Berlin – In seinem neuen Film „Spaziergang nach Syrakus“ (ab 20. August im Kino) spielt Charly Hübner (53) einen DDR-Bürger, der 1988 aus der Heimat flieht, um wenigstens einmal Sizilien zu sehen. Hübner spielt hier an der Seite seiner Ehefrau, Schauspielerin Lina Beckmann (45).
Wir sprachen mit Charly Hübner über den gemeinsamen Dreh und die anstehenden Landtagswahlen.
B.Z.: Schon „Das Leben der Anderen“, „Bornholmer Straße“ und „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ erzählten von der DDR. Lässt Sie der Osten nicht los?
Charly Hübner: Ach, ich nehme mir das gar nicht vor. Als 2015 die Flüchtlingskrise kam, dachten Regisseur Lars Jessen und ich darüber nach: Was ist Reise, was ist Flucht? Dann erinnerten wir uns an das Buch von Friedrich Christian Delius. Die Geldbeschaffung hat dann einfach gedauert.
Hatten Sie noch zu DDR-Zeiten einen unerreichbaren Sehnsuchtsort?
Ich war noch zu jung. Aber mit 14 bekam ich zur Jugendweihe ein Buch: „Autorouten“. Da waren nur Ostblock-Straßen drin! Mein Teenagerhirn fragte sich: Was ist auf der anderen Seite, wo keine Straßen eingezeichnet sind? Darf ich da nicht hin? Da lockte der Westen mit Paris, Amsterdam und Nordirland.
Stimmt es, dass Sie ausgerechnet in der Türkei Schauspieler werden wollten?
Ja, das war meine erste Reise direkt nach dem Mauerfall. Ich war auf Sinnsuche, nachdem das mit dem Leistungssport vorbei war. Ich dachte daran, Journalist oder Dolmetscher zu werden. Doch ein Freund in der Türkei hat mich umgestimmt.
Wie hat er das geschafft?
Er wusste schon, dass er auf die Bühne will. Als wir die antiken Theater in Troja und Ephesus besuchten, hat mich das so beeindruckt, dass ich dachte: Das will ich auch!
Wann wurde Berlin für Sie zum Sehnsuchtsort?
Berlin war Pflicht! Meine Heimatstadt Neustrelitz war damals eine gefährliche Skinhead-Hochburg. Da war klar: Ich muss nach Berlin. Ich wusste nur nicht, wie. Die Hardcore-Punker aus meiner Clique hingen in Friedrichshain ab, andere studierten. Beides war nicht meins.
Sondern?
Der Studienplatz an der „Ernst-Busch“-Schauspielschule! Das war wie ein Wunder. Ich zog sofort in den Wedding. Damals war dort der größte Punk am Start, dann kam die Rave-Welle. Das war besser als alles, was ich bis dahin kannte!
Sie spielen im Film ein Ehepaar – mit Ihrer tatsächlichen Ehefrau Lina. Wie fühlt sich das an?
Es ist schön. Lina ist eine großartige Künstlerin, und wir kennen uns seit über 15 Jahren in der Arbeit.
Wie meinen Sie das?
Sie spielt nicht, sie fängt einfach an. Mal mit einem Witz, mal macht sie das Herz weit auf. Ich sage immer: Jetzt schmeißt sie den Ofen an! Spielt sie weich, kann ich knorrig sein.

Das Ehepaar Charly Hübner und Lina Beckmann in „Sparziergang nach Syrakus“
Foto: Pandora Film
Und wie war ihr Aufschlag bei diesem Film?
Wie bei einem Picknick! Sie hat eine riesige, warme Decke ausgerollt, nach dem Motto: „Ich bin da! Setz dich hin und steh nicht so blöd rum mit deinen Jesus-Latschen.“ Sie versteht, was für ein verklemmter Knorrkopf dieser Paul ist.
Demnächst sind Wahlen in mehreren Bundesländern. Was können wir aus dem Film lernen?
Ich würde das gar nicht direkt verbinden. Es hilft nicht, in alten Rechts-Links-Debatten festzustecken. Fakt ist: Die Arm-Reich-Schere klafft immer weiter auseinander, PolitikerInnen kriegen das nicht in den Griff, versprechen vieles, behaupten einige Unwahrheiten. Unser Film zeigt, was passiert, wenn Menschen ideologisch bevormundet werden, unfrei werden, bis ins Persönliche. Das sollte man sich angucken – und das Kreuz da machen, wo die persönliche Freiheit auf gar keinen Fall in Gefahr ist.
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