeutet nicht, dass der Spitzenpolitiker in den übrigen vier Bereichen gut abgeschnitten hat. Vielmehr bedeutet sie, dass während des untersuchten Zeitraums nicht genügend Belege vorlagen, um eine fundierte Bewertung vorzunehmen. Bei den Spitzenpolitikern, für die wir in elf oder zwölf Bereichen Belege fanden, war zudem die Wahrscheinlichkeit größer, dass Widersprüche und Schwächen sichtbar wurden. Daher sollte die Tabelle als Momentaufnahme der in einem festgelegten Zeitraum beobachtbaren politischen Ausrichtung verstanden werden und nicht als endgültige politische Einstufung.
Eine weitere Achse für die politische Bewertung
Politik wird im Allgemeinen entlang einer einzigen Achse dargestellt: von links nach rechts. Das ist nach wie vor nützlich. Aus humanistischer Perspektive lässt diese Darstellung jedoch eine weitere Frage außer Acht, die uns bei Pressenza interessiert: Wie viel Freiheit haben wir gemeinsam?
Mit Freiheit meinen wir nicht lediglich die Freiheit von staatlicher Einmischung. Wir beziehen uns auf den tatsächlichen Handlungsspielraum, der Menschen zur Verfügung steht: ob sie in Würde Zugang zu Nahrung, Unterkunft, Gesundheitsversorgung und Bildung haben; ob sie an Entscheidungen, die sie betreffen, mitwirken können; ob sie sich zusammenschließen, sich frei bewegen, ablehnen, gestalten, lernen und füreinander sorgen können; ob sie über ihren Körper und ihre Zeit selbst bestimmen können; und ob sie ihre eigenen Lebensentwürfe verwirklichen können. Politische Entscheidungen können diesen Handlungsspielraum erweitern oder einschränken.
Das bedeutet, dass politische Maßnahmen, die üblicherweise mit der Linken in Verbindung gebracht werden, positiv zu bewerten sein können, wenn sie konzentrierte Macht umverteilen oder die materiellen Voraussetzungen für Freiheit sichern. Sie sind jedoch nicht allein deshalb positiv zu bewerten, weil sie als links gelten. Ebenso kann eine Politik, die mit der Rechten assoziiert wird, positiv zu bewerten sein, wenn sie Autonomie tatsächlich schützt, Macht verteilt oder darauf verzichtet, Menschen lediglich als Mitglieder einer Kategorie zu behandeln. Die uns vertraute Rechts-Links-Achse wird dabei nicht verworfen, sondern um eine weitere Achse ergänzt.
Woher stammt diese Idee?
Die Überlegungen dazu begannen im Rahmen eines Gesprächs mit einer künstlichen Intelligenz über politische Führung und Silos Buch „Die Erde vermenschlichen“. Wenn der Mensch nicht bloß als passives Objekt der Umstände, sondern als handlungsfähiges Wesen verstanden wird, das die Welt verändern und eine Zukunft gestalten kann, welche Eigenschaften sollten wir dann bei jemandem suchen, der politische Macht ausübt?
Wir kamen auf drei Eigenschaften, die Silo nennt: Kraft, Weisheit und Güte. Sie schienen eine bemerkenswert vollständige Triade zu bilden. Kraft ohne Weisheit kann zu Brutalität führen, Weisheit ohne Güte kann kalt wirken, und Güte ohne Kraft bleibt wirkungslos. Kombiniert man alle drei Eigenschaften, entsteht eine Führungspersönlichkeit, die in der Lage ist, zu führen, ohne zu dominieren.
Auf dieser Grundlage haben wir einen festen Kriterienkatalog humanistischer politischer Leitlinien entwickelt. Im Mittelpunkt steht eine einzige Frage: Würde eine Bewegung in diese Richtung den Spielraum der menschlichen Freiheit erheblich erweitern oder einschränken?
Anschließend untersuchten wir die öffentlichen Äußerungen der zehn Führungskräfte im selben Zeitraum von drei Monaten – vom 9. Mai bis zum 9. August 2026 – und bewerteten Kraft, Weisheit und Güte jeweils separat, sofern ausreichende Belege vorlagen. Bei der „Kraft“ ging es darum, ob die Führungskraft die ihr tatsächlich zur Verfügung stehenden Befugnisse nutzte, bei Bedarf beharrlich blieb und bereit war, sich mächtigen Interessen entgegenzustellen. „Weisheit“ bezog sich auf die Qualität der Analyse: Wurden Ursachen und Folgen verstanden? Wurde die Beleglage angemessen berücksichtigt? Waren die vorgeschlagenen Mittel geeignet, das erklärte Ziel zu erreichen? „Güte“ bezog sich auf die Auswirkungen auf konkrete Menschen: Wurden ihre Würde, ihre Autonomie und ihre Fähigkeit, ihr Leben selbst zu gestalten, gestärkt oder geschwächt?
