Mit so viel Nachwuchs hatte im Luisenpark kaum jemand gerechnet. Besonders freuen sich die Tierpfleger über die jungen Waldrappen, denn diese Ibisart ist vom Aussterben bedroht. „Zwei Pärchen haben uns Anfang Juni fünf Jungtiere beschert – ein Weibchen und vier Männchen“, berichtet Zoologin Andrea Gerstner.
Der Luisenpark betreibe mit der Haltung und Nachzucht der Waldrappen aktiven Artenschutz und nehme auch am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) teil, das zoologische Einrichtungen in diesem Ansinnen unterstützt. Es koordiniert etwa den Austausch von Männchen und Weibchen zwischen Zoos. Sterben die Tiere dann in der freien Wildbahn tatsächlich aus, können sie mit dem Bestand aus Zoos wiederangesiedelt werden.
Päärchen aus zwei Weibchen?
„Das Kuriose an unserem Waldrappen-Nachwuchs war, dass wir eigentlich dachten, das eine Pärchen bestünde aus zwei Weibchen“, erzählt Gerstner. Der Luisenpark habe beide Tiere vor etwa vier Jahren von anderen Einrichtungen übernommen und sich auf deren Geschlechtsbestimmung verlassen. „So konnten wir natürlich nicht an den Start gehen und haben dieses Jahr sozusagen ,wegen Männermangels’ die Koordinationsstelle des EEP gebeten, uns ein Männchen zu vermitteln“, so die Zoologin weiter.
Die Koordinierungsstelle sei dem Ersuchen nachgekommen und habe zwei neue „Waldrappen-Männer“ aus dem Zoo Budapest vermittelt. Als diese ankamen, hätten die Eier in Mannheim aber schon im Nest egelegen, erklärt Gerstner. Die jungen Waldrappen seien inzwischen selbstständig und der Lusienpark warte auf Info vom EEP, ob sie in andere Einrichtungen vermittelt werden sollen.
Nachwuchs auch bei anderen Störchen
Der Luisenpark hat auch drei Nimmersatt-Storchen-Paare, bei denen im Juli jeweils zwei Jungtiere schlüpften. Der Nachwuchs werde noch von den Eltern betreut und sitze „brav“ in den Nestern hoch oben in der Voliere. Bei den Abdimstörche gab es dieses Jahr auch Nachwuchs: Die vier Männchen und zwei Weibchen sind laut Gerstner mittlerweile „schon sehr selbstständig unterwegs“.
Bei den wohl markantesten Vögeln der Voliere, den roten Sichlern aus Lateinamerika, gibt es auch ein Junges: Von seinen korallefarbenen Artgenossen umriongt sitze es „flauschig grau“ im Nest. Putzig und nicht minder flauschig seien auch die Jungen der Witwenpfeifgänse, die aktuell noch folgsam hinter der Mutter herschwimmen, aber schon den für diese Entenart typischen Pfeifton draufhaben.
Im Luisenpark lebt nach dessen eigenen Angaben die größte innerstädtische Storchenkolonie Deutschlands. Da die Weißstörche alljährlich die Route über Südfrankreich, Spanien, die Westsahara, Liberia und die Elfenbeinküste gen Süden wählen, haben die Zoologen des Parks den Bestand in der großen Voliere an diese Länder angelehnt: In ihr leben weit überwiegend Vögel, die den freilebenden Störchen auf ihrem Weg nach Afrika „begegnen“ können.