Irgendwie wirkt der Besuch bei Ikea in Augsburg an diesem späten Nachmittag wie immer. Neben dem „Billy“-Regal steht der „Mammut“-Kinderstuhl, Kissen sind schön drapiert. Deko-Elemente ziehen den Blick auf sich und zum zweiten Mal schon kommt man an der Fusselrolle vorbei und überlegt, wie viele Chancen wohl noch kommen werden, sie in den Einkaufskorb zu befördern. Und doch ist etwas an diesem Mittwochabend anders. In dem bekannten Möbelhaus ist „Stille Stunde“.

Vor Kurzem hat die schwedische Kette bundesweit diese besondere Einkaufszeit eingeführt. Immer mittwochs von 17 bis 19 Uhr gibt es keine Musik und nur Lautsprecherdurchsagen, die für die Sicherheit der Besucher oder Mitarbeiter relevant sind. Teils ist das Licht gedimmt. Im Restaurant, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit, versuche man weniger Geräusche zu verursachen, die Videofilme der Kinderbetreuung würden mit geringerer Lautstärke abgespielt. „Wir achten insgesamt auf eine ruhigere Atmosphäre und bitten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Kunden und Kundinnen um besondere Rücksichtnahme“, teilt Ikea weiter mit.

Auch bei Rewe und Edeka gibt es die „Stille Stunde“

Solche „Stillen Stunden“ gibt es im Einzelhandel bereits seit 2023. Unter anderem beteiligen sich Supermarkt-Filialen von Rewe und Edeka. Ziel ist es, eine reizärmere Umgebung und damit ein entspannteres Einkaufserlebnis zu ermöglichen. Dies soll vor allem Menschen helfen, die empfindlich auf Geräusche, Licht oder viele Eindrücke reagieren, etwa Menschen im Autismusspektrum oder mit AD(H)S.

„Wir erhoffen uns, dass sich Kundinnen und Kunden, die in einer ruhigeren Umgebung besser zurechtkommen, bei ihrem Einkauf wohler fühlen und dass sie ihre Zeit im Einrichtungshaus ohne Überforderung, dafür mit mehr Sicherheit und Komfort erleben können“, schreibt Ikea auf Anfrage.

Stille Stunde bei Edeka soll Menschen vor Reizüberflutung schützen

An diesem Mittwochabend spürt nicht jeder der Kunden einen Unterschied zu anderen Besuchen im Möbelhaus. „Hätten Sie mich nicht darauf angesprochen, wäre es mir nicht aufgefallen“, sagt eine Kundin. Ein Mann mittleren Alters klinkt sich jedoch ein und meint: „Unser Rundgang fühlt sich heute tatsächlich sehr entspannt an.“

Er habe es aber mit der geringen Besucherzahl wegen der Ferien in Verbindung gebracht. Seine Begleiterin meint: „Wüsste ich es nicht, hätte ich vermutlich keinen Unterschied erkannt. Aber den Menschen, für die das gemacht ist, hilft das bestimmt.“ Dann durchbricht das Kreischen eines Kindes den ruhigen Austausch. Durch die Trennwand ist zu hören, dass es keine Lust mehr auf Shopping hat – besondere Atmosphäre an diesem Tag hin oder her.