In Hamburg wird eine alte Barkasse zur Bühne: Das Theaterstück »KOHKS« erzählt von den Wegen von Kohle und Kokain aus Kolumbien nach Deutschland. Ein Probenbesuch
20. August 2026, 19:32 Uhr
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Artikelzusammenfassung
Im Hamburger Hafen kapert das Theaterprojekt „KOHKS“ eine alte Barkasse und macht schon den Einlass zur cleveren Pointe: Wer an Bord will, muss sein Smartphone-Display als potenzielle Koks-Unterlage vorzeigen. Während die „Tanja“ an Containerterminals und Kohlekais vorbeizieht, verknüpft das deutsch-kolumbianische Ensemble in einer bilingualen Audio-Inszenierung die Lieferketten von Kohle und Kokain – zwei Stoffe, ein Name, ein ziemlich bitterer Energie-Plot. Aus Lionel Tomms Hafenrundfahrt-Idee wurde nach drei Jahren Fördermittel-Marathon ein immersives Format aus Quiz, Lied, Faktenfeed und stillen Tableaus, das Hamburger Nachtleben, Kolonialgeschichte, Klimapolitik und die Gewaltfolgen in Kolumbiens Abbau- und Anbaugebieten zusammenschneidet. Besonders wirksam wird der Abend dort, wo er nicht overperformt: wenn Zuschauer Kohlestücke in den Händen wiegen, Staub an den Fingern klebt und Jhon Ángel die bequeme europäische Trennung zwischen Partyrausch und blutiger Produktionsrealität zerlegt. Die Premiere ist bereits ausverkauft, doch der eigentliche Nachhall liegt in der unbequemen Erkenntnis, dass Hafenromantik, fossile Infrastruktur und Drogenszene keine getrennten Welten sind, sondern ein und derselbe düstere Soundtrack der Globalisierung.
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Ein Theaterzuschauer hält ein Stück Kohle in der Hand.
© Franziska Lange für DIE ZEIT
Eine Frau in gelber Sporthose steht am Anleger im Hamburger Hafen und ruft: »Handydisplays vorzeigen!« Brav ziehen die dreißig Wartenden ihre Handys aus den Taschen. Einer nach dem anderen hält ihr sein Display hin. Die Frau streicht mit dem Finger darüber, begutachtet den Staub, der daran haften bleibt, und lächelt zufrieden. Dann lässt sie die Wartenden an Bord.
Die Tanja, eine 90 Jahre alte Barkasse, wird an diesem Abend zur Bühne für das Theaterstück KOHKS – 2 Stoffe, 1 Name, Hamburgs Energie. Deutsche und kolumbianische Theatermacher zeichnen darin die Wege von Kohle und Kokain nach: von Kolumbien über den Hamburger Hafen bis ins Nachtleben der Stadt.