Der Düsseldorfer „Slow Food“-Ortsgruppe geht es um einen gesunden Genuss. Immer wieder unternehmen die Teilnehmer kulinarische Ausflüge in die Region. Bei einem Besuch in Knittkuhl aber gab es kürzlich einen Höhepunkt, der eher künstlerischer Natur war. Zu Besuch waren die Aktiven auf dem seit 1889 existierenden Hof von Landwirt Gerd Günther. Und der Bauer hat ein überraschendes Hobby: die Mikrofotografie.
Zum Auftakt führten Gerd Günther und seine Tochter Annette die Teilnehmenden durch die Gewächshäuser. „Probieren ist erlaubt und erwünscht“, forderte der Landwirt die Gruppe auf, die verschiedenen Tomatensorten direkt vom Strauch zu verkosten. Neben Klassikern wie Bohnen, Zwiebeln, Paprika, Zucchini, Auberginen, Gurken, Salaten und Kartoffeln baut die Familie auch Schnittblumen, Physalis oder Ingwer an.
„Als ich den Hof 1986 von meinen Eltern übernommen habe, wollte ich keine Viehwirtschaft mehr“, so Gerd Günther beim Rundgang. Ein Jahr später verlegte er sich auf den Gemüseanbau und Gras als Viehfutter. „Um uns herum sind viele Reiterhöfe, die Heu brauchen“, erklärte der Düsseldorfer.
Günther bewirtschaftet den kleinen Neuenhof gemeinsam mit seiner Tochter. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Freitags und samstags verkaufen sie ihre Erzeugnisse im eigenen Hofladen. „Alles, was wir anbieten, wurde am gleichen Tag geerntet“, sagt Annette Günther. Obwohl der Hof nicht biozertifiziert ist – zu viel Bürokratie, wie der Bauer erklärt – setzt der Betrieb keine Chemie zur Düngung oder Schädlingsbekämpfung ein. Das ist ganz im Sinne der „Slow Food“-Gruppe, die außerdem das Ziel verfolgt, allen Menschen den Zugang zu guten und fairen Lebensmitteln zu ermöglichen.
Fotografien geben zunächst Rätsel auf
In einem Raum neben dem Hofladen wird an diesem Tag eine Pause eingelegt. An den Wänden hängen ganz besondere Fotografien, die auf den ersten Blick Rätsel aufgeben. Zwar ist nicht sofort zu erkennen, was darauf zu sehen ist. Faszinierend sind sie aber auf jeden Fall und Gerd Günther lüftet gern das Geheimnis dahinter. Der 67-Jährige hält mit seiner Digitalkamera mikroskopisch kleine Details fest. „Ich bin immer mit diversen Probenröhrchen unterwegs, um das einzusammeln, was ich später fotografieren will.“
Die Motive sind extrem vielfältig. Das kann die Haut einer Zwiebel sein. Auch Samenfäden eines Weidenröschens oder Einzeller, die im Wasser leben, nimmt der Landwirt genauer in den Blick. Doch längst ist es nicht allein die Natur, die den Hobbyfotografen interessiert. „Das hier ist der Querschnitt einer Computerplatine“, erklärte er seinen staunenden Gästen. Um einen fluoreszierenden Effekt zu erreichen, hat Günther das Objekt mit UV-Licht angestrahlt. Ein anderes Bild zeigt ein Mikrofon, wie es millionenfach in Smartphones verbaut wird. Aber eben nur ein winziges Detail ist für das Foto festgehalten. Je nach Aufwand sitzt er mehrere Stunden an einem Motiv.
Hilfe bei der Diagnose von Krankheiten
Zu diesem außergewöhnlichen Hobby ist Gerd Günther schon sehr früh gekommen. „Ich habe mich schon als Teenager für die Fotografie begeistert“, erinnert sich der 67-Jährige. Damals noch in Schwarz-weiß und analog. „Als ich mir die erste Digitalkamera leisten konnte, habe ich kontinuierlich aufgerüstet“, fügt er hinzu. Die Mikrofotografie setzt der Landwirt auch beruflich ein. „Sie hilft tatsächlich dabei, wenn es um die Diagnose von Pflanzenkrankheiten geht“, sagt er.
Inzwischen hat sich sein Talent herumgesprochen. Wissenschafts- und Schulbuchverlage fragen bei ihm regelmäßig an, ob er Material liefern kann. Außerdem arbeitet der Düsseldorfer seit Jahren mit der Uni Köln zusammen. „Die schicken mir regelmäßig Proben und möchten ihre Organismen ins Bild gesetzt haben“, gibt er Einblick in seine Vorgehensweise.
Auch Ausstellungen hat Gerd Günther schon mit seinen Arbeiten kuratiert. Denn neben der Dokumentation reizt ihn besonders der künstlerische Aspekt dieses „Mikrokosmos mit seinen Strukturen und Formen“, die im Lichtmikroskop sichtbar werden. Seine Aufnahmen jedenfalls schärfen den Blick bei den Betrachtern fürs Detail und die Schönheit der Natur im Miniaturformat.