
AUDIO: Theater im September 2026: Die Highlights in Sachsen, Sachsen-Anhalt & Thüringen (7 Min)
August-Tipps
Stand: 21.08.2026 15:05 Uhr
Im September 2026 gibt es in Halle, Dessau und Magdeburg viele Gründe für einen Theaterbesuch. In Stendal kommt ein erschreckend aktueller, historischer Roman auf die Bühne. In Halle singen „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ auf der Opernbühne. In Dessau gibt es Drama im Ballettsaal und Gundermanns Leben auf der Puppenbühne. In Magdeburg wird der Anschlag 2024 verarbeitet. Hier unsere monatlich aktualisierten Empfehlungen – mit Terminen und Adressen, damit Sie kein Highlight verpassen!
Tanztheater in Dessau: „Schwanensee“ am Anhaltischen Theater
Tschaikowskys „Schwanensee“ gehört zu den wichtigsten Werken des klassischen Balletts und ist immer wieder eine neue Herausforderung. Zum einen ist das Stück der Inbegriff von Virtuosität, zum anderen lädt die symbolträchtige Handlung zu tiefenpsychologischen Deutungen ein, in denen man sich leicht verlieren kann. Dieser Spur folgt auch der Dessauer Ballettchef Stefano Giannetti und zeigt den Kampf mit dem Werk. Seine Interpretation spielt nicht in einem magischen Königreich, sondern im Ballettsaal selbst.

Der Dessauer „Schwanensee“ spielt im Probensaal.
Ein Choreograf arbeitet an seiner eigenen Version des „Schwanensee“ und muss dabei mit seinen eigenen Gefühlen kämpfen. Denn er ist hin- und hergerissen zwischen der Primaballerina und dem ersten Solotänzer. Dass der Darsteller des Zauberers Rotbart wiederholt dazwischenfunkt und die Proben stört, ist dabei auch nicht hilfreich. Am Ende steht der Choreograf alleine da. Kritiker Roland Dippel ist in der „Mitteldeutschen Zeitung“ begeistert von der Leistung des Orchesters unter Svetoslav Borisov und der Leistung des Ensembles: „Die gesamte Ballettkompanie zeigt in diesem Bravourstück, was sie kann. Das ist sehr viel. Deshalb erweisen sich die Detailkorrekturen des Choreografen auf der Bühne als vollkommen unbegründet. Alles stimmt und macht trotz des traurigen Endes glücklich.“
Weitere Informationen
„Schwanensee“ mit der Musik von Peter Tschaikowsky
Adresse:
Anhaltisches Theater
Friedensplatz 1a
06844 Dessau-Roßlau
Dauer: 130 Minuten, eine Pause
Termine:
13. September, 17 Uhr
26. September, 17 Uhr
Schauspiel in Stendal: „Mephisto“ am Theater der Altmark
Bedrohlich und seltsam unbeständig hängt ein riesiges Hakenkreuz aus Eis über der Bühne in Stendal und schmilzt. Es überschattet die Leben der handelnden Figuren und deutet das nahende Ende der Schreckensherrschaft bereits an. Der Roman „Mephisto“ gehört derzeit zu den Trendstoffen auf den deutschen Bühnen – nicht zuletzt, weil die historischen Ereignisse beunruhigend heutig wirken. Obwohl der Autor Klaus Mann immer betonte, dass sein Roman nicht von realen Persönlichkeiten handele, haben doch alle Lesenden darin den Schauspieler Gustaf Gründgens erkannt (der Mephisto mit dem bleichen Gesicht und den absurden Augenbrauen). Die Stendaler Bühnenadaption jedoch hält sich nicht mit falschen Namen auf, sondern erzählt von Gründgens und Göring.
Die Geschichte folgt der Karriere des Schauspielers, der anfänglich in Hamburg einige Erfolge einfährt, bevor er nach Berlin zieht. Talent und Fleiß, doch vor allem sein Gespür für Opportunismus helfen ihm bei seinem Aufstieg. Auch nach der Machtergreifung darf er weiter auf der Bühne stehen und dank seines Bewunderers Hermann Göring wird er sogar zum Theaterintendanten. Gründgens verteidigte sich immer wieder, dass er eben nur Theater spielen wollte. Es ist ein Beispiel dafür, wie verführerisch Macht sein kann und wie hoch der Preis für Opportunismus sein kann. Die Stärke der Stendaler Inszenierung liegt im Ensemble: In der „Volksstimme“ lobt Kritiker Mike Kahnert, wie Marcel Kaiser mit vollem Körpereinsatz die Gründgens-Fassade immer aufrechthält oder wie Matthias Hinz als Todesbote selbst im Hintergrund ein überzeugendes Minenspiel liefert.
Weitere Informationen
„Mephisto“ nach dem Roman von Klaus Mann
Adresse:
Theater der Altmark
Karlstraße 6
39576 Hansestadt Stendal
Dauer: 120 Minuten, eine Pause
Termine:
26. September, 19:30 Uhr
Musiktheater in Halle: „Die Kinder des Monsieur Mathieu“
Der Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ war ein Überraschungserfolg des französischen Kinos in den Nullerjahren. Das lag vor allem an dem Optimismus, den der Film ausstrahlte: ein Blick in die Zukunft voller Hoffnung durch die Kraft der Musik. Ein erfolgloser Musiker versucht, als Quereinsteiger an einer Schule über die Runden zu kommen. Während es im Film um ein Internat für schwererziehbare Jungen geht, kommt der titelgebende Monsieur Mathieu in Halle an eine Eliteschule. Statt Streitereien und Streiche auszutragen, sitzen die Lernenden brav nebeneinander und lösen Aufgaben auf ihren Tablets. Für die Leistungsbeurteilung und Pisa-Tests ist das sicherlich vorteilhaft, doch es mangelt an Sozialkompetenz und menschlicher Wärme.

