Einer der Angeklagten in einem Staatsschutzverfahren gegen drei Ukrainer wegen Agententätigkeit im Auftrag eines russischen Nachrichtendienstes kommt in Handschellen in den Saal des Oberlandesgerichts Stuttgart in Stammheim und verdeckt sein Gesicht mit einem Aktenordner.

AUDIO: Wegwerf-Agenten in Deutschland: Wie Geheimdienste junge Männer für Sabotage anwerben (2 Min)

Spionage

Stand: 19.08.2026 05:00 Uhr

Am Oberlandesgericht in Stuttgart standen am Dienstag drei ukrainische Männer vor Gericht. Sie sollen für den russischen Geheimdienst Transportwege für Paketbomben ausgekundschaftet haben – als sogenannte Wegwerf-Agenten. Rekrutiert werden sie oft über soziale Medien, die Auftraggeber bleiben meist im Verborgenen.

von Elske Beckmann, MDR AKTUELL

Ein Handy liegt auf einer Laptoptastatur. Das Display zeigt das Google Logo

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Es sind vor allem junge Männer. Sie haben oft einen kleinkriminellen Hintergrund, äußern online Sympathien für Kriege und Konflikte und werden dann in den sozialen Medien als sogenannte Wegwerf-Agenten angeworben.

Ein Begriff, der von den deutschen Sicherheitsbehörden selbst stammt, erklärt ARD-Sicherheitsexperte Michael Götschenberg. „Im Englischen heißen sie ‚low level agents‘. Also ‚Niedrigniveau-Agenten‘ könnte man sagen. Ich finde den Begriff selbst auch nicht ganz glücklich, weil er schon auch etwas Menschenverachtendes hat.“

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Wegwerf-Agenten werden von Geheimdiensten eingesetzt. Das Ziel: Mit Spionage und Sabotageakten ein Land zu verunsichern und zu destabilisieren.

Die Spur führt meist nach Russland

„Beim gravierendsten Fall, mit dem wir es bislang in Deutschland zu tun hatten“, blickt Götschenberg zurück, „waren Luftfrachtpakete von DHL mit selbstentzündlichen Brandsätzen bestückt worden. Und da kam es dann tatsächlich dazu, dass sich im Logistikzentrum in Leipzig so ein Paket entzündet hat.“

In Deutschland werden Wegwerf-Agenten nach Einschätzungen des Bundeskriminalamts vor allem im Auftrag von russischen Geheimdiensten eingesetzt.

Alexander Dobrindt (CSU), Bundesinnenminister, spricht bei einer Pressekonferenz in einem Terminal des Flughafens Leipzig/Halle. Nach einem nächtlichen Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle haben Spezialisten der Bundespolizei eine Sprengvorrichtung entschärft. (zu dpa: «Dobrindt nennt Drohnen-Vorfall «hybrides Anschlagsszenario»»)

Der Fund einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig-Halle hat die Politik aufgeschreckt. Bundesinnenminister Dobrindt will nicht über die Hinterleute spekulieren, sieht aber eine neue hybride Bedrohungslage.

Das Konzept dahinter mache aber auch woanders Schule, erklärt Götschenberg. „Wir haben festgestellt, dass auch die radikalislamistische Hamas auf solche Personen setzt und sie angeworben hat, um in Deutschland beispielsweise Anschläge auf jüdische Einrichtungen zu verüben. Auch der iranische Geheimdienst setzt darauf. In der Masse haben wir es in Deutschland aber mit mutmaßlich russischen Geheimdiensten zu tun, die hinter diesen Operationen stecken.“

Wegwerf-Agenten als Teil des hybriden Krieges

Beweisen könne man allerdings nur sehr selten, dass ein russischer Geheimdienst der Auftraggeber eines Wegwerf-Agenten sei. Zu viele Spuren lassen sich verwischen, zum Beispiel durch Mittelsleute. Verantwortlich sind dann am Ende nur diejenigen, die die Tat ausgeführt haben. Und die wüssten oft gar nicht, für wen sie eigentlich arbeiten.

Ein Mann sitzt vor mehreren Computermonitoren

Theoretisch könnte laut Götschenberg auch der deutsche Nachrichtendienst Wegwerf-Agenten einsetzen. „Die Bundesregierung müsste dafür eine nachrichtendienstliche Notlage beschließen. Allerdings ist mein Eindruck, dass man bisher bewusst vermeidet, mit denselben Mitteln zurückzuschlagen, um die Lage nicht unnötig zu eskalieren.“

Für Götschenberg steht fest: Der Einsatz von Wegwerf-Agenten ist Ausdruck des hybriden Krieges, den Russland gegen Deutschland führt.

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