Bielefeld. Hinter einem Mehrfamilienhaus mit Gründerzeitfassade in Gadderbaum versteckt sich eine kleine grüne Wohlfühloase. Vor rund zwei Jahren hat Rebecca Schirge hier angefangen, den vernachlässigten Garten neu zu gestalten, mit bunten Blumen, liebevoll arrangierten Deko-Elementen und allerlei Angeboten für tierische Gäste.

Inzwischen wird sie dabei von Türkan Karaca unterstützt, die ebenfalls im Haus wohnt. „Unser Gemeinschaftsgarten ist vielleicht nicht groß“, meint sie. „Aber er zeigt, wie sich selbst auf begrenztem Raum ein lebendiger Ort schaffen lässt, der Mensch und Natur gleichermaßen guttut.“

Türkan Karaca (51), die als Erzieherin in einer Bielefelder Kita arbeitet, lebt seit 17 Jahren hier. Erst mit Mann und zwei Kindern, inzwischen mit ihrer Tochter. Früher hätten ihre Kinder im Garten gespielt, erzählt sie. Danach „lag das alles ein bisschen brach“. Der Maulwurf übernahm die Regie, das Grün wucherte fröhlich vor sich hin, an der Buchenhecke und im Schatten der Kirschbäume überlebten nur noch ein paar widerstandsfähige grüne Sprengsel.

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Lavendel wird für Sirup genutzt – oder Kuchen

Das blieb auch so, als die freie Redakteurin und Autorin Rebecca Schirge vor zwölf Jahren einzog. „Aber vor zwei Jahren hatte ich dann ein Auftragstief“, erinnert sie sich – und nutzte die Zeit zur Gartenverschönerung: „Alles Learning by Doing.“ Am Haus kamen zu den alten nun neue Rosen hinzu, auf beiden Seiten der großen Malve, die über und über mit lilafarbenen Blüten übersät ist.

„Als ich sie eingepflanzt habe, da waren die Kinder noch klein“, erzählt Türkan Karaca. Direkt an der Rasenkante ziehen sich Lavendelpflänzchen entlang. Aus den Blüten hat Rebecca Schirge Sirup hergestellt, für Sekt oder Sprudel. „Einen Lavendel-Zitronenkuchen habe ich auch schon gebacken.“

Zwischen den Blumen am Haus ragen auffällige hohe schmale Triebe aus der Erde. „Das sind Gladiolen – ich hatte ganz vergessen, dass ich die dort gepflanzt hatte“, meint die Hobbygärtnerin und zeigt dann auf eine Heckenrose. „Sie war reduziert, da habe ich sie mitgenommen.“ Mehr aus Mitleid, meint sie, aber die Rose habe es ihr sehr gedankt und sich gut entwickelt. Gleiches gilt für den weißen Lavendel, „den habe ich für 99 Cent im Gartencenter entdeckt“. Eine orientalische Lilie hat es ebenfalls hierher geschafft.

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Langes Beet vor Buchenhecke als besonderer Hingucker

Das lange Beet vor der Buchenhecke ist für die beiden Frauen ein besonderer Hingucker: Er ist auch vom Wintergarten in ersten Stock gut zu sehen. Über Blumenkästen mit Pflücksalat hinweg fällt der Blick hinunter auf eine kunterbunte Blüten- und Kräutervielfalt: auf Löwenmäulchen und Jasmin, Thymian und Phlox, Flieder und Schafgarbe; dazwischen steht ein Topf mit einem Zwergpfirsich.

Neben großen alten Farnen mit Himbeeren dazwischen liegt der Eingang zu einer Laube. Vorn schläft ein kleiner Buddha, an der Mauer hinter ihm entspannt sich ein goldfarbener Frosch im Yogi-Sitz. Unter weiß gestrichenem Holz laden kissenweiche Bambussessel zum Chillen ein.

Ähnlich gemütlich lockt die Bank auf der gegenüberliegenden Seite unterm alten Kirschbaum. Hier sitzt die Autorin, die meist zu Hause arbeitet, gern und genießt den Blick auf die farbenfrohe Oase. „Hier lese ich auch gern, wenn ich Zeit habe.“ Und hier, im Schatten, fühlen sich die prachtvoll blühende Hortensien wohl.

Der Maulwurf ist bis heute geblieben

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Der Maulwurf hat sich durch die Umgestaltung seines Refugiums nicht stören lassen. Seine Erdhäufel auf dem Rasen hat Rebecca Schirge für gestalterische Akzente genutzt. Auf einem der Ex-Hügelchen wächst nun ein Blutweiderich, dessen pinkfarbene Blütenkerzen vielumschwärmt sind. „Hier ist immer richtig was los“, sagt sie. Eine Vogeltränke für Meise, Rotkehlchen & Co. verdeckt ein anderes „Guckloch“. Aber so sehr die 44-Jährige den pelzigen Einzelgänger mag – sie ist froh, dass er die Rasenfläche nur zurückhaltend nutzt.


Türkan Karaca (l.) und Rebecca Schirge haben in Gadderbaum eine grün-bunte Wohlfühloase für Menschen und Tiere gestaltet, in der es viel zu gucken und zu entdecken gibt. - © Barbara Franke

Türkan Karaca (l.) und Rebecca Schirge haben in Gadderbaum eine grün-bunte Wohlfühloase für Menschen und Tiere gestaltet, in der es viel zu gucken und zu entdecken gibt.
| © Barbara Franke

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Für die Hobbygärtnerinnen muss der Garten nicht perfekt sein. Für sie ist er ein „Wohlfühlort“, wie Türkan Karaca es formuliert. Ein Ort der Begegnung, wo immer irgendetwas blüht. Und den nun auch die Nachbarn rundherum, die sich bis jetzt oft nur über Grüße von Balkon zu Balkon kennen, bei einem großen Gartenfest näher erkunden können.

INFORMATION

Wettbewerb: Wer hat den schönsten Garten in OWL?

Die Neue Westfälische und das Haller Kreisblatt suchen 2026 wieder den „schönsten Garten in OWL 2026“. Zahlreiche Bewerber haben sich gemeldet, vielen Dank dafür! Die Redaktion hat jetzt die 14 spannendsten Gärten ausgewählt. Der hier vorgestellte Garten gehört dazu und hat die Chance auf den Sieg. Alle Teilnehmer aus OWL finden Sie im Laufe der kommenden Wochen auf der digitalen Themenseite. In der ersten September-Woche 2026 kann dort dann online abgestimmt werden.