In Halle kommt der französische Feelgood-Film auf die Bühne.
Monsieur Mathieu hat schließlich die Idee, einen Chor zu gründen. Nach und nach überwindet er die Widerstände und Vorbehalte und bringt alle zusammen. Wie auch im Film wird es bittersüß, denn der Musiker scheitert am System und muss gehen, jedoch nicht ohne Spuren zu hinterlassen. Das alles ist wenig überraschend, meint der Kritiker Joachim Lange in der „Mitteldeutschen Zeitung“, doch die Leistung der beiden erwachsenen Opernsänger, der Musiker und vor allem des Kinder- und Jugendchores der Oper Halle sei hervorragend, dass die Handlung packt und berührt.
Weitere Informationen
„Die Kinder des Monsieur Mathieu“
Adresse:
Opernhaus
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)
Dauer: 90 Minuten, keine Pause
Termine:
6. September, 15 Uhr
Figurentheater in Dessau: „Gundermann“ im Alten Theater
Gundermann ist vielleicht die Personifikation der Lausitzer Seele, vielleicht sogar der ostdeutschen. Er war Baggerfahrer und arbeitete im Tagebau, doch er sang auch und schrieb eigene Lieder – genau so, wie die Ideologen der SED es sich immer wünschten. Seine Lieder waren poetisch und nahbar, erzählten von dem Alltag, den so viele kannten, von Arbeit und Erschöpfung. Er wollte sich ins System einbringen und schien doch nie so recht in das System zu passen. Auch die Zeit des Umbruchs nach der Wiedervereinigung begleitete Gundermann mit seinen Liedern. In dieser Zeit gab er auch zu, als IM für die Stasi gearbeitet und Weggefährten bespitzelt zu haben.

Eine komplexe Persönlichkeit: Gerhard Gundermann (1955-1998).
Das Stück „Gundermann – Engel über dem Revier“ versucht, dem Künstler und seiner Kunst nahe zu kommen. Mit Puppen spielt das Ensemble von Theaterkorona einzelne Momente aus dem Leben des Ausnahmekünstlers nach. Dabei ändert Gundermann immer wieder seine Formen, ist mal eine kleine menschenähnliche Puppe, mal sind die Glieder lang und dürr, dann ist er nur ein riesiger Kopf – genau auf diese vielfältige Weise kann man den vielfältigen Charakter vielleicht am besten auf die Bühne bringen. Und natürlich darf auch die Musik nicht fehlen.
Weitere Informationen
„Gundermann – Engel über dem Revier“
Adresse:
Altes Theater
Lily-Herking-Platz 1
06844 Dessau-Roßlau
Termine:
18. September, 18 Uhr
Musical in Eisleben: „Münchhausen“
In den vergangenen Jahren ist die Lüge zu einer immer größeren Variable in der politischen Debatte geworden: Falsche Meldungen und Lügenmärchen lassen die Menschen an allen Nachrichten zweifeln und im Wahlkampf sind dreiste Behauptungen zu einem Wettbewerbsvorteil geworden. Es scheint die ideale Zeit für den Lügenbaron Münchhausen zu sein, dessen erfundene Geschichten allerdings nicht so schwermütig daherkommen. Der Autor Gottfried August Bürger, der vor bald 280 Jahren im Mansfelder Land geboren wurde, hielt die abenteuerlichen Geschichten für die Nachwelt fest.

