Stand: 18.08.2026 20:39 Uhr

Am 13. September wird in Hannover unter anderem ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Axel von der Ohe (SPD) tritt dabei gegen Belit Onay (Grüne) und damit gegen seinen Chef an. Oder macht’s doch ein anderer?

von Kristina Hoffmann

„Das war falsch und nicht unbedingt hilfreich, weil viele Punkte, die wir gerade auch zwischen Grünen und SPD verhandelt haben, waren eigentlich durchsetzbar.“ Oberbürgermeister Belit Onay blickt auf 2023. Damals zerbrach die Koalition zwischen SPD und Grünen im hannoverschen Rathaus. Das Vertrauen zwischen den ehemaligen Regierungspartnern ist angeknackst. Und jetzt geht’s in die Kommunalwahl mit nicht seltener, aber interessanter Konstellation: Für die SPD tritt der aktuelle Stadtkämmerer und Erste Stadtrat Axel von der Ohe an. Der Mann, der seit Jahren mit Belit Onay im Rathaus zusammenarbeitet. Er will auf den Oberbürgermeisterstuhl, wo sein Kollege noch sitzt.

Will in den Chefsessel: Stellvertreter Axel von der Ohe mit klarem Ziel

Axel von der Ohe im Gespräch, hebt die Hände

Will Bürgermeister werden: Stellvertreter Axel von der Ohe.

Axel von der Ohe weiß schon genau, was er als erstes angeht, sollte er im September Oberbürgermeister von Hannover werden. „Als meine erste Amtshandlung würde ich einen Wohngipfel einberufen. Miteinander einen Plan entwickeln, wie wir mehr bezahlbares Wohnen in Hannover sicherstellen können.“ Was er macht, wenn er die Wahl nicht gewinnen sollte, darüber mache er sich noch keine Gedanken. Für ihn zähle jetzt der Wahlkampf.

„Weiter so“ reicht Axel von der Ohe nicht

Nun hat der Erste Stadtrat die letzten Jahre als Dezernent für Ordnung, Finanzen und Feuerwehr die Entwicklung von Hannover wesentlich mitgestaltet. Jetzt einen Wahlkampf zu führen, bei dem die vergangenen Jahre kritisiert werden, dürfte schwerfallen. Und doch geht er in den Angriff über, nennt Belit Onays Wahlversprechen ambitionslos, seinen CDU-Konkurrenten Peter Karst konturlos. Axel von der Ohe nennt daher vor allem Themenschwerpunkte, die vorher nicht in seiner direkten Zuständigkeit lagen. „Ich lasse mich nicht in Mithaftung nehmen, was in dem Aufgabenfeld, in dem ich keine direkte Zuständigkeit hatte, getan oder unterlassen wurde, sondern ich mache jetzt für die nächsten acht Jahre Vorschläge.“

Wahlkampf unter Kollegen

Belit Onay im Gespräch, hebt die Hände

Er will weitermachen: Oberbürgermeister Belit Onay

Mehr Zeit, um die angefangenen Aufgaben weiterzuführen und damit eine Wiederwahl, wünscht sich Belit Onay. Klimaschutz, Familien- und kinderfreundliche Stadt, Verkehrs- und Mobilitätswende, da seien Grundsteine gelegt. In einer weiteren Amtszeit wolle er hier anknüpfen. „Ich bin davon überzeugt, dass ich der richtige Oberbürgermeister bin“, sagt er im Gespräch mit dem NDR Niedersachsen. Keiner der Kandidaten wird voraussichtlich im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erlangen, womöglich geht es am 27. September in die Stichwahl. Und dann könnte es spannend werden.

Spannende Stichwahl in Hannover?

Politikwissenschaftler Philipp Köker von der Leibniz Universität Hannover skizziert die Möglichkeiten: Es hänge viel davon ab, welche zwei Kandidaten in die Stichwahl kommen und wie sich die Wählerinnen und Wähler des dritten Kandidaten dann entscheiden. Bei einer Stichwahl zwischen Belit Onay und Axel von der Ohe würden vorherige CDU-Wählerinnen und Wähler ihre Stimme eher der SPD und damit Axel von der Ohe geben. Schwierig sei aber zu sagen, wie sich SPD-Wählerinnen und Wähler entscheiden würden, wenn sie die Wahl zwischen Belit Onay und Peter Karst von der CDU haben. Ähnlich sehe es bei einer Stichwahl zwischen Peter Karst und Axel von der Ohe aus. Wie es auch ausgeht, sowohl Belit Onay als auch Axel von der Ohe wollen eine starke Mehrheit im Rat formieren, möglicherweise auch mit einem rot-grünen Bündnis.

„Außenseiter“-Bonus für Peter Karst?

Peter Karst im Interview

Peter Karst tritt für die CDU zur Kommunalwahl an.

Peter Karst (CDU) kommt nämlich von der Seitenlinie: Der Geschäftsführer der Handwerkskammer Hannover war noch nicht in der Stadtpolitik aktiv, hat durch seinen Beruf aber entsprechende Erfahrung. Sollte er das Rennen um den Platz im Rathaus machen, wolle er zuerst die Themen Sicherheit und Ordnung angehen. Mehr Ordnungsdienst, mehr Videoüberwachung in der Innenstadt, klare Regeln bei Ordnungswidrigkeiten. Ist er der lachende Dritte, während Belit Onay und Axel von der Ohe sich qua Bekanntheit in Sicherheit wiegen? Das wird mindestens der erste Wahlgang am 13. September zeigen. Für die Linke geht Bundestagsabgeordnete Maren Kaminski ins Rennen. Für die AfD tritt die Abgeordnete im Landtag Jessica Schülke an.

Das marode Ihme-Zentrum in Hannover wartet seit Jahren auf seine Renovierung.

Damit soll gegen die hohe Grundschuld auf den Gebäudekomplex geklagt werden. Diese beläuft sich auf 290 Millionen Euro.

Ministerpräsident Olaf Lies im Gespräch mit Hannovers OB Belit Onay.

Der Ministerpräsident sprach anschließend von einer „klaren Haltung“ zu Standorten und Beschäftigten.