25 Jahre werden es in diesem Jahr. So lange fährt Sergej Molke schon als Busfahrer für die Stadtwerke Augsburg. Ausgerechnet zum Jubiläum wird ihm eine weitere besondere Ehre zuteil: Beim deutschlandweiten Wettbewerb „LieblingsbusfahrerIn 2026“ kürte ihn die Jury zu einem der Top 30 der beliebtesten Fahrer. Nominiert wurde Sergej Molke für sein „verantwortungsbewusstes und hilfsbereites Handeln in einer außergewöhnlichen Situation“.

Eine junge Frau aus Augsburg erzählte eine besondere Geschichte

„Liebe Jury, ich möchte Ihnen von einem besonders hilfsbereiten und verantwortungsbewussten Busfahrer erzählen, dessen Verhalten mir bis heute in Erinnerung geblieben ist.“ Mit diesen Worten schlug eine junge Frau aus Augsburg Sergej Molke beim bundesweiten Wettbewerb vor. In ganz Deutschland hatten Verkehrsbetriebe ihre Fahrgäste aufgerufen, ihre Lieblingserlebnisse mit Busfahrern einzusenden – so auch die Augsburger Stadtwerke. Die Geschichte der jungen Frau bewegte die Jury so sehr, dass sie Sergej Molke in der Kategorie „Außergewöhnliche Leistung“ nominierte. Über das Ergebnis entschieden Vertreter der Verkehrsbranche, Fahrgastverbände, Politik und weiteren Partnern.

Die junge Frau schilderte, dass sie nach einer Feier auf dem Heimweg im Bus eingeschlafen und frühmorgens bis in den Betriebshof mitgefahren sei. „Als sie wieder aufwachte, hatte sie die Orientierung verloren, wusste nicht, wo sie ist und bekam Angst“, erinnert sich Sergej Molke. Die Frau musste eigentlich in die andere Richtung. „Ich habe ihr einen Platz bei mir angeboten und ihr zur Beruhigung Schritt für Schritt erklärt, was ich als nächstes mache“, berichtet Sergej Molke. „Ich fragte sie, ob jemand sie abholen könnte und sie nannte ihren Freund.“ Mit dem Handy der Frau kontaktierten sie den Mann. „Wir fanden gemeinsam eine passende Haltestelle, ich nannte ihm eine Zeit und er versprach zu kommen“, so Molke. Immer wieder musste er die junge Frau beruhigen, dass ihr Freund sicher kommen würde. Der Fahrer wartete, bis der Mann tatsächlich eingetroffen war und fragte, ob es der Partner sei. Die junge Frau bestätigte dies mit Tränen der Erleichterung.

„Der Busfahrer hat mir mit großer Menschlichkeit geholfen“

„Der Busfahrer hat in einer Situation, in der ich mich hilflos und unsicher fühlte, Verantwortung übernommen, Ruhe bewahrt und mir mit großer Menschlichkeit geholfen“, schrieb sie in ihrer Schilderung. Das überzeugte die Jury: Molke wurde zur offiziellen Ehrung der beliebtesten 30 Busfahrer und Busfahrerinnen am 15. Oktober in Berlin eingeladen.

Der Augsburger Busfahrer ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Privat ist er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ebenso unterwegs wie mit dem Auto. Am liebsten fährt der Augsburger die Frühschichten. „Seit der Coronazeit hat sich vieles verändert und manche Fahrgäste zeigen mehr Stress, aber aggressive Kunden sind selten“, erzählt er. Er hat zwar an einer Deeskalationsschulung teilgenommen, das Erlernte aber im Berufsalltag nie gebraucht: „Ich konnte alle Situationen mit Menschlichkeit unter Kontrolle bringen“, erzählt er.

Busfahrer aus Augsburg: „Die meisten Gäste sind freundlich“

„Die meisten Gäste sind freundlich und einige danken uns“, sagt Molke. „Wenn ich helfen kann, tue ich es“, so Molke. „Für jede Situation gibt es eine Lösung.“ Er begegnet allen Fahrgästen „mit Respekt, Geduld und Verständnis“, so sein Credo, „denn jeder hat seine eigenen Geschichten, Herausforderungen und seinen Charakter“. Auch seine Kollegen sind zu 100 Prozent hilfsbereit, versichert er. „Ich bin stolz, mit so einem Team zusammenzuarbeiten.“ In 25 Jahren Berufsleben sind viele Freundschaften entstanden.