Wie will Münchhausen zu einem Star machen und so auch der brutalen Macht des Fürsten etwas entgegensetzen.
Das Theater Eisleben erzählt nun in einem neuen Stück von dem legendären Lügner – „pointiert geschrieben von Kai O. Schubert und durch poppige Kompositionen des in Eisleben tätigen Theatermusikers Christian Faust flott vorangetrieben“, wie der Kritiker Andreas Montag in der „Mitteldeutschen Zeitung“ schreibt. Schubert, so etwas wie der Hausautor des Theaters Eisleben und Regisseur, hat Münchhausen an das fiktive Fürstentum Mansfeld-Südholz geholt. Es ist ein verkommener Hofstaat: Der Fürst nimmt die Sorgen seiner Untertanen nicht ernst, sein Sohn denkt nur an sein eigenes Vergnügen und die ganze Hofgesellschaft ist mit Saufen und Lügen beschäftigt. Dann kommt eine Schauspieltruppe ins Land, macht Münchhausen zum Star und Publikumsliebling und bringt die ganze Ordnung durcheinander. Es ist eine „gelungene Inszenierung“ und ein „heiterer Abend“, wie Kritiker Montag resümiert.
Weitere Informationen
„Münchhausen – das MusiKal“
Adresse:
Theater Eisleben
Landwehr 5
06295 Lutherstadt Eisleben
Dauer: 120 Minuten, eine Pause
Termine:
5. September, 19:30 Uhr
Schauspiel in Halle: „Wunde Stadt“ von Kevin Rittberger
Selten wird so intensiv über das Theater und ein Stück gestritten, wie bei dieser Produktion in Magdeburg. Im Dezember 2024 fuhr ein Mann mit einem Auto in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt. Sechs Menschen starben, hunderte weitere wurden verletzt. Als das Magdeburger Theater gut ein Jahr später ankündigte, ein Theaterstück dazu inszenieren zu wollen, kamen Proteste auf. Sehr wahrscheinlich haben rechte Kräfte Stimmung gegen das Theater gemacht, doch auch Überlebende und Angehörige haben die Sorge geäußert, dass hier Sensationslust auf die Bühne kommt.

Mit Stühlen wird der Terroranschlag angedeutet.
Die Premiere des Stücks „Wunde Stadt“ beweist nun, „was ein Stadttheater für eine Stadt leisten kann“, so MDR KULTUR-Kritiker Stefan Petraschwesky. Autor Kevin Rittberger hat lange recherchiert und mit Überlebenden gesprochen und zu einem vielstimmigen Stück verwoben, in dem scheinbar alle Stimmen laut werden können. Der Abend hat keine Handlung im eigentlichen Sinne, sondern zeigt vielmehr, wie die Zeit vergeht und die Haltung der Menschen zu den schrecklichen Ereignissen sich verändert. Indem Rittberger noch weiter herauszoomt und auf vergangene Kriege und Angriffe blickt, wird „Wunde Stadt“ kein Stück über einen Anschlag, sondern über Traumabewältigung, für die Regisseur Stefan Nübling ästhetische und passende Bilder findet.

Zum Anhören
Anderthalb Jahre nach der Amokfahrt über den Weihnachtsmarkt zeigt das Theater Magdeburg ein Stück, das erkunden will, wie die Stadt das Trauma verarbeitet. Sein Titel: „Wunde Stadt“. Kann Theater heilen? Eine Rezension.
„Wunde Stadt“ von Kevin Rittberger
Adresse:
Schauspielhaus
Otto-von-Guericke-Straße 64
39104 Magdeburg
Dauer: 130 Minuten, eine Pause
Termine:
26. September, 19:30 Uhr
FÜR KURZENTSCHLOSSENE:
Schauspiel in Halle: „Kunst“ von Yasmina Reza
Moderne Kunst sorgt nicht selten für Debatten. Sie kann sogar Streit auslösen: Ist das Kunst oder kann das weg? – so lautet die zugespitzte und häufig wiederholte Frage. Doch genau in diesem Streit liegt manchmal auch der Wert der Kunst, weil sie zum Gespräch anregt, weil sie einen Standpunkt abverlangt. Das weiß auch die französische Erfolgsautorin Yasmina Reza.

