Bremer Verein mit Statement
AfD-Kandidatur kostet Hospiz-Mitarbeiterin den Job
20.08.2026 – 07:18 UhrLesedauer: 2 Min.
Hospiz (Symbolbild): Der Verein für Innere Mission in Bremen ist Teil der evangelischen Kirche sowie auch Teil der Diakonie. (Quelle: IMAGO/Michael Bihlmayer)
Vorlesen
Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00
1xArtikel teilen
Eine AfD-Politikerin kandidiert bei der anstehenden Kommunalwahl in Niedersachsen. Ihr Bremer Arbeitgeber hat sie deshalb gekündigt.
Die AfD-Politikerin Martina Müller hat wegen ihrer Kandidatur bei der anstehenden Kommunalwahl in Niedersachsen ihren Job verloren. Dies machte sie in einem Video mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Sichert publik, das in sozialen Medien geteilt wurde. „Ich bin entsetzt, dass ich gekündigt wurde, weil ich kandidiere“, sagte sie auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kündigungsschutzklage wird aktuell vorbereitet.“
Über die Kündigung hatten zuvor mehrere Medien berichtet. Müller kandidiert für die AfD für den Kreistag des Landkreises Friesland und den Gemeinderat Wangerland.
„Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen“
Sie habe 15 Jahre lang in einem Hospiz gearbeitet und sei auch in der Mitarbeitervertretung aktiv gewesen, berichtete die 60-Jährige. Werte wie Menschlichkeit und Respekt seien ihr sehr wichtig. „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen“, sagte sie. Nun habe man ihr wegen ihrer Kandidatur die berufliche Existenz genommen.
Der Verein für Innere Mission in Bremen, zu dem das Hospiz gehört, hat ein Statement veröffentlicht. Man arbeite grundsätzlich nicht mit Personen, Organisationen oder Netzwerken zusammen, „deren Handeln oder vertretene Positionen im Widerspruch zu den grundlegenden Werten von Kirche und Diakonie stehen oder geeignet sind, das Vertrauen in unsere Arbeit zu beeinträchtigen“, heißt es.
„Schwerwiegendes Spannungsverhältnis“
Dabei ginge es nicht Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei oder Organisation als solche. Sondern um die Frage, ob Haltungen, Positionen und öffentliches Handeln mit dem kirchlich-diakonischen Auftrag vereinbar seien.
Die „mission:lebenshaus“ sei parteipolitisch neutral – „aber wir ergreifen Partei, wenn es um genau die Menschen geht, die bei uns entscheidende Unterstützungsleistungen suchen“, heißt es weiter.
- Wenn am Sonntag OB-Wahl in Hannover wäre: Er hat laut Umfrage die Nase vorn
- Mehr aus Bremen: Stadt wird am Samstag von Menschenmassen geflutet
AfD Niedersachsen unter Beobachtung
Für den Verfassungsschutz ist die AfD Niedersachsen ein Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung. Gegen diese Einstufung wehrt sich der Landesverband, einen Eilantrag dagegen lehnte das Verwaltungsgericht Hannover aber Anfang Juni ab. Das Gesamtbild der Partei sei verfassungsfeindlich geprägt, entschied das Gericht. Der Beschluss im Eilverfahren regelt die Rechtslage, bis ein Urteil in der Hauptsache ergeht.
Die Einstufung des Verfassungsschutzes spielt auch für die „mission:lebenshaus“ eine entscheidende Rolle. So stehe die Kandidatur von Martina Müller in einem „schwerwiegenden Spannungsverhältnis zu den Grundwerten und dem Auftrag von Kirche und Diakonie.“
„Die von uns getroffene Entscheidung ist das Ergebnis einer sorgfältigen Prüfung auf Grundlage des Grundgesetzes und der für uns geltenden kirchlichen und arbeitsrechtlichen Regelungen. Sie wurde nicht aus parteipolitischen Gründen getroffen, sondern aus der Verantwortung heraus, die Glaubwürdigkeit unseres kirchlich-diakonischen Auftrags zu wahren“, heißt es abschließend.
