Niederlage als Motivation: Welthandballer Mathias Gidsel (r.) und die Füchse unterlagen im Cham­pions-League-Finale gegen Barcelona.

Niederlage als Motivation: Welthandballer Mathias Gidsel (r.) und die Füchse unterlagen im Cham­pions-League-Finale gegen Barcelona.

Foto: imago/wolf-sportfoto

Bob Hanning hatte gute Nachrichten im Gepäck. Der Geschäftsführer der Füchse Berlin strahlte bis über beide Ohren, als er bei der Pressekonferenz zur Saisoneröffnung einen neuen Sponsor präsentieren durfte und das Ganze mit einem kleinen Rückblick einläutete. In seinen ersten Jahren in Berlin habe er auf der Suche nach Geldgebern unzählige Klinken geputzt, berichtete Hanning. »Wir waren die Neulinge in der Stadt und mussten uns das Vertrauen unserer Partner Schritt für Schritt erarbeiten.« Nun habe sich ein Dax-Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin dafür entschieden, auf dem Füchse-Trikot zu werben. »Für mich ist das ein Zeichen, dass wir als Verein in dieser Stadt angekommen sind«, befand Hanning, der den Deal sogleich auf eine Stufe mit den spektakulären Spieler-Verpflichtungen von Simon Pytlick und Dika Mem stellte.

Wirtschaftlich gehen die erfolgsverwöhnten Berliner nach zuletzt zwei großen Titeln – der Meisterschaft 2025 und dem Pokalsieg 2026 – also gut aufgestellt in die neue Spielzeit, die an diesem Sonnabend mit dem Supercup gegen den alten Lieblingsrivalen SC Magdeburg in München beginnt.

Unter sportlichen Aspekten dürften die nächsten Wochen und Monate dagegen zumindest anspruchsvoll für Trainer Nikolaj Krickau und seine Mannschaft werden, die zuletzt zweimal in Folge das Finale der Champions League erreicht hat. Denn im Sommer haben zwei Spieler den Verein verlassen, die über lange Zeit prägend waren: Torhüter Dejan Milosavljev, den es nach sieben Jahren jetzt ins polnische Kielce zog, und Rückraum-Shooter Lasse Andersson, der wieder in seiner dänischen Heimat spielt.

Eigengewächs vor großer Aufgabe

Für Milosavljev haben die Berliner Torhüter-Veteran Andreas Palicka verpflichtet. Der erfahrene Schwede wird ein Gespann mit Lasse Ludwig bilden, der perspektivisch zum ersten Keeper der Füchse heranwachsen soll und sein Potenzial für diese Aufgabe mehr als nur angedeutet hat. Größer dürfte die Baustelle auf der Andersson-Position sein: Im linken Rückraum war der Däne stets ein verlässlicher Torjäger und Anführer, für den es zumindest vorerst keinen adäquaten Ersatz gibt. Es ist allerdings kein Geheihmnis, dass die Entscheidungsträger in Berlin Eigengewächs Lasse Ludwig sehr wohl zutrauen, den nächsten Entwicklungsschritt zu machen und die entstandene Lücke perspektivisch zu schließen.

Mit Frederik Simak bekommen die Füchse zudem einen exzellenten Verteidiger zurück, der sich beim TBV Lemgo seine Sporen verdient hat und nun wieder zu seinem Heimatverein wechselt. In Ostwestfalen ist der 28-Jährige zu einem vielseitigen Spieler herangewachsen, der auf verschiedenen Positionen einsetzbar ist und auch offensiv seine Einsatzminuten sammeln wird.

Weil die großen Namen Pytlick und Mem trotz großer Bemühungen um eine vorzeitige Vertragsauflösung erst im Sommer 2027 nach Berlin kommen werden, gehen die Füchse etwas zurückhaltender in die Saison. »Vielleicht werden wir unsere Ziele auch mal anders definieren müssen«, sagte Hanning. »Aber wir vertrauen unseren jungen Spielern, weil wir wissen, dass sie besser werden.«

Niederlage Barcelona

Die Partie um den Supercup gegen den Meister SC Magdeburg könnte erste Aufschlüsse darüber geben, wohin die Reise der Berliner gehen könnte. Spannend ist das Duell schon allein deshalb, weil der SCM ebenfalls mit einem auf zahlreichen Positionen erneuerten Kader startet. Die Magdeburger haben unter anderem ihren langjährigen Kapitän Christian O’Sullivan sowie Ausnahmekeeper Sergey Hernandez abgegeben.

Den Test vor dem Duell gegen den SCM verloren die Berliner am Sonntag mit 35:39 – allerdings gegen den FC Barcelona, der auch im Finale der Champions League nicht zu schlagen war. Bester Berliner Werfer war wieder mal Welthandballer Mathias Gidsel mit 14 Toren. Trainer Krickau zeigte sich trotz der Niederlage zufrieden und wollte dem Resultat keine allzu zu große Bedeutung beimessen: »Es war ein Test wie erwartet. Wir wollten einiges ausprobieren – und das haben wir gemacht«, sagte der dänische Coach.

Für Gidsel gab es in dieser Woche zudem ein kleines Dienstjubiläum: Vor fünf Jahren unterschrieb der Däne seinen Vertrag bei den Füchsen. Seither hat sich der Rückraumspieler in Berlin zum Weltstar entwickelt und ist aus dem Team nicht mehr wegzudenken – jetzt umso mehr, da die Mannschaft wichtige Stützen verloren hat.