Aktuell wird die Komödie in Halle noch geprobt.
In der Komödie „Kunst” wird eben ein modernes Werk zum Anstoß für eine weitreichende Debatte: Serge ist Dermatologe und hat sich ein neues Bild gekauft: weiße Streifen auf weißem Grund. Sein Freund Marc findet das dämlich und regt sich auf. Ihr gemeinsamer Freund Yvan versteht den Streit gar nichtund versucht, zu vermitteln. Als sie sich zum Dinner treffen, geht es dann richtig los und es wird klar: Das Bild ist nur Anlass, um mal tiefergehende Probleme anzusprechen. Das ist die große Stärke von Yasmina Rezas Stücken: Sie zeigt vielseitige Charaktere und lässt diese aufeinander los und in dem Streit offenbart sich dann beispielhaft etwas, das uns alle angeht. Die Kulturreederei spielt das Erfolgsstück im Innenhof der Ulrichskirche.
Weitere Informationen
„Kunst“ von Yasmina Reza
Adresse:
Ulrichskirche
Christian-Wolff-Straße 2
06108 Halle (Saale)
Dauer: 120 Minuten
Termine:
20. bis 22. August, jeweils 20 Uhr
Musiktheater in Bad Lauchstädt: „Die Entführung aus dem Serail“ von Mozart
„Die Entführung aus dem Serail” gehört zu den Glanzstücken der deutschen Musiktheatergeschichte. Mozart schuf das Stück in jungen Jahren und bewies damals schon, worin sein großer Wert bestand: Die Musik ist vielfältig, klingt aber nie angestrengt oder gewollt, sie ist anspruchsvoll, aber auch beschwingt. Die Form des Singspiels ist typisch deutsch: Zwischen den einzelnen Nummern gibt es gesprochene Dialoge. Die Geschichte klingt wie ein billiger Abenteuerroman: Konstanze und ihre Dienerin Blonde wurden entführt und gehören nun zum Harem von Bassa Selim. Der seine Macht aber nicht ausnutzt, sondern Konstanze als seine rechtmäßige Braut gewinnen will. Die ist ihrem Belmonte jedoch treu, der sich schon auf den Weg macht, sie zu retten.

Das Theater in Bad Lauchstädt besticht mit historischem Charme.
Ja, das Stück lebt von vielen Klischees und straft sie gleichzeitig ab. Mozart schuf das Singspiel zu einer Zeit, als die Türken in Europa regelrecht verhasst waren. Dennoch zeigt das Stück die europäischen Nachbarn nicht als grausame Barbaren, im Gegenteil: Der vermeintliche Gegenspieler Bassa Selim ist am Ende die Figur, die am meisten für moralische und humanistische Werte steht. Das alles ist wichtig zu wissen, denn im August wird das Werk in Bad Lauchstädt im Rahmen des Festspiels der deutschen Sprache gezeigt. Der Gedanke ist, dass die Stücke besonders wortgenau, aber mit künstlerisch starker Besetzung gespielt werden. Die Botschaften von Toleranz und Menschenfreundlichkeit muss man also nach dem Besuch selbst in unsere Gegenwart übertragen.
Weitere Informationen
„Die Entführung aus dem Serail“ von W.A. Mozart
Adresse:
Goethe-Theater
Parkstraße 18
06862 Bad Lauchstädt
Termine:
29. und 30. August, jeweils 15 Uhr
Schauspiel in Dessau: „Der Geldgott“ von Peter Hacks
Es ist ein verlockendes, oft auch trügerisches Versprechen des Neoliberalismus, das in Deutschland Arbeitswelt und Politik bestimmt: Wer mehr arbeitet und leistet, der verdient auch mehr, dem geht es besser. Diesen Fehlschluss hat der Autor Peter Hacks, einer der wichtigsten Dramatiker der DDR, in seinem Stück „Der Geldgott” angeprangert. Ausgehend von der Komödie „Pluto” des antiken griechischen Dichters Aristophanes erzählt Hacks von dem Gott, der Reichtum und Wohlstand verteilt. Leider ist dieser Gott blind und deswegen verteilt er seine Gaben auch nicht gerecht. Das sieht auch der Töpfer Chremylos so – denn obwohl er immer so fleißig arbeitet, bleibt er verhältnismäßig arm.
Als er den Geldgott trifft, hilft er ihm also, seine Sehkraft wiederzuerlangen, weil er so auch in der Folge auch auf seinen Anteil an Wohlstand hofft. Doch überraschenderweise verteilt der Geldgott, nachdem er sehen kann, seine Gaben noch ungerechter. Für die Gruppe Theater Provinz Kosmos ist es nicht die erste Begegnung mit Peter Hacks oder Aristophanes. Dabei verlassen sich die Inszenierungen ganz auf den Text und setzen auf einen Humor, der beiläufig und einfach wirkt, aber pointiert und klug ist. „Der Geldgott” wird im Georgengarten gespielt.
Weitere Informationen
„Der Geldgott“ von Peter Hacks
Adresse:
Am Küchengebäude
Am Georgengarten
06846 Dessau-Roßlau
Termine:
29. August, 19 Uhr
30. August, 16 Uhr
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