Ukrainische Rekruten desertieren in Deutschland
„Ich will einfach nicht sterben und auch nicht töten“
21.08.2026 – 03:48 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein ukrainischer Soldaten bei der Ausbildung: Es fehlt an Nachschub für die Armee, viele desertieren. (Quelle: IMAGO/Viacheslav Madiievskyi/imago)
Vorlesen
Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00
1xArtikel teilen
In Deutschland sollen Dutzende ukrainische Soldaten von Truppenübungsplätzen desertiert sein. Ihre Zukunft ist ungewiss.
Ukrainische Soldaten, die zur Ausbildung in Deutschland waren, sind offenbar während dieser Zeit desertiert. Bekannt geworden sind jetzt die Fälle von zehn Personen, die von zwei Militärübungsplätzen geflohen sind, es dürfte aber wesentlich mehr Fälle geben. Das berichtet die „Zeit“, die mit Rekruten gesprochen hat.
In Deutschland sind laut dem Bericht bislang 29.000 Ukrainer ausgebildet worden. Es gibt in der Ukraine eine Wehrpflicht, allerdings auch Ausnahmen. Wer in wichtigen Branchen wie Banken, der öffentlichen Verwaltung oder in der IT arbeitet, kann befreit werden. Auch Väter von mehr als drei Kindern, Studenten und Männer unter 25 Jahren müssen nicht zur Armee.
- Krieg gegen die Ukraine: Alle aktuellen Meldungen
- Ex-Minister konfrontiert Selenskyj: In Kiew kommt es zum Showdown
Gleichzeitig fehlt es an Soldaten. Rund zwei Millionen Männer sollen sich verstecken, so das ukrainische Verteidigungsministerium. Mindestens 60.000 Soldaten seien desertiert, weitere 250.000 Armeeangehörige sollen sich zumindest zeitweise von ihrem Posten entfernt haben.
Auf Anfrage der „Zeit“ wollte das deutsche Verteidigungsministerium keine Zahl nennen, wie viele Soldaten aus der Ukraine während der Ausbildung in Deutschland geflohen sind. Nach Angaben der „Zeit“ seien aber dem Innenministerium in Sachsen-Anhalt mindestens 80 Fälle bekannt. Deutschlandweit sollen es mehrere Hundert sein, so die Zeitung.
Manche wollen nur ihre Familie wiedersehen
Wie auch Russland benötigt die Ukraine Nachschub an Personal an der Front. Im ganzen Land wird um Rekruten geworben, viele heuern auch an, weil sie das Geld brauchen. Schickte die Ukraine zunächst Soldaten zur Spezialeinheit nach Deutschland, sollen laut „Zeit“ jetzt auch Neulinge kommen, die hier ihre Grundausbildung absolvieren. Der Zeitung liegen Berichte vor, dass viele der Rekruten mit Zwang zum Militärdienst gedrängt wurden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte selbst gefordert, die „schändlichen Straßenmobilisierungen“ zu beenden.
Die Männer, mit denen die Reporter sprachen, haben unterschiedliche Gründe für die Flucht aus dem Armeedienst. Ein Mann klagte über Übergriffe von Vorgesetzten. Die ukrainischen Rekruten werden auf den deutschen Truppenübungsplätzen von Landsmännern überwacht, die sie auch zusammen mit deutschen Offizieren ausbilden. Andere wollen ihre Familie wiedersehen, die in der EU lebt. Ein Mann hatte eine Haftstrafe wegen Mordes absolviert und will ein neues Leben anfangen, sagte er der „Zeit“. Ein Mann wollte einfach nicht in den Krieg ziehen und nutzte den Aufenthalt in Deutschland zur Flucht. „Ich will einfach nicht sterben und auch nicht töten. Nicht an der Front und auch sonst nirgendwo. Reicht das aus?“

