Manchmal braucht es nicht mehr als ein kleines bisschen Unwillen, sich mit einem Ärgernis abzufinden, die richtige Telefonnummer im Handy und einen Bürgermeister mit einer Leiter – und schon ist das Problem gelöst.

Diese drei Zutaten sorgten am Mittwoch dafür, dass die Gastronomen auf der Bolker Straße ihre Lieferanten empfangen und Terrassen aufbauen konnten. Denn kurz zuvor, so berichtet es die ehemalige Sprecherin der Altstadtwirte Isa Fiedler, sei die Straße von der Feuerwehr teilweise gesperrt worden. Der Grund: Ein morscher Baum direkt vor dem derzeit leer stehenden Geschäft, in das irgendwann einmal die Fastfood-Kette Burgermeister einziehen will. Schon am Vorabend habe die Feuerwehr sicherheitshalber einen dicken Ast des kaputten Baums abgetrennt und rund um den Baum Flatterband gespannt, um die Stelle zu sichern.

Das fiel am Mittwochmorgen „Oberbayern“-Wirt Marc Stollbrock auf. Das für Baumfällungen in der Stadt zuständige Gartenamt wurde informiert, habe den schlechten Zustand des Baumes bestätigt – und sei dann abgezogen. So erzählt es Fiedler, die mittlerweile Vize-Geschäftsführerin beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Nordrhein ist. An sie wandte sich Stollbrock mit einem Hilferuf. Denn das Gartenamt hatte den eigenen Handlungsaufschub damit begründet, dass ein Vogelnest im Baum sei. Dieses wiederum müsse sich dann die Untere Naturschutzbehörde ansehen. Man könne da selbst keinesfalls ohne Rücksprache tätig werden.

Isa Fiedler konnte diesen „Amtsschimmel“, wie sie den ganzen Vorgang später schon mit vielen Lachern durchzogen nannte, nicht fassen. „Wie lange soll das denn dauern?“, habe sie das Gartenamt gefragt, „Die Bolker Straße, die Hauptstraße der Altstadt, ist hier gesperrt,“ habe sie versucht, die Dringlichkeit der Lage zu begreiflich zu machen – ohne Erfolg, zunächst. Doch auch sie hatte eine richtige und für die Lösung des Falls wichtige Nummer gespeichert, die sie dann wählte: die von Bürgermeister Josef Hinkel (CDU).

Der gerade erst aus dem Wanderurlaub zurückgekehrte Hinkel nahm ab und ließ sich die Situation schildern. „Ich packe Dinge an, wie wir Handwerker es tun“, so Hinkel. Nach Fiedlers Schilderungen sei es ihm sinnvoll erschienen, nicht nur sich selbst, sondern auch eine Leiter mitzubringen. Höhenangst habe er nicht, früher habe er vor den Bäckereien auch die Fahnen in Teils luftiger Höhe aufgehängt, außerdem wandere er anspruchsvollere Strecken und in hoch gelegenen Gegenden. Mit der Leiter über der Schulter habe er sich also auf den Weg gemacht, sie vor dem Baum aufgestellt und selbst ins Vogelnest reingeschaut – nichts, kein Tier darin. Hinkel schätzt, dass das Nest schon seit längerer Zeit leer war. „Das war federleicht“, so der Bürgermeister. Als es entfernt war, griff dann wiederum Hinkel zum Hörer, adressierte das Gartenamt: „Der Baum kann jetzt gefällt werden.“