Jede Dimension wurde auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet. Für die Endsumme wurde 3 als Nullpunkt festgelegt. Eine 1 entsprach −2, eine 2 entsprach −1, eine 3 entsprach 0, eine 4 entsprach +1 und eine 5 entsprach +2. Wenn keine ausreichenden Belege vorlagen, vermerkten wir „N/E“ und bewerteten den Bereich nicht.
Die drei Bewertungen wurden bewusst unabhängig voneinander vorgenommen. So kann jemand mit großer Entschlossenheit eine unüberlegte oder entmenschlichende Politik verfolgen; ein humaner Vorschlag kann ohne ausreichende Entschlossenheit umgesetzt werden; und eine intellektuell ausgefeilte Politik kann die Menschen, die mit ihren Folgen leben müssen, dennoch ignorieren. Diese Unterscheidung erwies sich bei der Betrachtung der Ergebnisse als besonders relevant.
Was die Ergebnisse zeigen
Der erste Platz von Claire Hanna beruhte weniger auf der Quantität als vielmehr auf der Qualität der Belege. Ihr Ansatz hinsichtlich einer möglichen irischen Einheit ist ein gutes Beispiel dafür. Sie befürwortet eine Verfassungsänderung, betrachtet diese jedoch nicht als etwas, das man einfach durch das Erreichen von 50 Prozent plus einer Stimme herbeiführen und dann allen anderen aufzwingen kann. Die Vorbereitung, die Beteiligung, die Identität und die Legitimität der Menschen, die zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangten, waren Teil des Gesamtbildes. Das gleiche Augenmerk auf die tatsächlich betroffenen Menschen zeigte sich auch in ihren Beiträgen zu den Themen Ernährung, Diskriminierung und technologische Macht.
Knapp hinter ihr stach das Ergebnis von Zack Polanski hervor, der scheinbar getrennte Fragen miteinander verknüpfte. Wohnraum, Mieten, extreme Hitze, Arbeitsbedingungen, Eigentum und politische Macht tauchten dabei immer wieder als Teil derselben Struktur auf und nicht als isolierte politische Probleme. Diese Tendenz, zu hinterfragen, wer die Macht hat, wer unter den Folgen leidet und wie sich diese Verhältnisse ändern lassen, ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass er so gut abgeschnitten hat.
Der dritte Platz von John Swinney erfordert eine andere Art der Bewertung. Das bestimmende politische Ziel der SNP ist die Unabhängigkeit Schottlands. Während des von uns untersuchten Zeitraums unterbreitete Swinney jedoch weder weitreichende Vorschläge zur Erreichung dieses Ziels noch ging er erhebliche politische Risiken ein, um eine Konfrontation mit London zu erzwingen. Sein gutes Ergebnis beruht auf weit mehr als nur der Regierungsführung. In Bezug auf Kinderarmut, öffentliche Dienstleistungen, erneuerbare Energien, sozialen Schutz und internationale wirtschaftliche Gerechtigkeit verhält sich die SNP tatsächlich wie eine Mitte-Links-Regierung und verfolgt eine Politik, die den praktischen Handlungsspielraum der Menschen häufig erweitert. Gemessen an diesem Maßstab verdient dies Anerkennung – unabhängig davon, wie wirksam die Partei die Unabhängigkeit vorantreibt.
Mary Lou McDonald erzielte ebenfalls eine hohe Punktzahl, insbesondere wenn es um die praktische Selbstbestimmung des Menschen bei politischen Veränderungen ging. Ein Beispiel hierfür ist ihre Unterstützung für die Abschaffung der dreitägigen Wartezeit für Schwangerschaftsabbrüche in Irland: Es handelte sich um eine konkrete gesetzgeberische Maßnahme und eine direkte Verringerung unnötiger Eingriffe in die körperliche Selbstbestimmung. Ihr Ansatz zur Wiedervereinigung legte in ähnlicher Weise den Schwerpunkt auf die Vorbereitung, anstatt davon auszugehen, dass ein Referendumsergebnis alle damit verbundenen menschlichen und sozialen Fragen allein lösen würde.
