Trockenheit und Hitze setzen den deutschen Landwirten zu: Der Deutsche Bauernverband (DBV) erwartet 2026 bei mehreren Agrarprodukten eine unterdurchschnittliche Ernte. Besonders die Bestände in Süd- und Westdeutschland litten unter den fehlenden Niederschlägen. „Der Standort hat in diesem Jahr über den Ertrag entschieden wie selten zuvor“, sagt DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Mit 41,9 Millionen Tonnen fiel die Getreideernte rund sieben Prozent kleiner aus als im Vorjahr. Der Hektarertrag über alle Getreidearten ging sogar um neun Prozent zurück. Beim Winterweizen, mit rund 2,9 Millionen Hektar die wichtigste Kultur, lagen die Erträge ebenfalls sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besonders stark betroffen war der Winterraps: Mit 3,3 Millionen Tonnen wurden 20 Prozent weniger geerntet als im Vorjahr. Neben den klimatischen Bedingungen setzte den Pflanzen auch ein hoher Schädlingsdruck zu, gegen den keine ausreichend wirksamen Mittel zur Verfügung stehen. Schlechte Ernten sorgen außerdem für weniger Tierfutter und setzen damit weitere Höfe unter Druck.

Staatshilfen lösen strukturelle Probleme nicht

Für die Betriebe, so der DBV, kommen damit mehrere Belastungen zusammen: Niedrige Erträge und geringe Erzeugerpreise treffen auf hohe Kosten für Betriebsmittel wie Diesel oder Düngemittel. Rukwied warnt, dass den Betrieben die notwendige Liquidität fehle, um die nächste Ernte zu finanzieren, und fordert daher sofortige Maßnahmen von der Politik: Das Düngemittelhilfspaket soll auf 180 Millionen Euro aufgestockt, Direktzahlungen sollen zum großen Teil bereits im Oktober ausgezahlt werden. 

Doch Agrarwissenschaftler widersprechen vehement. „Angesichts der Wetterextreme, die künftig noch stärker auf uns zukommen werden, können wir uns nicht so aufstellen, dass jede Ernteeinbuße staatlich kompensiert wird. Das wird nicht funktionieren“, sagt Martin Qaim, Agrarwissenschaftler und Professor für Agrarökonomie an der Universität Bonn. Kurzfristige Finanzhilfen könnten die Folgen einzelner Extremjahre zwar abfedern – die grundlegenden Probleme, die mit dem Klimawandel kommen, lösen sie jedoch nicht. 

„Ein Tropfen auf den heißen Stein“ seien solche Hilfen, sagt auch Alfons Balmann, Agrarökonom und Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO). Denn eine besonders große Rolle spiele die Unberechenbarkeit zukünftiger Ereignisse, die für erhebliche Unsicherheiten für Betriebe sorge. Auch der finanzielle Spielraum des Bundeslandwirtschaftsministers Alois Rainer (CSU) sei begrenzt – unter anderem, weil der Agrardiesel weiter subventioniert werde.

Statt auf staatliche Unterstützung zu setzen, müsse die Landwirtschaft deshalb stärker ihre eigenen Risiken berücksichtigen, sagt Balmann. „Letztlich muss die Landwirtschaft selbst darauf achten, wie sie sich positioniert und ihre Risiken managt.“ Ackerbaubetriebe etwa, die häufig auf Pachtflächen wirtschaften, sollten bei ihren Pachtgeboten vorsichtiger kalkulieren.

Doch wie muss sich die Landwirtschaft auf den Feldern verändern, um für eine Zukunft mit zunehmenden Wetterextremen gewappnet zu sein?

Mehr Vielfalt auf den Äckern

Ein Schlüssel sei dabei mehr Vielfalt auf den Feldern. Neben klassischen Kulturen wie Weizen, Gerste, Mais und Raps sollten verstärkt auch bislang weniger verbreitete Pflanzen angebaut werden, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen besser zurechtkommen. Linsen und Kichererbsen etwa vertragen Trockenheit besser, benötigen weniger Düngemittel und liefern zugleich mehr pflanzliches Eiweiß. Qaim: „Mit Blick auf die Nachhaltigkeit sollte der Weg dorthin führen.“

Doch nicht nur die Auswahl der Kulturen kann die Landwirtschaft widerstandsfähiger machen. Auch neue Technologien könnten helfen. Bei der genomischen Züchtung lässt sich das Erbgut von Pflanzen gezielt verändern, um sie etwa robuster gegen Trockenheit zu machen oder die Entwicklung neuer Sorten zu beschleunigen.

