Bap feiern ihren 50. Geburtstag. Auf ihrer Tour machen die Kölsch-Rocker um Wolfgang Niedecken auch in Mannheim und Frankfurt Station. Stehen die Zeichen auf Abschied?

Der Tiefenthaler Galerist und Kunstkenner Wolfgang Thomeczek schafft es immer wieder, große Namen in das Dörfchen nahe Grünstadt zu locken. Der legendäre Schauspieler Mario Adorf war schon da, der „Heimat“-Regisseur Edgar Reitz – und auch der kölsche Rocker Wolfgang Niedecken. Sie alle hat Thomeczek mit dem aus Speyer stammenden Bildhauer Thomas Duttenhoefer zusammengebracht, sie alle ließen sich von eben diesem porträtieren. Die drei Bronze-Köpfe sind in diesem Monat in Tiefenthal zu bestaunen, zur Vernissage Mitte des Monats kam Niedecken höchstpersönlich angereist.

Immer noch volksnah

Und da saß er, bei brütender Hitze, vor dem Kunstkabinett, diskutierte mit Duttenhoefer über die Kunst, hörte sich viele warme Worte an und gab dann wirklich jedem, der eins wollte – und das waren fast alle der 320 Gäste – ein Autogramm. Dabei nahm er sich Zeit für einen kurzen Plausch, ließ sich auch von frechen Anfragen nicht aus der Ruhe bringen („Mal mir doch noch was dazu, Wolfgang“) und posierte mit einer Bärengeduld für Fotos. Bis auch wirklich der letzte Gast zufrieden nach Hause gegangen war.

Wolfgang Niedecken müsste das alles nicht mehr machen. Der Mann ist 75 Jahre alt, eine deutsche Musiklegende, die keinem mehr etwas beweisen muss, und mit seiner Band Bap nun schon seit 50 Jahren im Geschäft. Er hat in seinem Musiker-Leben, diesem halben Jahrhundert, so viele Autogramme geschrieben und Hände geschüttelt, dass man es ihm nicht verübeln dürfte, wenn er es nicht mehr täte. Aber Niedecken ist keiner, der seine Fans enttäuschen will. „Die Leute kommen extra her, drücken damit ja auch aus, dass sie einen gut finden. Dann mache ich das gerne“, sagte er dem Journalisten später.

Vielleicht genießt er es auch noch einmal so richtig, denn die Endlichkeit des eigenen Tuns ist Niedecken durchaus bewusst. „Zielgerade“ hat er die kommende Bap-Tour getauft, er will es nicht Abschiedstournee nennen, weil offenbar noch nicht so ganz klar ist, wie es danach weitergeht. Die Zielgerade, das betonte Niedecken in Interviews immer wieder, könne durchaus etwas länger ausfallen, da will er niemandem etwas vormachen. Ob es danach aber nochmal eine weitere Tour geben wird? Wer weiß das schon. Deutlich jüngere Kollegen wie Die Fantastischen Vier oder die Toten Hosen ziehen schon die Reißleine, bringen den großen Zirkus ein letztes Mal auf die Straße.

Aufhören, solange die Leute einen noch vermissen würden. Das ist durchaus ein Punkt, den auch Niedecken im Blick hat. Er möchte nicht als Abziehbild seiner selbst auf der Bühne enden, seine Familie, seine Liebsten, würden ihm schon ehrlich sagen, wenn es an der Zeit für ihn wäre, ist er sich sicher.

Noch ist es nicht so weit. Niedecken, der vor 15 Jahren ja auch einen schweren Schlaganfall erlitten hat, ist fit, top-fit sogar. Seine Shows, ob solo oder mit Bap, kratzen immer noch an der Drei-Stunden-Marke, da hält es der berühmteste Kölner neben Willi Millowitsch wie sein Kollege und guter Freund Bruce Springsteen.

Wenn Niedecken so etwas wie der deutsche Springsteen ist, dann ist Bap so etwas wie dessen E Street Band. Niedecken ist der klare Chef, die Band firmiert mittlerweile ja auch als Niedeckens Bap (schon zu Beginn gab es eine Phase, in der sich die Band Wolfgang Niedeckens Bap nannte). Die Gruppe hat schon viele Musiker kommen und gehen sehen, ist mittlerweile ein recht fluides Gebilde mit dem Nukleus Wolfgang Niedecken. Der schmerzhafteste Abgang bei der 1976 gegründeten Kapelle: der von Lead-Gitarrist Klaus „Major“ Heuser 1999, der auch so etwas wie der musikalische Kopf der Band war. Im Bonner General-Anzeiger sagte Niedecken viele Jahre später über den Ausstieg Heusers: „Der Major ist ein toller Gitarrist. Aber er wollte, dass BAP international ausgerichteten Radio-Pop spielt. Ich wollte beim Kölsch-Rock bleiben. Beide Positionen waren nicht vereinbar. Ich bin ihm dankbar, dass er selbst gegangen ist. Ich hätte ihn nämlich nie rausgeschmissen.“

Ein Abgang als Zäsur

Natürlich steckte die Band den Ausstieg nicht so ohne Weiteres weg, bei den Folgealben gab es sowohl Licht als auch Schatten, aber: Sie fing sich. Bap-Alben sind heute immer noch Ereignisse.

Nun also: die „Zielgerade“. Eine Arena-Tour mit 19 Terminen, die die Band auch nach Mannheim führt. Nochmal ein Wiederhören mit den Hits. „Verdamp lang her“, klar. Sicher auch „Kristallnaach“ oder „Ne schöne Jrooß“. Eine Setlist aus 27 BAP-Alben zu destillieren: schwierig. Immerhin erreichten 22 die Top Ten, 13 sogar Platz eins der deutschen Charts – eins mehr als bei den Beatles.

Termin

Bap live: »Zielgerade«-Tour – So 6.12., 18.30 Uhr, Festhalle, Frankfurt; Sa 12.12., 19.30 Uhr, SAP-Arena, Mannheim; Tickets: eventim.de