Das Ergebnis von Rhun ap Iorwerth, dem Vorsitzenden von Plaid Cymru und Ministerpräsidenten von Wales, spiegelt den Vorteil – und die Last – der Regierungsverantwortung wider. Die walisischen Beispiele umfassten Investitionen in den NHS, Kinderbetreuung, Schulverpflegung, Wohnrechte und eine stärkere Mitbestimmung der Arbeitnehmer:innen. Dies sind nicht mehr bloß Vorschläge. Gleichzeitig hüten wir uns davor, allzu früh Bestnoten zu vergeben. Eine neue Regierung muss erst noch beweisen, dass ihr Kurs den Haushaltsplanungen, der Opposition, institutioneller Trägheit und dem Lauf der Zeit standhalten kann.
Ed Davey, der Vorsitzende der Liberaldemokraten, fand zwar weniger Beachtung in den Medien, lieferte jedoch einige der überzeugendsten demokratischen Ideen der Studie. Seine Vorschläge zur proportionalen Vertretung, zur Begrenzung großer politischer Spenden, zur Verfassungsreform und zur Dezentralisierung stehen in engem Einklang mit dem humanistischen Anliegen, politische Macht zu verteilen. Seine Befürwortung einer vertieften europäischen militärischen Integration führte jedoch zu einer niedrigeren Bewertung.
Dann ist da noch Andy Burnham, Vorsitzender der Labour-Partei und Premierminister des Vereinigten Königreichs während des letzten Teils des Bewertungszeitraums. Sein Fall ist wahrscheinlich die beste Warnung vor einer allzu simplen Interpretation. Burnham war der einzige Parteivorsitzende, für den wir alle zwölf Bereiche bewerten konnten. Dies brachte beträchtliche Stärken, aber auch erhebliche Widersprüche zutage.
Sein Ansatz in Bezug auf Armut und Soziales blickte oft über das Sozialleistungssystem selbst hinaus und richtete den Blick auf die Bedingungen, die Abhängigkeit schaffen. Er setzte sich für eine stärkere öffentliche Kontrolle über grundlegende Dienstleistungen ein, dezentralisierte die politische und fiskalische Macht weg von Westminster, handelte im Sinne des „gemeinsamen Traums“ und engagierte sich im Bereich der Sozialfürsorge. Doch seine Hinwendung zu einem „pragmatischeren“ Ansatz in Bezug auf Öl und Gas aus der Nordsee führte zu einer schlechten Bewertung im Bereich Klimaschutz. Gleichzeitig standen die fortgesetzten Investitionen in die nukleare Abschreckung Großbritanniens im direkten Widerspruch zur humanistischen Ausrichtung der nuklearen Abrüstung. Daher bedeutet sein siebter Platz nicht, dass die sechs Personen, die vor ihm rangieren, einfach „bessere Politiker“ sind. In seinem Fall war nahezu das gesamte Spektrum erkennbar.
Gavin Robinson, der Vorsitzende der Democratic Unionist Party in Nordirland, lieferte ein weitaus kleineres und gemischteres Bild ab. Seine Reaktion auf die Verurteilung des ehemaligen DUP-Vorsitzenden Jeffrey Donaldson – einschließlich der Einleitung einer unabhängigen Untersuchung darüber, was die Partei wusste und wie mit den Bedenken umgegangen wurde – zeugte jedoch von echter institutioneller Verantwortung. Seine Äußerungen zur Macht der Gewerkschaften und zur Migration waren hingegen weniger überzeugend.
Der untere Teil der Tabelle verdeutlicht, warum die „Kraft“ von den beiden anderen Eigenschaften getrennt betrachtet werden musste. Nigel Farage, Vorsitzender von Reform UK und frisch gewählter Abgeordneter für Clacton, erfüllt die Kriterien des Modells oft: Er vertritt klare Positionen, verfolgt diese konsequent und erzielt politische Wirkung. Doch eine vom Militär geleitete Operation im Ärmelkanal, die als „Invasion“ dargestellt wurde, sowie Vorschläge zum sozialen Wohnungsbau für Ausländer, erzielten äußerst schlechte Bewertungen, wenn sie hinsichtlich Verhältnismäßigkeit, kausaler Argumentation und der Würde der betroffenen Personen geprüft wurden. Ohne Weisheit und Güte kann Kraft schlichtweg zur Fähigkeit werden, etwas durchzusetzen.