In der EU gelten dafür bislang strenge Gentechnik-Regeln. Im Juni dieses Jahres einigten sich die Mitgliedstaaten jedoch auf eine neue Verordnung, die Qaim aus wissenschaftlicher Sicht für längst überfällig hält: Genomisch gezüchtete Pflanzen mit nur kleinen Veränderungen im Erbgut sollen künftig weitgehend wie konventionell gezüchtete Pflanzen behandelt werden. Qaim: „So können lange Zulassungsprozesse vermieden werden.“ 

Bis die neuen Regeln in nationales Recht umgewandelt werden, dürfte es noch ein bis zwei Jahre dauern. Danach könnten genomische Züchtungsmethoden in den nächsten Jahren stärker zur Anwendung kommen. Allerdings kann auch die Entwicklung neuer Sorten mit diesen Technologien Jahre dauern, wie Balmann hervorhebt.

„Selbst die leistungsfähigste Sorte bringt keinen Ertrag, wenn im Boden kein Wasser mehr verfügbar ist.“

Lorenz Kottmann vom Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde am Julius Kühn-Institut

Neue Methoden der Pflanzenzüchtung sind deshalb ohnehin nur ein Baustein der Klimaanpassung. Die Grundlage sei ein humusreicher, gut strukturierter Boden, der Wasser möglichst lange speichern kann, betont Lorenz Kottmann vom Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde am Julius Kühn-Institut. „Selbst die leistungsfähigste Sorte bringt keinen Ertrag, wenn im Boden kein Wasser mehr verfügbar ist oder der Boden durch Erosion oder Verdichtung geschädigt ist.“

Erst im Zusammenspiel mit einem angepassten Anbausystem und gutem Bodenmanagement könne die Wahl der richtigen Sorte ihre Wirkung entfalten. Hinzu kommt: Trockenheits- und Hitzetoleranz sind komplexe, von vielen Genen gesteuerte Eigenschaften. Einzelne genetische Veränderungen leisten daher meist nur einen kleinen Beitrag. Umso wichtiger bleibe die Kombination mit der klassischen Züchtung, so Kottmann.

Internationaler Handel bleibt wichtig

Zu einem resilienten System gehört nach Qaim allerdings nicht nur, die heimische Landwirtschaft nachhaltiger aufzustellen. Auch die Einbindung in den internationalen Handel bleibe wichtig. Gerade angesichts geopolitischer Konflikte werde immer wieder über mehr Unabhängigkeit vom Weltmarkt und einen stärkeren nationalen Anbau diskutiert. Qaim sieht darin jedoch eine Gefahr: Eine stärkere Abhängigkeit von der heimischen Ernte könnte die Folgen von Dürre und anderen Wetterextremen sogar verschärfen. 

Die erwartete schwache Erntebilanz bewertet der Agrarwissenschaftler auch deshalb nicht als besorgniserregend, da uns noch andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen. „Die durchschnittlich zehn Prozent geringere Ernte kann man durch etwas mehr Importe, eine Verschiebung zwischen Futtermitteln und Brotgetreide sowie durch eine geringere Nutzung für Biotreibstoffe durchaus ausgleichen“ sagt Qaim.

Preise werden nicht sofort explodieren

Doch was kommt auf die Konsumentinnen und Konsumenten im Supermarkt zu? Auch in anderen Regionen der Welt, beispielsweise in Nordamerika, sei die Ernte niedriger ausgefallen. Mit sprunghaft ansteigenden Lebensmittelpreisen rechne Quaim trotzdem nicht, auch wenn die Preise für Getreide beispielsweise steigen könnten. Das Brot werde dadurch jedoch nicht viel teurer, zu gering sei der Getreideanteil am Brotpreis. 

Dennoch, langfristig könnte der Klimawandel die Preise im Supermarkt steigen lassen. Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung rechnet zum Beispiel damit, dass der Klimawandel dazu führen könnte, dass Lebensmittelpreise bis 2035 jedes Jahr um 3,2 Prozentpunkte steigen. 

Der Klimawandel und seine Herausforderungen sind längst da. Jetzt braucht es Bereitschaft zur Veränderung.

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