Auch ein allgemeines Fanthema wurde angegangen, indes von allen Anhängern: Als es die bei der Weltmeisterschaft im Sommer eingeführten Trinkpausen in beiden Halbzeiten gab, ertönten ebenfalls Pfiffe.

Nun steht ab Freitag die erste DFB-Pokalrunde an – und wieder werden die Gladbach-Fans protestieren. Dieses Mal jedoch nicht als einzelne Fanszene, sondern als Teil einer bundesweiten Aktion. Die Gladbach-Fans folgen wie viele Fanszenen dem Aufruf, gegen den VAR zu protestieren.

Der FPMG Supporters Club und die Ultras von Sottocultura teilten am Donnerstag den Aufruf, der in vielen Fanszenen des Landes kursiert. „In der nun startenden ersten Pokalrunde sehen wir den Fußball, wie er sein sollte: ohne VAR und damit authentisch, unmittelbar und voller Emotionen. Zu diesem Zustand möchten wir dauerhaft zurückkehren und fordern deshalb die Abschaffung des Video Assistant Referee im deutschen Fußball“, heißt es da unter der Überschrift „Der VAR raubt uns die Freude am Fußball“.

In der ersten Pokalrunde – Borussia spielt am Sonntag um 15.30 Uhr beim Oberligisten TSV Schott Mainz – gibt es bei den Spielen keinen VAR, der technische Aufwand ist zu hoch. Neuerdings wird er ab der zweiten Runde eingesetzt, bisher war das erst ab dem Achtelfinale der Fall. In der Bundesliga ist der VAR seit der Saison 2017/18 im Einsatz mit dem Ziel „klare und offensichtliche Fehlentscheidungen zu korrigieren und den Fußball gerechter zu machen“.

Fan-Vorwurf: „VAR hat den Charakter des Spiels verändert

Das sehen die Fans aber nicht erfüllt. „Selbst Fans, die der Neuerung anfangs noch offen und positiv gegenüberstanden, konstatieren nach mittlerweile neun Jahren, dass der VAR den Charakter des Spiels grundlegend verändert hat“, heißt es in dem Aufruf.

Die Fans formulieren klare Kritikpunkte. „Während der Fußball von Intensität und Rhythmus lebt, leidet der Spielfluss erheblich unter den sich in die Länge ziehenden Unterbrechungen. Wir müssen ebenfalls schmerzlich feststellen, dass er den emotionalsten Moment des Spiels zerstört hat. Statt spontaner Freude bei einem Tor herrscht Unsicherheit ob einer möglichen Überprüfung. Die Hoffnung bei Einführung auf eine objektive Gerechtigkeit hat sich nicht erfüllt, vielmehr schafft der Videoassistent neue Ungerechtigkeiten“, ist zu lesen.

„Die These, es gäbe mit dem VAR weniger Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen, stellte sich als Trugschluss heraus. Es gibt jetzt noch mehr. Wir möchten die objektiv messbaren Erfolge des VAR dabei nicht in Abrede stellen. Wir möchten vielmehr darauf aufmerksam machen, dass der Preis für den objektiven Nutzen zu hoch ist. Einen Preis, den wir nicht länger bereit sind zu bezahlen“, schreiben die Fans.

Gladbach: Mehr als 60 Fanklubs unterstützen den Protest

Mehr als 60 Gladbach-Fanklubs unterstützen offiziell den Aufruf. „Wir möchten die Freude am Fußball zurück“, sie haben sich auf der Fanprojekt-Seite eingetragen.

Beim Pokalspiel in Mainz werden Sonntag über 10.000 Gladbacher erwartet. „Es wird ein Heimspiel in Mainz“, frohlockte Sportchef Rouven Schröder, der früher beim FSV Mainz 05 arbeitete, beim Familienfest am vergangenen Sonntag. Entsprechend laut wird der Protest gegen den VAR auch in der Mainzer Arena, in die der Oberligist Schott Mainz umzieht, zu hören sein.

Welche Erfolgsaussichten die Protestaktionen mit Blick auf die angestrebte Radikallösung haben, ist abzuwarten. Theoretisch könnten DFL und DFB den VAR im Alleingang abschaffen. Doch das ist sehr unwahrscheinlich, weil das Konzept fest in die internationalen Spielregeln sowie in die Vorgaben der UEFA und der FIFA integriert ist.