Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat den Versuch endgültig abgebrochen, das seit über zwanzig Jahren aktive Neil-Gehrels-Swift-Observatorium vor dem Absturz zu bewahren. Das mit der ambitionierten Rettung beauftragte Unternehmen Katalyst Space Technologies aus dem US-Bundesstaat Arizona muss die Mission seines Reparaturraumschiffs „Link“ wegen unlösbarer Defekte im Antriebssystem absagen.
Damit wird das historische Observatorium, das seit dem Jahr 2004 hochpräzise Daten zu energiereichen Gammablitzen im Universum liefert, voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres in der Erdatmosphäre verglühen. Die wissenschaftlichen Beobachtungen dieser massereichen kosmischen Phänomene sollen zwar laut Behördenangaben kurzfristig wieder aufgenommen werden, enden aber zunächst bereits in etwa einem Monat endgültig.
Technische Ausfälle bei Katalyst Space Technologies
Das Rettungsraumschiff war laut offiziellen Nasa-Angaben Anfang Juli erfolgreich von einer Trägerrakete des Typs Pegasus XL über dem pazifischen Kwajalein-Atoll abgeworfen worden, geriet jedoch Ende Juli völlig unkontrolliert ins Trudeln. Wie die New York Times detailliert berichtet, fiel bei den initialen Annäherungsversuchen an das ausgediente Teleskop das zentrale Lageregelungssystem des immerhin kühlschrankgroßen Raumschiffs teilweise aus.
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Ingenieur:innen von Katalyst Space Technologies versuchten laut dem ausführlichen Zeitungsbericht daraufhin, das trudelnde Raumschiff durch eilig geschriebene Software-Updates primär über den elektrischen Hauptantrieb zu stabilisieren. Da dieser Ansatz jedoch nicht die für das sensible physikalische Einfangen notwendige mechanische Präzision lieferte, musste das Team am Boden wieder auf die teilweise defekten Steuertriebwerke zurückgreifen.
Das fatale Problem bei diesem erzwungenen Wechsel: Sowohl der Hauptantrieb als auch die kleinen Steuertriebwerke nutzen denselben Vorrat an Xenon-Gas. Durch die andauernden Ausgleichsmanöver wurde dieser Treibstoffvorrat so weit erschöpft, dass die geplante Anhebung des Weltraumteleskops auf eine höhere Umlaufbahn physikalisch unmöglich wurde.
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Nasa und die Risiken des New-Space-Ansatzes
Der dramatische Fehlschlag offenbart die offensichtlichen Schattenseiten extrem beschleunigter Entwicklungszyklen in der ohnehin stark kommerzialisierten US-Raumfahrtindustrie recht schonungslos. Die Nasa hatte den hoch dotierten Auftrag für die insgesamt dreißig Millionen US-Dollar teure Rettungsmission erst im September des vergangenen Jahres an das noch relativ junge Startup vergeben, was in der klassischen Raumfahrtbranche als äußerst ungewöhnlich gilt.
Für den Bau des Rettungsraumschiffs blieben den Konstrukteur:innen lediglich neun Monate. Für ausführliche Tests der Bauteile und sichere Notfallpläne fehlte schlicht die Zeit. Bei Missionen im Weltall bedeutet das unweigerlich ein hohes Risiko. Katalyst-Geschäftsführer Ghonhee Lee räumte inzwischen ein, dass das Team wegen des enormen Zeitdrucks Abstriche bei der Sicherheit machen musste. Genau diese Kompromisse hätten nun das Scheitern der Mission besiegelt.
Ein überraschendes Maximum der aktuellen Sonnenaktivität hatte den stetigen Höhenverlust des alten Teleskops zuvor so dramatisch beschleunigt, dass für eine reguläre, mehrjährige Missionsplanung schlichtweg die Zeit fehlte und die Verantwortlichen sich für den hochriskanten Ausweg entschieden. Nasa-Chef Jared Isaacman verteidigte dieses unkonventionelle Vorgehen im Nachgang dennoch und erklärte in einer offiziellen Mitteilung, dass die staatliche Behörde weiterhin bereit sein müsse, notwendige unternehmerische Risiken einzugehen.
Auswirkungen auf künftige Satellitenwartungen
Das Raumschiff wird das Teleskop nun nicht mehr einfangen und anheben. Dennoch soll „Link“ in den nächsten Wochen in der Nähe des Observatoriums weiterfliegen. Das Team sammelt bei diesen Manövern wichtige Daten, um ähnliche Fehler bei künftigen Wartungsmissionen im All zu verhindern.
Wenn das ausgediente Swift-Observatory später in diesem Jahr in die dichten Schichten der Erdatmosphäre eintritt, wird ein Großteil der fragilen Struktur verglühen, wobei das Risiko für die Erdbevölkerung als sehr gering eingestuft wird. Ein völlig unkontrollierter Absturz bleibt jedoch immer ein unerwünschtes orbitales Szenario, weshalb Raumfahrtagenturen weltweit massiv in neue Technologien zur effektiven Müllvermeidung und sicheren Satellitenbergung investieren.
Der aktuelle Vorfall dämpft vorerst die mitunter deutlich zu optimistischen Erwartungen an schnelle und reibungslose In-Orbit-Servicing-Missionen für andere namhafte alternde Satelliten wie das Hubble-Teleskop ganz erheblich. Es zeigt sich hierbei einmal mehr ganz deutlich, dass die oft verklärte agile Hardware-Entwicklung irdischer Startups im fehlerintoleranten Vakuum des Weltraums sehr schnell an ihre materiellen und physikalischen Grenzen stößt.
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