Konkurrenz, sagt Matthias Gastel, sei grundsätzlich gut. „Wir freuen uns über den Wettbewerb und unterstützen ihn“, sagt der Grünen-Politiker, der Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestags ist und als ausgewiesener Bahnexperte gilt. Doch, fügte er hinzu, der Wettbewerb auf dem deutschen Schienennetz müsse „fair und reguliert“ sein. Aber was heißt das genau?
Hintergrund der Diskussion ist die Ankündigung des italienischen Zugbetreibers Italo, von 2028 an den deutschen ICEs Konkurrenz zu machen. Auch die Münchner Firma Flix, die bereits im Fernbusgeschäft weltweit erfolgreich ist, will künftig mehr und vor allem schnellere Züge durch Deutschland schicken. Beide wollen Milliarden Euro in neue Züge investieren und damit der Deutschen Bahn Geschäft abnehmen. Wann wer fahren darf, darüber gibt es bereits Streit. Die zuständige Bundesnetzagentur hat die Infrastrukturtochter der Deutschen Bahn, Infrago, angewiesen, Platz auf der Schiene für die neuen Anbieter zu schaffen. Die Deutsche Bahn geht dagegen nun vor Gericht vor.
München-Berlin oder München-Ruhrgebiet sind die Rennstrecken
Gastel befürchtet nun eine Ausdünnung des Zugangebots. Denn die neuen Anbieter konzentrierten sich „ausschließlich auf die lukrativen Rennstrecken mit großem Passagierpotenzial“. Das stimmt: Sowohl Italo als auch Flix wollen zum Einstieg die Strecken München-Berlin und weiter nach Hamburg sowie München über Frankfurt ins Ruhrgebiet bedienen. Hier gibt es die meiste Nachfrage. Hier macht auch die Deutsche Bahn gute Geschäfte und finanziert damit weniger rentable Strecken.
Werden nun künftig kleinere Städte oder die Provinz abgehängt? Das vermuten nicht nur die Grünen. Auch die Eisenbahnergewerkschaft EVG fürchtet, dass Städte wie Münster oder Aachen künftig ihren Anschluss an das Fernverkehrsnetz verlieren könnten, weil sie nicht an den großen Rennstrecken liegen. Auch mittelgroße Städte wie Jena oder Bamberg könnten betroffen sein.
Schienenverkehr
:Die Deutsche Bahn sanieren? Ja klar. Aber wie?
Monatelang werden Strecken gesperrt und saniert, manchmal fahren die Züge danach noch unpünktlicher: Die Deutsche Bahn will das umstrittene Prinzip der Korridorsanierung retten. Doch das wird nicht einfach.
Die Grünen wollen das nun mit einem Gesetzentwurf verhindern, der in dieser Woche ins Parlament eingebracht wird. „Wir wollen mehr Fernverkehr in die Fläche bringen“, sagt Gastel. Dazu soll ein bundesweiter Aufgabenträger, der im Besitz des Bundes sein soll, gegründet werden, der sich um die Planung des Fernverkehrs kümmert. Der könnte dann Vorgaben zu Streckenverläufen und zur Taktung machen. Es müsse Regeln geben, die ein breites Angebot in der Fläche sicherstellen, so die Begründung. Die Grünen wollen rund 100 Städte besser an den Fernverkehr anschließen, was den Angaben zufolge etwa fünf Millionen Menschen zugutekäme. Der Weg zum nächsten Fernverkehrszug werde kürzer, der Anreiz, umzusteigen, damit größer, so Gastel.
Doch wie das genau erreicht werden kann, ist offen. Denn zum einen ist das Netz ohnehin schon überlastet und muss saniert werden, zum anderen können sich viele dieser Strecken nicht rechnen, weil es dort einfach zu wenige Passagiere gibt. „Wir wollen keine Verkehre subventionieren, die auch ohne Subventionen funktionieren“, sagt Gastel dazu. Dort, wo es sich aber nicht rechne, müssten eben die Trassenpreise gesenkt werden. Der Infrastrukturanbieter Infrago vergibt sogenannte Trassen – also Rechte, die Schienen zu nutzen – und erhält dafür Gebühren. Außerdem, so der Vorschlag der Grünen, sollten einige Strecken ausgeschrieben werden, sodass andere Anbieter als die Deutsche Bahn zum Zuge kommen können. Im Regionalverkehr ist das bereits lange der Fall. Das, so die Idee, könnte es künftig auch für Strecken im Fernverkehr geben.
Das Konzept könnte laut Gastel schrittweise von 2028 an umgesetzt werden, die Kosten beziffert er auf bis zu 400 Millionen Euro. Die Zahlen basierten auf einer Studie des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung (DZSF). An der Trennung zwischen Fern- und Regionalverkehr wolle er festhalten. „Das Ziel ist nicht, den Fernverkehr langsamer zu machen“, betonte Gastel. Sprinter mit nur wenigen Haltestellen zwischen Großstädten solle es weiterhin geben. Gleichzeitig könnten für anderen Verbindungen zusätzliche Halte kommen oder bestehende Linien verlängert werden. Ob das auch praktikabel ist, ist offen.