Kemi Badenoch, konservative Politikerin und Oppositionsführerin in Westminster, erhielt ebenfalls eine sehr negative Gesamtbewertung, allerdings aus unterschiedlichen Gründen in einer Vielzahl von Prüfkriterien. Höhere Militärausgaben in Verbindung mit Kürzungen im Sozialbereich, Beschränkungen für Ausländer im sozialen Wohnungsbau, strafrechtliche Ansätze sowie der Rückzug von Klimaschutzverpflichtungen verschlechterten ihr Ergebnis. Das Modell zwang uns jedoch auch dazu, nach dem zu suchen, was nicht in dieses Muster passte. Ihr Wirtschaftsprogramm enthält ein substanzielles Argument, auch wenn wir ihre Annahmen und Schlussfolgerungen nicht überzeugend finden. Ihr Beharren darauf, dass Menschen nicht auf Gruppenkategorien reduziert werden dürfen, enthält ein erkennbar humanistisches Element. Wenn der Rahmen lediglich die Tugenden von Politikern aufdecken würde, wäre er nicht sehr nützlich.
Was messen wir genau?
Hinter jeder politischen Bewertung steht eine unvermeidliche normative Entscheidung. „Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“, „Wählbarkeit“, „Sicherheit“, BIP-Wachstum oder Haushaltsdisziplin sind ebenfalls keine neutralen Maßstäbe. Jeder dieser Maßstäbe setzt voraus, dass es sich lohnt, bestimmte Ergebnisse anzustreben. Unsere Annahme ist explizit: Der Mensch steht an erster Stelle.
Staaten, Märkte, Grenzen, Eigentumsordnungen und politische Parteien sind menschliche Konstrukte. Wir beurteilen sie danach, wie sie mit den Möglichkeiten umgehen, die den Menschen tatsächlich zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass politische Maßnahmen, die mit der Linken in Verbindung gebracht werden, oft gut abschneiden, wenn sie konzentrierte Macht umverteilen, materielle Würde sichern oder die demokratische Kontrolle ausweiten. Doch links zu sein, ist an sich noch kein Beweis für gute Politik. Ein zentralistischer Staat, der im Namen der Gleichheit die Handlungsfähigkeit des Einzelnen einschränkt, könnte schlecht abschneiden. Eine Politik, die politische Rechte stärkt, Macht dezentralisiert oder persönliche Autonomie erweitert, könnte hingegen gut abschneiden.
Ebenso ist nationale Unabhängigkeit nicht per se humanistisch, ebenso wenig wie die Aufrechterhaltung einer bestehenden Union. Entscheidend ist, ob die Menschen ihre gemeinsame Zukunft wirklich selbst bestimmen können und ob sie die materiellen und sozialen Voraussetzungen für ein Leben in Würde bewahren, während sie innerhalb einer gewählten Ordnung leben. Genau das soll die zweite Achse sichtbar machen.
Ein offenes Experiment
Drei Monate sind ein kurzer Zeitraum. Regierungen können Belege für die Umsetzung vorlegen, Oppositionsparteien hingegen nicht, obwohl ihre Kraft stets im Verhältnis zu den ihnen tatsächlich zur Verfügung stehenden Befugnissen betrachtet wurde. Einige Führungskräfte äußerten sich oder handelten in fast allen Bereichen, andere nicht. Ein „N/E“ bedeutet lediglich, dass uns keine ausreichenden Belege vorlagen, um zu einem vertretbaren Urteil zu gelangen. Die Bewertungen können sich ändern, sobald neue Belege vorliegen.
Aus diesem Grund ist Transparenz Teil der Methode. Der Rahmen der humanistischen Politik ist in diesem Artikel beschrieben, sodass er von anderen übernommen, mit anderem Beweismaterial untermauert und auf eine andere Gruppe von Politiker:innen, ein anderes Land oder einen anderen Zeitraum angewendet werden kann. Anhang 2, der separat als PDF veröffentlicht wurde, enthält das gesamte von uns gesammelte Beweismaterial sowie unsere Bewertungen. Die Leser:innen können die Quellen prüfen, einzelne Beurteilungen hinterfragen, die Ergebnisse neu berechnen oder dasselbe Modell mit eigenen Belegen anwenden.
Es geht nicht darum, dass alle genau zu unserer Tabelle gelangen müssen. Vielmehr sollten alle genau erkennen können, wie wir zu diesem Ergebnis gekommen sind, und es selbst nachprüfen können.
