1. Dystopie, Abstraktion und stille Details: Die Bilder der Woche 34

close notice

This article is also available in
English.

It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Hier trifft Dystopie auf Detailfreude, Großstadt auf Grashalm und surreale Inszenierung auf stille Vergänglichkeit. Die Auswahl aus der c’t-Foto-Galerie lässt sich nicht so leicht in eine Schublade stecken – und genau das macht sie so sehenswert. Sieben Fotografinnen und Fotografen haben in dieser Woche Motive gezeigt, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Und doch zieht sich ein unsichtbarer Faden durch alle Bilder: der Wille, genauer hinzuschauen als die meisten.

Weiterlesen nach der Anzeige

Mal ist es eine maskierte Figur auf einem Steinhaufen, die eine ganze Epoche in einem einzigen Bild zusammenfasst. Mal sind es vertrocknete Mohnkapseln, die plötzlich wie Kunstobjekte wirken, oder eine perforierte Stahloberfläche, die sich in pure Abstraktion verwandelt. Dazwischen gibt es Architektur, die sich selbst spiegelt, eine Frau im goldgelben Kleid inmitten bunter Wellen und einen Berliner Hinterhof, der den Blick in den Himmel zwingt. Lassen Sie sich überraschen.

Kurz mal die Welt retten von Katja Gehrung

Kurz mal die Welt retten

(Bild: Katja Gehrung)

Auf einem Steinhaufen thront eine maskierte Gestalt und bewacht einen Metallkäfig, in dem eine bläulich schimmernde Kugel, die Erde, gefangen ruht. Die entsättigte Farbpalette aus Ocker-, Braun- und Fahlrosa-Tönen taucht die Szene in eine dystopische Stimmung, während die kahlen Bäume im Hintergrund Trostlosigkeit und Tiefe erzeugen. Kompositorisch bildet die zentral platzierte Figur einen starken Anker. Die Eulenmaske verwandelt sie in eine archetypische Wächterin zwischen Klimaschutz und Zerstörung. Surrealismus trifft auf Klimawandel – und das Ergebnis bleibt im Kopf.

Zurück aus Berlin von NAlois

Zurück aus Berlin

(Bild: NAlois)

Die Glasfassade des Berliner Hauptbahnhofs wird hier zu einem vielschichtigen Spiel aus Transparenz und Reflexion. Stahlstreben und Glasflächen erzeugen ein dichtes Raster aus diagonalen und horizontalen Linien, das den gesamten Bildraum strukturiert. Dahinter spiegeln sich die geschwungenen Formen des Bahnhofinnern und überlagern die klare Geometrie mit organisch verzerrten Kurven – ein spannungsreicher Dialog zwischen Ordnung und Brechung entsteht. Der türkisgrüne Farbton des Glases zieht sich als kühle Dominante durch alle Bildebenen und verbindet Vorder- und Hintergrund. Der Schriftzug „Berlin“ am unteren Bildrand verankert das Motiv und setzt einen typografischen Kontrapunkt zur abstrakten Architektur.

Weiterlesen nach der Anzeige

Lost Places…. von claus-labenz

Lost Places….

(Bild: claus-labenz)

Vor einem gleichmäßig grauen Hintergrund sind zwei vertrocknete Mohnkapseln auf ihren verholzten Stängeln zu sehen. Die linke Kapsel zeigt ein aufgelöstes Geflecht aus feinen Pflanzenfasern, durch das man die innere Struktur erkennen kann. Die rechte Kapsel wirkt noch geschlossener; ihre gespreizten Kronblätter formen eine kleine Krone über dem länglichen Körper. Warmes, seitliches Licht betont die goldbraunen Farbtöne der trockenen Pflanzenteile und setzt sie deutlich vom kühlen Hintergrund ab. Was einst leuchtend rote Mohnblumen waren, zeigt sich hier als feingliedriges Pflanzengerippe mit überraschend komplexer Struktur.

women on color von Klicker3D

women on color

(Bild: Klicker3D)

Wer braucht schon einen Laufsteg, wenn der Raschplatz in Hannover so aussieht? Eine Frau im goldgelben Kleid spaziert durch ein Regenbogen-Wellenfeld und setzt dabei ihren ganz eigenen Farbakzent. Von oben betrachtet wirkt die Szene wie ein lebendiges Gemälde, in das jemand hineinspaziert ist. Der knackige Schatten verrät, dass die Sonne mitspielt und das Timing stimmt.

Mantis Religiosa Nr. 2 von Roland Schirmer

Mantis Religiosa Nr. 2

(Bild: Roland Schirmer)

Eine grüne Gottesanbeterin thront auf dicht bewachsenen Zweigen und hebt sich freigestellt durch den tiefdunklen Hintergrund gut ab. Der konsequente Hell-Dunkel-Kontrast isoliert das Insekt und lenkt den Blick auf jedes Detail – von den gefalteten Fangbeinen bis zu den feinen Antennen. Die Komposition nutzt eine leichte Untersicht, wodurch das Tier an Präsenz gewinnt und nahezu monumental wirkt. Die vertikale Achse seines schlanken Körpers strukturiert das Bild, während die organischen Formen der Pflanze im unteren Drittel einen lebendigen Sockel bilden.

b l u e . s t e e l von To-To

b l u e . s t e e l

(Bild: To-To)

Hier wird eine perforierte Stahloberfläche zur abstrakten Komposition: Die gleichmäßig gestanzten Löcher erzeugen ein rhythmisches Raster, das durch Korrosion und Materialzerfall in der linken Bildhälfte durchbrochen wird. Dieses Spannungsfeld zwischen Ordnung und Verfall strukturiert das gesamte Bild. Das kühle Blau der Metalloberfläche kontrastiert mit den dunklen, von Rost zerfressenen Rändern und erzeugt eine Farbdynamik, die an oxidierte Kupferpatina erinnert. Durch die Nahperspektive wird jeder Maßstab eliminiert und das industrielle Detail verwandelt sich in ein Werk zwischen Materialfotografie und informeller Abstraktion.

Alex II von K P K

Alex II

(Bild: K P K)

Aus dem Innenhof eines Berliner Wohngebäudes fällt der Blick senkrecht nach oben in den Himmel. Die Fassaden mit ihren gleichmäßigen Fensterreihen und geschwungenen Ecken rahmen ein Wolkenrechteck ein. Am oberen Bildrand ragt die Spitze des Berliner Fernsehturms in den Himmelsausschnitt hinein. Das Foto ist in Schwarz-Weiß gehalten, wodurch die Strukturen der Putzfassaden und die Konturen der Wolken besonders plastisch wirken. Durch die steile Aufnahmeperspektive wird der Hinterhof zu einer architektonischen Schlucht, in der der Fernsehturm als Fluchtpunkt dient.

(vat)

Dieser Link ist leider nicht mehr gültig.

Links zu verschenkten Artikeln werden ungültig,
wenn diese älter als 7 Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.

Sie benötigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen – ohne Verpflichtung!