Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
IAEA: Atomkraftwerk Saporischschja verliert letzte externe Stromleitung
Korruptionsermittlungen in der Ukraine – Selenskij entlässt Vize-Präsidialamtschefin Mudra
Herausforderung für Selenskij: Ex-Verteidigungsminister fordert Wahlen
Ein Toter bei Drohnenexplosion nahe AKW Saporischschja
Burnham: Großbritannien unterstützt Ukraine weiterhin zu 100 Prozent
Ukraine: Mindestens 14 Tote bei russischem Raketenangriff auf KiewBei russischen Luftangriffen auf Kiew und die umliegende Region sind nach Behördenangaben mindestens 14 Menschen getötet und mehr als 40 verletzt worden. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, Russland habe in der Nacht Dutzende ballistische Raketen, Marschflugkörper und Hyperschallraketen sowie 168 Drohnen abgefeuert. Die Luftabwehr fing demnach fast 90 Prozent der Drohnen und die meisten Marschflugkörper ab. Die schnelleren ballistischen Raketen schlugen jedoch alle ein und richteten schwere Schäden an.
Im Kiewer Stadtteil Solomjanskj wurden die oberen Etagen eines neunstöckigen Wohnhauses zerstört. Acht Menschen seien dort ums Leben gekommen, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Er rief für Freitag einen Trauertag aus. Zudem wurden eine Schule, ein Kinderkrankenhaus sowie Lagerhallen beschädigt. Die russischen Angriffe richteten sich auch gegen die Schwarzmeerregion Odessa. Dort haben wiederholte Attacken auf die Hafeninfrastruktur die ukrainischen Agrarexporte in den vergangenen Wochen nahezu zum Erliegen gebracht.
Der ukrainische Ministerpräsident Sergij Korezkyj erklärte, dass bei dem fast neunstündigen Beschuss auch Lebensmittellager und Einrichtungen des Roten Kreuzes beschädigt worden seien. In einigen Supermärkten der Hauptstadt war frisches Obst und Gemüse zuletzt zeitweise knapp geworden, nachdem die Logistiklager von Lebensmittelhändlern getroffen worden waren. In der Region um Kiew kam den Behörden zufolge ein weiterer Mensch ums Leben.
Angesichts der verstärkten russischen Angriffe forderte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij die westlichen Verbündeten erneut auf, die Bestände an Patriot-Abwehrraketen aufzustocken. Dies ist das einzige System im ukrainischen Arsenal, das ballistische Raketen bekämpfen kann. „Jede zusätzliche Rakete rettet das Leben unserer Landsleute“, so der Präsident.
Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte unterdessen, in Kiew und Umgebung seien Anlagen zur Herstellung von Drohnenbauteilen, ein Militärdepot und ein Logistikzentrum getroffen worden.
Ukraine greift Ölanlagen in Russland anDie Ukraine hat ihre Attacken auf russische Ölanlagen und Logistikstrukturen fortgesetzt. Die Behörden in der russischen Region Tatarstan, ungefähr 1000 Kilometer östlich von Moskau, meldeten nach einem ukrainischen Drohnenangriff Störungen in einem Industriekomplex in der Stadt Nischnekamsk.
Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete, es seien im Anflug auf die Hauptstadt 250 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Zu möglichen Opfern oder Schäden machte er keine Angaben. Die Hauptstadtflughäfen stellten in der Nacht wie fast täglich bei solchen Attacken vorübergehend Starts und Landungen ein. Das russische Verteidigungsministerium meldete den Abschuss von insgesamt 726 ukrainischen Drohnen in verschiedenen Regionen.
IAEA: Atomkraftwerk Saporischschja verliert letzte externe StromleitungDas von Russland besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist von seiner letzten verbliebenen externen Stromleitung abgeschnitten. Diesel-Notstromgeneratoren übernehmen die Versorgung wichtiger Sicherheitssysteme, wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) auf der Plattform X mitteilte. Einer ersten Einschätzung zufolge befindet sich die Schadensstelle am nördlichen Ufer des Dnipro. Wegen militärischer Aktivitäten können Techniker die Ursache des Ausfalls bisher nicht ermitteln.
