Die Dürre in diesem Sommer hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Pegel von Rhein und Donau waren historisch niedrig. Die Wupper kommt dagegen bislang vergleichsweise gut durch den trockenen Sommer. Um den Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schützen, hat der Wupperverband vorsorglich zusätzliches Wasser aus den Talsperren abgegeben. Mittlerweile leben zahlreiche Tierarten – von Eisvögeln bis Biber – in dem einstigen „Abwasserkanal“.

„Ein sehr wichtiger Beitrag für diese Entwicklung der früheren Kloake zu einem wertvollen Ökosystem ist die Niedrigwasseraufhöhung durch die Brauchwassertalsperren in Trockenzeiten“, erklärt Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbands. Allerdings herrschen dadurch im Grunde keine ganz natürlichen Bedingungen. In Zeiten von extremer Dürre sorgen diese Talsperren – Wupper-, Bever-, Brucher- und Lingese-Talsperre – dafür, dass die Wupper nicht austrocknet, und dafür, dass die ökologischen Bedingungen in und an der Wupper stabil bleiben. Da die Talsperren den Fluss unterstützen können, hat die Wupper im Vergleich zu vielen anderen Flussgebieten und Regionen, die keine Talsperren haben, eine sehr viel bessere Ausgangssituation, betont Fischer. „Während woanders Flüsse schon fast trockenfallen, extrem niedrig sind und zum Großteil aus gereinigtem Abwasser bestehen, haben wir weiterhin dank unserer Brauchwasser-Talsperren einen Fluss mit besseren Lebensbedingungen“, erklärt sie.

Trotzdem hat die Trockenheit ihre Spuren hinterlassen. Die Wupper-Talsperre ist aktuell nur noch zu 28 Prozent gefüllt. Was würde eigentlich passieren, wenn gar kein Wasser mehr in die Wupper abgegeben werden könnte?

Laut Fischer können Flüsse bis zu einem bestimmten Grad mit einer niedrigen Wasserführung umgehen. Fische ziehen sich etwa in tiefere Mulden, sogenannte Gumpen, im Flussbett zurück. Ein extrem niedriger Wasserstand hätte allerdings direkte Auswirkungen auf die Lebewesen in und an der Wupper. Hohe Wassertemperaturen und sinkende Sauerstoffkonzentrationen stellen für die Tiere und Kleinstlebewesen einen erheblichen Stressfaktor dar. „Dieser kann nur bis zu einem gewissen Grad toleriert werden und letztlich zu Fischsterben führen.“ Ein solches Szenario konnte der Wupperverband allerdings bisher vermeiden.

Ausgetrocknete Wupper hätte dramatische ökologische Folgen

Würde irgendwann aber keine Wasserabgabe durch die Talsperren mehr möglich sein – wenn es gar nicht mehr regnet und die Wasservorräte in den Talsperren aufgebraucht wären – dann würde in der Wupper genau das passieren, was bereits in anderen Gewässern zu beobachten ist: „Die Pegelstände würden weiter stark sinken, stellenweise wäre das Flussbett trocken und die Wasserführung würde zu einem Großteil aus den aus Kläranlagen eingeleiteten gereinigten Abwässern bestehen“, erklärt Susanne Fischer.

Bei großer Hitze erwärmen sich Restwasserflächen stark und verlieren Sauerstoff. Das verschlechtert die Lebensbedingungen für Fische, besonders für empfindliche Arten wie Lachse und Forellen. Außerdem geht auch das Nahrungsangebot für Fische – die Kleinstlebewesen – zurück. Fischsterben ist dann sehr wahrscheinlich. „Je nach Ausmaß bräuchte es mehrere Jahre, bis sich die Fischfauna wieder erholen und im Gewässer erneut ausbreiten kann.“

Ein nahezu vollständiges Trockenfallen würde das Flussökosystem nachhaltig schädigen. „Dies stellt den ,Worst Case’ für alle auf das Fließgewässer angewiesenen Lebensgemeinschaften dar, weshalb dieser Zustand bestmöglich vermieden werden muss“, so Fischer.

Niederschläge und Zuflüsse lassen sich im Sommer nur etwa zwei Wochen verlässlich vorhersagen. Deshalb setzt der Wupperverband auf flexible Bewirtschaftungskonzepte für unterschiedliche Szenarien. Die Messwerte der vergangenen trockenen Monate zeigten zwar, dass der Fluss nicht sofort trockenfallen würde, die Lebensbedingungen für Tiere könnten jedoch kritisch werden. „Wir sind sehr froh, dass wir durch die situativ angepasste Abgabe des Talsperrenwassers in der Wupper ein solches Szenario während der Trockenphasen und Hitzewellen der letzten Jahre noch nicht hatten und einen wertvollen Beitrag in der Klimafolgenanpassung geleistet haben.“

Zwar können die Talsperren primär die Wassermenge im Fluss regulieren, zumindest solange Wasservorräte zur Verfügung stehen. Faktoren wie Sonneneinstrahlung oder Temperaturen lassen sich aber nicht beeinflussen. Wenn Dürre- und Hitzeperioden weiter zunehmen und immer extremer werden, könnte das bestimmte Fischarten in ihrer Entwicklung hemmen, wie etwa Forellen, die kühlere Temperaturen brauchen, so Fischer.

Wupperverband appelliert an Politik und Gesellschaft

Die aktuellen Hitzewellen und Dürren zeigen laut Fischer, dass die Anpassung an den Klimawandel höchste Priorität haben müsse. Neben der Begrenzung der weiteren Erderwärmung seien vor allem Maßnahmen in der Wasserwirtschaft nötig. Dazu gehören klimaangepasste Städte und Landschaften, die Renaturierung von Gewässern und ein besserer Wasserrückhalt in der Fläche.

Aus Sicht des Wupperverbands kann jeder einen Beitrag leisten, um die Ressource Wasser zu schützen. „Unser Appell auch an die Bürgerinnen und Bürger ist, sorgsam mit dem kostbaren Wasser umzugehen“, so Fischer.