Kraft, Weisheit und Güte
Am Ende dieser Betrachtung erweist sich die ursprüngliche Triade nach wie vor bemerkenswert nützlich: Kraft, Weisheit und Güte. Kraft ohne Weisheit kann zu Brutalität führen, Weisheit ohne Güte kann kalt wirken, und Güte ohne Kraft kann wirkungslos sein. Eine politische Führung, die die menschliche Freiheit erweitern will, benötigt alle drei Eigenschaften.
Vielleicht führt uns dies zurück zu der Eigenschaft, nach der wir ursprünglich gesucht haben: die Fähigkeit zu führen, ohne zu dominieren.
Anhang 1 – Die Leitlinien der humanistischen Politik
Der Rahmen umfasst zwölf Bereiche. Sie sind nicht als konventionelles Manifest gedacht, sondern als Leitlinien, anhand derer politisches Handeln danach bewertet werden kann, ob es darauf abzielt, den Spielraum der menschlichen Freiheit zu erweitern oder einzuschränken.
- Frieden und internationale Beziehungen: schrittweise Entmilitarisierung, nukleare Abrüstung, Diplomatie und gewaltfreie kollektive Sicherheit.
- Armut und materielle Würde: Verlässlicher Zugang zu den materiellen und sozialen Bedingungen, die für ein Leben in Würde notwendig sind. Dabei soll Wohlergehen die Autonomie erweitern, anstatt Demütigung oder Abhängigkeit zu schaffen.
- Wirtschaftsmacht und Eigentum: Abbau von Konzentrationen wirtschaftlicher Macht, die bestimmten Personen oder Institutionen ermöglichen, das Leben anderer zu kontrollieren; eine breitere Verteilung von Eigentum, Teilhabe und Produktivitätsgewinnen.
- Gesundheit und Gesundheitsversorgung: Eine universelle und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung, die auf Selbstbestimmung, informierte Einwilligung, Prävention, Würde und die Fähigkeit zu einem unabhängigen Leben ausgerichtet ist.
- Wohnraum, Land und Grundversorgung: Gesicherter Zugang zu angemessenem Wohnraum und grundlegender Versorgung als Voraussetzung für Freiheit; Wohnraum in erster Linie als Ort zum Leben und nicht als Spekulationsobjekt.
- Migration und Asyl: humane und gerechte Asylverfahren, Schutz vor Ausbeutung sowie Eindämmung gewaltsamer und wirtschaftlicher Umstände, die Menschen zur Migration zwingen.
- Klima und Ökologie: Erhaltung der materiellen Voraussetzungen, die für die Freiheit heutiger und künftiger Generationen notwendig sind, einschließlich einer strukturellen Bewertung von Energie, Produktion, Wohnen, Verkehr und ökologischen Auswirkungen.
- Demokratie und Dezentralisierung: Verteilung der politischen Macht auf die von Entscheidungen betroffenen Menschen, proportionale Vertretung, wirksame Teilhabe, Dezentralisierung und echte Selbstbestimmung.
- Persönliche Freiheit und Diskriminierung: Gleiche Würde und die Fähigkeit der Menschen, ihre Identitäten, Beziehungen und körperlichen Entscheidungen selbst zu gestalten, begrenzt durch die gleichwertige Intentionalität anderer.
- Bildung, Kultur und Information: Bildung, die auf kritisches Denken, Kreativität, Zusammenarbeit, praktische Kompetenz und die Fähigkeit zur Gestaltung des eigenen Lebensentwurfs ausgerichtet ist statt auf Gehorsam, Klassifizierung und den Wettbewerb um Qualifikationsnachweise.
- Gewalt und Strafrecht: Prävention, Wiedergutmachung, Resozialisierung und Schutz statt Rache oder der Zufügung von Leid als Strafe, wobei Zwang auf das wirklich Notwendige beschränkt bleibt.
- Technologie und Überwachung: Technologie, die der menschlichen Intentionalität dient, anstatt Macht auf sie zu konzentrieren; Privatsphäre, demokratische Rechenschaftspflicht, sinnvolle Kontrolle über Daten und umfassender Austausch technologischer Errungenschaften.
Anhang 2 – Belege und Bewertung:
Siehe das beigefügte PDF „Measuring Leadership – Anhang 2: Belege und Bewertungsprotokoll“. Das PDF enthält die abschließende Kompetenzmatrix, Zusammenfassungen der Belege und Begründungen, das Prüfprotokoll sowie das vollständige Herkunftsprotokoll.
Die Übersetzung aus dem Englischen wurde Kornelia Henrichmann vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!