Russische Truppen hatten das größte Kernkraftwerk Europas mit sechs Reaktoren in den ersten Wochen ihrer Invasion in die Ukraine im Februar 2022 besetzt. Seitdem werfen sich beide Seiten regelmäßig vor, die nukleare Sicherheit zu gefährden.
Ukraine: Getreideexporte per Bahn brechen wegen Hafenblockade ein
Die Getreideexporte der Ukraine auf dem Schienenweg brechen in den ersten 18 Augusttagen wegen der Blockade der Schwarzmeerhäfen ein. Sie sinken im Vorjahresvergleich um 77 Prozent auf 342 000 Tonnen, wie die ukrainische Staatsbahn Ukrsalisnyzja mitteilt. Gegenüber dem Vormonat Juli entspricht dies einem Rückgang von 68 Prozent. Zwar nehmen die Transporte zur südlichen Grenzstadt Ismajil und an die Westgrenze zu, dies kann den starken Rückgang bei den Lieferungen an die Häfen von Odessa jedoch nicht ausgleichen.
Gouverneur: Krim-Stadt Sewastopol stellt erneut den Strom abIn der Großstadt Sewastopol auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim wird erneut der Strom abgeschaltet. Dies sei notwendig, um eine Überlastung der Stromnetze außerhalb der Region zu verringern und einen weitreichenden Ausfall zu verhindern, teilt Gouverneur Michail Raswoschajew auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Die Unterbrechung solle einige Stunden dauern.
Die von Russland annektierte Halbinsel leidet nach ukrainischen Angriffen auf Energieanlagen bereits seit Wochen unter Stromausfällen und einer Treibstoffkrise. Die Behörden haben deshalb unter anderem den Tourismus in der Region bis September ausgesetzt.
Korruptionsvorwürfe: Ukraine geht gegen Bankenvertreter vorVor dem Hintergrund neuer Ermittlungen der ukrainischen Anti-Korruptionsbehörden will die Regierung in Kiew den Aufsichtsratsvorsitzenden und den Vorstandschef einer staatlichen Bank von ihren Aufgaben entbinden. Das teilte Ministerpräsident Serhij Korezkij am Abend bei Telegram mit. Die von den Anti-Korruptionsbehörden veröffentlichten Fakten bräuchten eine angemessene Bewertung und dürften nicht ohne Reaktion bleiben, erklärte er.
Die Anti-Korruptionsbehörden des Landes hatten zuletzt Durchsuchungen bei Verdächtigen durchgeführt und am Mittwochmorgen über eine „Spezialoperation“ informiert. Bei den Vorwürfen der Ermittler geht es um Geldwäsche in Millionenhöhe. Im Fokus stand dabei auch die bisherige Vizechefin des Präsidialamtes in Kiew, Iryna Mudra, die Präsident Wolodimir Selenskij wenige später entließ.
Kiew unter russischem Beschuss
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko teilt mit, die ukrainische Hauptstadt werde von russischen Raketen angegriffen. Es habe in zwei Stadtteilen Kiews Treffer auf Nichtwohngebäude gegeben, von denen einige in Flammen stünden. Ein Reuters-Zeuge berichtet, er habe mehr als ein Dutzend Explosionen gehört.
Bundesregierung plant, 50 Millionen Euro für Reparatur von Tschernobyl-Hülle zu gebenDie Bundesregierung will 50 Millionen Euro für die Reparatur der durch einen Drohneneinschlag Anfang 2025 beschädigten Schutzhülle um die Atomruine Tschernobyl bereitstellen. Deutschland werde Teil einer dafür notwendigen internationalen Lösung sein, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) einer Mitteilung seines Ministeriums zufolge bei einem Besuch am zerstörten Atomreaktor. Er sei zuversichtlich, dass der Bundestag dem zustimmen werde, erwarte aber auch, dass weitere Staaten einen Beitrag zur Reparatur leisten.
Nach einem Drohneneinschlag vor rund anderthalb Jahren braucht die Schutzhülle eine umfassende Sanierung. Die Kosten werden nach Angaben der Kraftwerksleitung auf etwa 500 Millionen Euro geschätzt. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hatte gesagt, es habe sich um eine russische Drohne gehandelt.
