
AUDIO: KI an Schulen: Dänemark reglementiert, Schleswig-Holstein zögert (1 Min)
Stand: 21.08.2026 05:00 Uhr
Während Dänemark den Umgang mit Künstlicher Intelligenz ab diesem Schuljahr stärker reglementiert, geht Schleswig-Holstein insgesamt zögerlicher vor. Ein speziell entwickelter Chatbot wird hier längst nicht von allen Lehrkräften genutzt.
Im Unterricht von Lehrer Markus Allner an der Theodor-Litt-Schule in Neumünster sollen sich die Schülerinnen und Schüler für ihre heutige Aufgabe mit drei Unternehmensgründerinnen und -gründern unterhalten. Welche Unternehmen führen sie? Welche Gedanken haben sie sich vor der Gründung gemacht? Welche Rechtsform haben sie gewählt? Das Besondere: Die Gesprächspartner sind nicht real.

An der Theodor-Litt-Schule in Neumünster nutzen Schülerinnen und Schüler im Unterricht KI.
Geführt werden die Gespräche im „AIS.chat“ – dem speziell für Schulen entwickelten KI-Chatbot. „Das bietet uns Lehrkräften natürlich den Vorteil, dass wir jetzt, wenn wir keine echten Gründer und Gründerinnen zur Verfügung haben, eine Möglichkeit haben, trotzdem in dieses forschende Lernen zu gehen, in einer echten Handlungssituation“, sagt Berufsschullehrer Allner.
5.000 der rund 30.000 Lehrkräfte nutzen „AIS.chat“
Seit etwa einem Jahr steht „AIS.chat“ allen Schulen im Land zur Verfügung. Genutzt wird die Künstliche Intelligenz nach Angaben des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQ SH) bislang jedoch nur von gut 5.000 der rund 30.000 Lehrkräfte. Zu wenig, heißt es aus der SPD-Opposition im Kieler Landtag.
Das steckt hinter „AIS.chat“
Schleswig-Holstein hatte zum Schuljahr 2024/25 an zunächst zehn Schulen einen KI-Modellversuch gestartet. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in die KI-Chatbot-Oberfläche „AIS.chat“ ein. Entwickelt wurde sie im Auftrag aller 16 Bundesländer vom „Medieninstitut der Länder“. Die KI soll unter Berücksichtigung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eine geschützte, pädagogische Umgebung für Lehrkräfte und Schüler bieten. Seit November 2025 steht „AIS.chat“ allen Schulen im Land zur Verfügung.
Auch die Lehrergewerkschaft ist damit nicht komplett zufrieden. Es sei zwar ein guter Start, sagt Kerstin Quellmann, Co-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Schleswig-Holstein (GEW). Doch fehle vielen Lehrerinnen und Lehrern die Zeit, sich in der KI schulen zu lassen.
Für uns ist der entscheidende Faktor einfach die Zeit. In welcher Zeit soll das passieren, was machen Lehrkräfte dann nicht?
Kerstin Quellmann, Co-Vorsitzende GEW

KI-Schulungen belasten die Lehrkräfte zusätzlich, sagt Kerstin Quellmann von der GEW SH.
Dänemark: Schriftliche Prüfungen müssen mündlich verteidigt werden
Ein anderes Bild in Dänemark: Am deutschen Gymnasium in Nordschleswig arbeiten die Schülerinnen und Schüler ganz selbstverständlich mit ChatGPT, Google Gemini oder Claude – zu Hause und in der Schule. Ob KI im Unterricht angewendet wird, entscheiden die jeweiligen Lehrerinnen und Lehrer.
Digitalisierung in Dänemark
Dänemark gilt seit Jahren als internationaler Vorreiter beim Thema Digitalisierung – auch an Schulen. Laptops und Tablets wurden bereits ab 2011 flächendeckend eingeführt. Seit 2024 fand aber ein Umdenken statt – es wurden Empfehlungen ausgesprochen, Handys aus den Schulen zu verbannen, und Tablets und Computer nur noch dann einzusetzen, wenn es didaktisch und pädagogisch sinnvoll ist.
Doch seit diesem Schuljahr wird der Umgang mit KI bei den Nachbarn im Norden offiziell stärker reglementiert: Oberstufenschüler müssen unter anderem Hausarbeiten mündlich verteidigen. Zudem sollen Computer bei digitalen Prüfungen stärker überwacht werden und schriftliche Hausaufgaben nach Möglichkeit in der Schule erledigt werden. Bildungsminister Magnus Heunicke (Socialdemokraterne) sprach bei der Ankündigung der Maßnahmen von einem Problem mit KI-gestütztem Betrug an Gymnasien.
Keine großen Änderungen am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig

Jens Mittag ist Rektor am Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig in Apenrade.
Am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade ändere sich dadurch dennoch nicht viel, sagt Rektor Jens Mittag. „Die erste Vorgabe war ja, dass Examina, die zu Hause geschrieben werden, durch eine mündliche Prüfung begleitet werden sollen. Das ist bei uns aber schon seit mindestens zehn Jahren so.“
Auch er beobachte die Entwicklungen beim Nachbarn im Süden, sagt Mittag: „Selbstverständlich gucken wir, was in Schleswig-Holstein passiert.“
Mein Eindruck ist, dass es alles sehr träge ist in Schleswig-Holstein, deshalb arbeiten wir lieber mit den Methoden, die wir gewohnt sind. Und die sind ein bisschen experimentierfreudiger.
Jens Mittag, Deutsches Gymnasium für Nordschleswig
Ministerin Stenke: SH geht Weg „der etwas kleineren Schritte“
Und auch umgekehrt beobachte man aus Kiel, was im Norden passiere, sagt Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU). „Wir haben das ja in den skandinavischen Ländern generell gesehen, dass die immer sehr, sehr schnell dabei sind, Innovationen und Veränderungen in der Schule flächendeckend umzusetzen.“

Bildungsministerin Dorit Stenke betont, dass die Schul-KI datenschutzkonform ist.
In Schleswig-Holstein mache man es dann aber doch anders, allein aus datenschutzrechtlichen Gründen. „Wir haben von Anfang an eine Handreichung auf den Weg gebracht, wo wir zu den Lehrkräften auch gesagt haben: Vorsicht vor kommerziellen Angeboten, Vorsicht vor Daten, die in Ländern gespeichert werden, wo wir das nicht so gerne sehen wollen.“
Und so gehe man in Schleswig-Holstein weiter seinen eigenen Weg – den „der etwas kleineren Schritte“, wie Stenke sagt.

KI spielt auch im Klassenraum eine immer größere Rolle. AIS.chat wird bereits in Schulen in Schleswig Holstein eingesetzt.

Jetzt gibt es an vielen Schulen eine erlaubte Alternative: Ein KI-Chatbot, extra für den Unterricht entwickelt.

Viele Schüler machen ihre Hausaufgaben mit KI. Laut Bildungsexperten müssen diese deswegen neu gedacht werden – oder sogar abgeschafft.

Schleswig-Holstein führt den Chatbot „Telli“ ein. Er soll Lehrern bei der Unterrichtsvorbereitung und Schülern beim Lernen helfen.

Wie nutzen Schülerinnen und Schüler die Künstliche Intelligenz? Welche Vorteile ergeben sich für Lehrkräfte? Ein Unterrichtsbesuch.