Multiple Krisen in Russland
„Ihr dachtet also, die Warteschlangen sind vorbei?“
20.08.2026 – 10:32 UhrLesedauer: 6 Min.
Lange Schlange an einer Tankstelle in Nowosibirsk (Archivbild): Erneut ist der Treibstoff in Russland knapp. (Quelle: IMAGO/Rostislav Netisov/imago)
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Brennende Raffinerien, Schlangen vor den Tankstellen, Angriffe auf Versorgung: Der Ukraine-Krieg beeinflusst immer mehr den Alltag vieler Russen. Die Nervosität im Kreml wächst spürbar – und bald stehen Wahlen an.
Die junge Russin ist außer sich. „Ihr dachtet also, die Warteschlangen sind vorbei?“, fragt die Frau aus Nischni Nowgorod in ihre Smartphone-Kamera. „Zu früh. Die ‚Hungerspiele‘ gehen weiter.“ Ein anderer Russe flucht: „Was zur Hölle? Geht es schon wieder los? Das muss so etwas wie eine zweite Welle sein. Es ist wirklich schlimm. Nirgends gibt es Benzin. Die Schlangen erstrecken sich meilenweit. Es ist einfach nicht mehr lustig.“
Videos wie diese verbreiten sich aktuell in sozialen Netzwerken und Diensten wie Telegram in Russland. Im Juli noch sah es so aus, als habe der Kreml die Treibstoffkrise des Frühsommers überwunden. Auch damals gab es kilometerlange Schlangen vor Tankstellen, manch ein Streit an der Zapfsäule eskalierte zu Schlägereien zwischen Kunden. Hintergrund der Krise waren ukrainische Attacken auf Ölraffinerien in Russland. Der Kreml versuchte, die Krise mit Treibstoffimporten zu lindern. Doch dann begann die Ukraine, mit Sprit beladene Tanker anzugreifen.
Die ukrainische Armee bringt den Krieg nach Russland – und das auf mehreren Ebenen. Das Land kämpft mit multiplen Krisen: Die Treibstoffmangel trifft die Russen mitten in der Urlaubssaison, hinzu kommen nun Internet- und Stromausfälle in Moskau. Und auch der Bankensektor ist betroffen: Seit Anfang Juni sollen die Russen Milliarden in bar abgehoben haben. Die Nervosität in Russland wächst zusehends, während die Stimmung immer weiter sinkt – und das rund einen Monat vor den Duma-Wahlen.
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Internet- und Stromausfälle über Moskau hinaus
Vorfälle wie am Dienstag in Moskau helfen dabei wohl keineswegs, die Laune der Russen zu heben. Gleich mehrere Wohnviertel im Bezirk Gagarinsky der russischen Hauptstadt waren von einem Stromausfall betroffen, der auch den öffentlichen Nahverkehr beeinträchtigte. Das ging wohl auf ein Feuer in einem Wärmekraftwerk zurück. Bereits am Morgen hatte es infolge eines größeren ukrainischen Drohnenangriffs einen Stromausfall gegeben, der etwa 10.000 Haushalte betroffen hatte.
Die Folgen des Kraftwerkbrands am Abend reichten weit über Moskau hinaus. Gleich mehrere Internetdienste wie Discord, Steam und Telegram, aber auch Onlineshops waren plötzlich für Millionen Menschen nicht mehr erreichbar. Selbst Nutzer in Sankt Petersburg meldeten ähnliche Probleme am Dienstag. Der Stromausfall in Moskau hatte einen ganzen Kommunikationsknotenpunkt lahmgelegt, der diese Dienste für das sogenannte Runet, dem russischen Teil des Internets, beherbergt. Das Portal „SecurityLab.ru“ bezeichnete den Ausfall als „epischen Netzwerk-K.o.“.