Russischer Drohnenangriff: Zwei Tote und viele Verletzte
Bei einem russischen Drohnenangriff im Norden der Ukraine sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Russland habe ein Gebäude der Nationalpolizei in Schytomyr attackiert, teilte die Behörde mit. Zwei Polizisten seien ums Leben gekommen und mindestens 20 Menschen verletzt worden. Russland habe bei dem Angriff Drohnen mit Düsenantrieb eingesetzt. Es sei zu einem Brand auf dem Dach und im vierten Stock gekommen.
Putin zu Kiews Angriffen: Schaden uns, aber keine kritischen Folgen
Kremlchef Wladimir Putin hat eingeräumt, dass ukrainische Drohnenangriffe Russland schaden, aber keine kritischen Folgen hätten. Logistik- und Lagerkapazitäten müssten wiederhergestellt werden – auch unter Beteiligung des Staats, sagte er bei einer Sitzung des Rats für strategische Entwicklung und nationale Projekte und wies die Regierung an, ein entsprechendes Programm zum Wiederaufbau zu verabschieden.
Eine Reihe von Faktoren wirke sich auf das Wirtschaftstempo aus, darunter auch äußerer Druck und „Terrorangriffe auf Industrie- und Infrastrukturobjekte“, sagte er. Die Dynamik der russischen Wirtschaft bezeichnete er als „bescheiden, aber positiv“. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts liege im Jahr 2026 bei etwa einem Prozent.
Schneider sagt Hilfe für Reparatur der Tschernobyl-Schutzhülle zu
Bundesumweltminister Carsten Schneider sagt bei einem Besuch des zerstörten Atomreaktors in Tschernobyl Hilfe in Höhe von 50 Millionen Euro zu. „Die beschädigte Schutzhülle muss dringend repariert werden, um langfristig die Freisetzung radioaktiven Materials zu verhindern“, so der SPD-Politiker. „Deutschland wird Teil einer hierfür notwendigen internationalen Lösung sein, wie schon bei der Errichtung der Schutzhülle.“ Der Schutzmantel wurde bei einem Drohneneinschlag Anfang 2025 beschädigt und damit in ihrer Funktionalität eingeschränkt.
Gefangenenaustausch: Kiew und Moskau übergeben SoldatenRussland und die Ukraine haben inmitten zunehmender Gewalt in ihrem Krieg erneut Gefangene ausgetauscht. Aus ukrainischer Gefangenschaft seien 103 russische Soldaten zurückgekehrt, teilte das Ministerium in Moskau mit. Russland habe im Gegenzug 103 ukrainische Soldaten übergeben.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bestätigte den Austausch und veröffentlichte Aufnahmen von vor Freude weinenden Soldaten. Die Kriegsparteien haben bereits mehrfach Gefangene und die Leichen von Gefallenen ausgetauscht.
„Es handelt sich um Verteidiger der Streitkräfte, des staatlichen Grenzschutzes und der Nationalgarde. Unter den Freigelassenen befinden sich Soldaten, die die Ukraine in Mariupol sowie in den Gebieten Donezk, Luhansk, Charkiw, Saporischschja, Cherson, Dnipro und Sumy verteidigt haben“, teilte Selenskij in sozialen Netzwerken mit. Er danke allen, die an der Befreiung der Gefangenen mitgewirkt hätten. „Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um alle unsere Leute nach Hause zu holen.“
Die freigelassenen Russen seien derzeit im benachbarten Belarus, wo schon früher die medizinische und psychologische Erstversorgung ausgetauschter Soldaten erfolgte. Bei der humanitären Aktion seien die Vereinigten Arabischen Emirate erneut als Vermittler aufgetreten, gab das Ministerium in Moskau bekannt.
Korruptionsermittlungen in der Ukraine – Selenskij entlässt Vize-Präsidialamtschefin MudraIn der Ukraine haben die Antikorruptionsbehörden am Mittwoch eine Großrazzia gegen Abgeordnete sowie Berater von Präsident Wolodimir Selenskij gestartet. Dies geschah wenige Stunden vor einer entscheidenden Abstimmung im Parlament über den neuen Verteidigungsminister Jewhenij Chmara. Das Parlament stimmte der Ernennung Chmaras als Nachfolger des entlassenen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow zu.
