In den 1970er-Jahren begründete die Düsseldorfer Stadtsparkasse unter ihrem kunstaffinen Vorstandsvorsitzenden Fritz Kulins ihre Kunstsammlung. Die Ankäufe der ersten Jahrzehnte waren sensationell. Serien von Thomas Ruff, Räume von Wolfgang Tillmans und Thomas Schütte sowie die Porträtreihe von Beat Streuli auf der Fassade des Firmensitzes des Geldinstituts an der Berliner Allee gehören dazu. Der Geldsegen von damals ist heute nicht mehr zu haben, aber nach einer Pause fördert das Geldinstitut seit 2008 in kleinerem Rahmen weiter. Das Motto nennt sich „Made in Düsseldorf“. Die achte Folge dieser Reihe ist in der zweiten Etage des Kunstpalastes zu sehen.
Die Kreativen sind längst nicht mehr auf Düsseldorf beschränkt. Sophie Meuresch (32) wohnt in Leipzig. Sie fiel 2025 bei der „Großen“ mit einer mehrteiligen Fotoreihe von 2018 auf, in der sie eine immer wieder gleiche, junge Frau zeigte, die ihre sportlichen Gesten sehr sparsam und fast schon stur ausführte und durch ihre Bescheidenheit aufmerken ließ. Dieser filmisch anmutenden Fotoserie folgte 2022 ein Zwei-Kanal-Video-Porträt, das nun von der Sparkasse angekauft wurde. Dabei wiederholt die Fotokünstlerin in „Astrid Doppel“, so der Titel, die Blicke, Gesten und Posen, friert sie ein und taut sie sofort wieder auf, wechselt also permanent zwischen Foto und Bewegtbild.
Die Becher-Schülerin Barbara Probst (62), die heute zwischen München und New York pendelt, geht ähnlich vor. Sie erfasst einen Augenblick simultan aus verschiedenen Kamerapositionen, die über einen Auslöse-Mechanismus über Funk gesteuert werden. Wir als Betrachter sehen mehrere Objekte und eine Hand auf dem Boden, wobei dasselbe Bild aus mehreren Blickwinkeln gesichtet und das Ganze fragmentiert wird. Wir müssen es in unserem Gehirn wieder zur Einheit bringen.
Der Niederländer Jan Dibbets (85), langjähriger Akademie-Professor in Düsseldorf, hat derlei Perspektivkorrekturen schon in den 1960er-Jahren präsentiert. Er dekonstruierte die Standort- und Zentralperspektive in unendlichen Reihungen und faszinierte damit. In den 1970er-Jahren entstanden erste Farbstudien, bei denen das reale Motiv verschwindet und die spiegelnde Lackoberfläche zum abstrakten Bild wird. Dibbets hatte in dieser Werkreihe das Licht auf den glänzenden Lack von Autokarosserien geworfen und stark vergrößerte Prints gemacht, in denen die Karosserie fast gänzlich verschwindet und das Foto lediglich eine abstrakte Monochromie mit verschiedenen Lichtflecken wiedergibt.
Aus den Anfängen von Gudrun Kemsa (65) stammen drei Fotoprints auf Aluminium von 1995. Sie gehören zu den ersten Farbaufnahmen der Künstlerin nach ihrem Bildhauer-Studium in Düsseldorf. Sie arbeitete damals in Fabrikhallen, benutzte die Analogkamera und machte in der Dunkelkamera vom Negativfilm Farbabzüge, die sie auf Diafilm reproduzierte, um sie anschließend auf Negativpapier auszubelichten. Durch die Farbumkehrung entstand die schräge Farbigkeit, die sich heute im digitalen Zeitalter kaum noch erklären lässt. Darin liegt aber auch der besondere Charme dieser Bilder.
Neun Künstler mit nur 16 Arbeiten zeigt die Fotoschau, die höchstens für Insider verständlich ist, denn große Serien, die das jeweilige Werk verständlich machen könnten, gibt es nicht. Bei Andreas Gefeller wurde von einer Fotoserie mit der Stangenkamera auf den Chaos-Boden in der Kunstakademie nur eine Aufnahme angekauft, sodass der Betrachter rätseln darf, was es mit der zerdepperten Bierflasche, der Bananenschale und den PET-Flaschen-Resten auf sich hat. Einen Reim macht er sich auch kaum bei Simon Dybbroe Möllers dänischem Soma-Würfel als doppelseitiger Collage. Selbst der nachgebaute und perfekt gebastelte Vergrößerer von Amanda Ross-Hos aus Los Angeles, auf den die Kuratorin Linda Conze besonders stolz ist, bleibt ein Solitär ohne Anbindung an die Ausstellung.
Immerhin gibt es einen Senkrechtstarter auch aus Düsseldorf. Juergen Staack geht es um dieses Nicht-Verstehen. Auf der Suche nach fast ausgestorbenen Sprachen stieß er auf die Sprache Ainu in Nordjapan. Staack bat die indigene Bevölkerung, seine fotografierten Polaroids in ihrer jeweiligen Muttersprache zu beschreiben und anschließend zu schwärzen, also auszulöschen. Im zweiten Teil bat er eine Person, ihre Landschaft zu beschreiben. Davon entstand eine Soundarbeit in einem gewissen Singsang und wird vom Lautsprecher übertragen. Der Besucher aber ahnt nicht, dass der Sound hinter einem weißen, japanischen Papier im Rahmen versteckt ist. Diese Tonspur hat Staack anschließend über Computerprogramme in ein graues Linienbild übertragen. Die Arbeit nennt sich wie die gesamte Werkreihe „Transcription Image“.
Immerhin gibt es auch ein Lächeln in der Schau. Der Brite Steven Pippin (66) hat es 1997 als DAAD-Stipendiat provoziert. Im Kunstpalast stehen umgebaute Urinale, allesamt versehen mit einem Loch, hat er sie doch zu Lochkameras verfremdet. Die entstandenen Fotos sind unscharf, durchkreuzen etwa ein Fahrrad mit einem Lichtstrahl und erinnern den Kunstgänger daran, dass zuweilen die Unvollkommenheit alle technischen Spielchen übertrifft. Das Besondere an Mr. Pippin ist, dass er Maschinenbau studiert hat, bevor er Sanitärgegenstände in fotografische Apparate verwandelte und damit für den Turner-Prize vorgeschlagen wurde.