Vietnam und die Vereinigten Staaten haben in Washington eine zweite Runde von Handelsverhandlungen aufgenommen, teilte die vietnamesische Regierung am Dienstag mit. Ziel ist es, ein Abkommen zu erzielen, um einen angedrohten Zollsatz von 46% abzuwenden, der das exportorientierte Wachstumsmodell des Landes schwächen könnte.
Wie das Handelsministerium in einer Mitteilung erklärte, begann die zweite Runde der formellen Gespräche über ein bilaterales Handelsabkommen am Montag und soll bis zum 22. Mai andauern. Die erste Gesprächsrunde hatte bereits Anfang des Monats stattgefunden.
„Die beiden Länder haben über den generellen Ansatz zur Lösung grundlegender Fragen von gemeinsamem Interesse und zur Beschleunigung des Verhandlungsprozesses diskutiert“, so das Ministerium.
„Vietnam und die USA sprechen zudem über aktuelle politische Maßnahmen, die als Grundlage für die nächsten Schritte dienen sollen.“
Handelsminister Nguyen Hong Dien leitet die Delegation, der Vertreter aus Bereichen wie Bauwesen, Landwirtschaft und Technologie sowie Beamte der Zentralbank und des Finanzministeriums angehören.
Dien hatte sich zudem vergangene Woche nach einem APEC-Treffen in Südkorea mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Jamieson Greer getroffen.
Die USA haben die Einführung des 46%-Zolls auf vietnamesische Produkte bis Juli verschoben und diesen vorübergehend durch einen Satz von 10% ersetzt. Sollte der hohe Zoll tatsächlich eingeführt werden, könnte dies das Wachstum Vietnams erheblich beeinträchtigen, da das Land stark vom Export in die USA – seinen wichtigsten Absatzmarkt – abhängig ist.
Vietnam, das als bedeutender regionaler Produktionsstandort für zahlreiche westliche Unternehmen gilt, verzeichnete im Jahr 2024 einen Handelsüberschuss von über 123 Milliarden US-Dollar mit den Vereinigten Staaten.
Um diesen Überschuss zu verringern, hat Hanoi verschiedene Maßnahmen ergriffen, darunter die Einschränkung von Lieferungen chinesischer Waren über vietnamesisches Territorium in die USA sowie eine Erhöhung der eigenen Importe von US-Gütern.
Wie das Ministerium weiter mitteilte, führte Dien am Montag zudem Gespräche über Nukleartechnologie mit dem US-Energiekonzern Westinghouse, nachdem die Regierung im vergangenen Jahr Pläne zur Entwicklung von Kernkraftwerken wieder aufgenommen hatte.
Westinghouse reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage außerhalb der US-Geschäftszeiten.
In einer separaten Erklärung teilte das Finanzministerium mit, dass der staatliche Energiekonzern PetroVietnam plane, mehr Rohöl von Exxon Mobil zu kaufen. Zudem streben die vietnamesischen Gummi- und Schifffahrtsunternehmen eine Präsenz in den USA an.