Wie das Onlineportal Kyiv Independent berichtete, durchsuchten Ermittler unter anderem die Räumlichkeiten von Iryna Mudra, einer stellvertretenden Stabschefin des Präsidenten. Selenskij entließ Mudras mittlerweile. Im auf der Website des Präsidenten veröffentlichten Dekret wird aber kein Grund für den Schritt genannt.
In Medienberichten wurde auch der Abgeordnete Wadym Stolar als Verdächtiger genannt. Dieser schrieb in sozialen Netzwerken: „Ich kann bestätigen, dass Nabu Ermittlungen in meinem Haus ausführt.“ Er kooperiere vollumfänglich mit der Behörde und behindere die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden in keiner Weise.
Die Antikorruptionsbehörde Nabu und die spezialisierte Staatsanwaltschaft Sapo sind an den Ermittlungen beteiligt. Sie selbst gaben keine Namen bekannt. Das Nabu-Büro teilte laut Kyiv Independent mit, dass es eine „Sonderoperation“ gebe, „um eine kriminelle Organisation aufzudecken, die von einem amtierenden und einem ehemaligen ukrainischen Abgeordneten angeführt wird und an der hochrangige Beamte aus dem Präsidialamt beteiligt sind“. Nabu zufolge werden die Verdächtigen der Geldwäsche von 150 Millionen Hrywnja (etwa 3,4 Millionen US-Dollar) beschuldigt. Das Geld wurde demnach als Kaution für einen Verdächtigen in einem anderen Korruptionsfall hinterlegt.
Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden haben ihr Vorgehen gegen Bestechlichkeit im Staatsapparat während des Krieges verschärft. Dies gilt als eine der wichtigsten Voraussetzungen für den angestrebten Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union.
Ukraine meldet mehrere Tote und Verletzte nach russischem Drohnenangriff auf Bus
In der südukrainischen Stadt Cherson ist nach Angaben der dortigen Behörden ein Bus zum Ziel eines russischen Drohnenangriffs geworden. Dabei wurden am Morgen vier Menschen getötet, wie Regionalgouverneur Oleksandr Prokudin auf Telegram mitteilte. Zudem wurden laut Behörden fünf weitere Personen verletzt. Prokudin veröffentlichte verschwommene Fotos, die einen gelben Bus mit blutverschmierten Stufen und zerbrochenen Fenstern zeigen.
Herausforderung für Selenskij: Ex-Verteidigungsminister fordert WahlenDer im Juli entlassene ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat mitten im Krieg gegen Russland Wahlen gefordert. Er sorgt damit für die größte innenpolitische Herausforderung für Präsident Wolodimir Selenskij seit Jahren. Fedorow ist der erste hochrangige Politiker des Landes, der seit Beginn der russischen Invasion einen solchen Vorstoß wagt. Bislang verbietet das ukrainische Gesetz Wahlen während des Krieges.
In einem am Dienstagabend auf Youtube veröffentlichten Video sprach der 35-Jährige von einer „systemischen Regierungskrise“. „Die Demokratie darf nicht als Geisel Russlands gehalten werden“, sagte er. Es müsse ein legaler, sicherer und realistischer Mechanismus gefunden werden, der es der Ukraine erlaube, ihren demokratischen Prozess auch unter den Bedingungen eines langen Krieges zu erneuern. Das alte System lebe zu oft nach seinen eigenen Regeln, schütze sich selbst und habe Angst vor Veränderungen.
Fedorow galt lange als enger Verbündeter Selenskijs, bis er im Juli nach sechs Monaten im Amt überraschend entlassen wurde. Er hatte bei seinem Amtsantritt umfassende Reformen versprochen. Nach Fedorows Entlassung war es in der Ukraine zu Protesten gekommen. Fedorow hatte zudem ein Angebot Selenskijs zurückgewiesen, als dessen Berater zu arbeiten.
Ob es in der Ukraine tatsächlich zu Neuwahlen kommen könnte, lesen Sie hier: