Charlottenburg – Tanzen, Tischtelefone und Techtelmechtel! Das Café Keese in der Bismarckstraße feiert am Sonnabend seine Jubiläumsparty zum 60. Geburtstag. Das Tanzlokal war immer mehr als nur eine Disco – oft wurde hier aus einem Flirt die große Liebe.
Für 15 Euro Eintritt (an anderen Tagen sind es 8 Euro) tritt man ein in eine Zeitmaschine in die Sechzigerjahre. Roter Plüsch, gedämpftes Licht, Discokugeln. Mit kleinen Tischtelefonen können Mann oder Frau unverfänglich erste Kontaktversuche starten. Dann perlen Discofox und internationale Hits in erträglicher Lautstärke aus den Boxen.
Chefin lernte hier ihren Mann kennen
Mittendrin Chefin Nadine Ludwig-Kibwebwe (50). Sie übernahm das Lokal von ihren Eltern, ihr Großvater hatte es zuvor gekauft. „Früher habe ich öfter hier ausgeholfen. Da habe ich auch meinen Mann Frank kennengelernt. Der war hier Geschäftsführer“, sagt Ludwig-Kibwebwe zu B.Z.

Keese-Chefin Nadine Ludwig-Kibwebwe (50) in dritter Generation und Ehemann und Geschäftsführer Frank Kibwebwe (65)
Foto: Privat
Für die beiden ist das Keese nicht einfach ein Geschäft. Es ist Familie. Erinnerung. Und für viele Stammgäste ist es längst ein zweites Wohnzimmer. Hier hat die Zeit nicht einfach angehalten – sie hat es sich gemütlich gemacht.
Stammgast Susanne (44), Projektassistentin aus Treptow-Köpenick: „Hier gibt es jeden Dienstag einen kostenlosen Discofox-Tanzkurs. Im Keese habe ich auch meinen Partner Christian kennen und lieben gelernt. Wo kann man sonst in Berlin noch in gepflegter Atmosphäre zusammen tanzen?“

Projektassistentin Susanne (44): „Ich habe meinen Christian im Café Keese kennen und lieben gelernt. Toll, dass inzwischen auch so viele junge Gäste kommen“
Foto: Privat
Früher durften Damen auffordern
Übrigens: Früher durften in dem von Bernhard Keese gegründeten Lokal die Damen den Mann ihrer Wahl auffordern. Der „Ball Paradox“ war eine kleine Revolution.
Doch das „Keese“ musste auch schwere Zeiten überstehen. Chefin Nadine: „Corona setzte uns natürlich massiv zu. Doch Vermieter und viele Gäste hielten loyal zu uns. Sonst wäre es das Ende gewesen.“
Hollywood drehte hier einen Blockbuster
Vorbei, die Trübsal! 400 Gäste können hier feiern, an zwei Bars stehen, quatschen, flirten und natürlich auf der 80 Quadratmeter großen Tanzfläche schwofen. Sogar Hollywood war schon zu Gast: 2004 wurde hier unter anderem der Blockbuster „Beyond the Sea“ (mit Kevin Spacey) gedreht. Das „Keese“ war zudem Kulisse für TV-Filme und Musikvideos.

Das Café Keese in Charlottenburg feiert 60. Jubiläum
Foto: Sven Meissner
Der größte Star bleibt das Café selbst. Während draußen Berlin schneller, moderner und lauter wird, bewahrt das Keese seinen ganz eigenen Zauber. 60 Jahre Berlin. 60 Jahre Tanz. 60 Jahre Geschichten. Die Musik spielt. Die Telefone klingeln. Und vielleicht wartet am Nachbartisch ja schon die nächste große Liebe.
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