Paderborn. In der Paderborner Frauen- und Kinderklinik St. Louise ist ein Frühgeborenes infolge einer schweren Sepsis trotz intensivmedizinischer Behandlung gestorben. Ursache sei das Bakterium Enterobacter, das bei insgesamt vier Kindern nachgewiesen worden sei. Das teilten die St.-Vincenz-Kliniken am späten Freitagabend mit. Bei einem weiteren Frühgeborenen habe sich ebenfalls eine Sepsis entwickelt.
Nachdem es sich zunächst in einem kritischen Zustand befunden habe, sei das Baby nun auf dem Wege der Besserung. „Sein Zustand hat sich stabilisiert“, sagte Kliniksprecherin Silke Sauerwein am Samstagvormittag auf NW-Anfrage. Die zwei anderen infizierten Kinder zeigten aktuell weiterhin keine Krankheitssymptome.
Die nachgewiesenen Fälle traten laut Pressemitteilung auf der neonatologischen Intensivstation der Frauen- und Kinderklinik St. Louise auf. Als Vorsichtsmaßnahme werden derzeit keine regulären Neuaufnahmen auf die Intensivstation übernommen und Familien an andere Kliniken verwiesen. In Notfällen bleibe die Versorgung vor Ort aber sichergestellt, ebenso wie die sonstige Versorgung von Frauen und Kindern in der Klinik St. Louise. Die Eltern der auf der Station behandelten Kinder seien durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte informiert.
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„Der Tod des Kindes erschüttert uns sehr“, werden die Vincenz-Geschäftsführer Markus Funk und Schwester Bernadette M. Putz in der Mitteilung zitiert. „Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Eltern und Angehörigen. Gleichzeitig gilt unsere volle Aufmerksamkeit der Versorgung des erkrankten Kindes sowie der konsequenten Aufklärung und Eindämmung des Geschehens.“
Enterobacter-Bakterien können bei Frühgeborenen schwere Infektionen verursachen
Enterobacter-Bakterien sind Bestandteil der menschlichen Darmflora und kommen auch in der Umwelt vor. Daher seien Besiedlungen keine Seltenheit, heißt es seitens der St.-Vincenz-Kliniken. Bei gesunden Menschen seien die Bakterien in der Regel ohne Krankheitswert.
Bei Frühgeborenen und anderen besonders vulnerablen Patientinnen und Patienten könnten sie jedoch schwere Infektionen verursachen. Bei dem bislang nachgewiesenen Erreger handle es sich nicht um einen multiresistenten Erreger.
Die Häufung auf der neonatologischen Intensivstation sei im Rahmen der regelmäßigen mikrobiologischen Screenings sowie der diagnostischen Untersuchungen erkannt worden. „Unmittelbar danach wurden die Hygiene- und Schutzmaßnahmen auf der Station nochmals deutlich ausgeweitet. Dazu gehören unter anderem erweiterte mikrobiologische Untersuchungen der Kinder, zusätzliche Desinfektionsmaßnahmen, eine möglichst zimmergebundene Betreuung sowie umfangreiche Untersuchungen möglicher Quellen“, heißt es in der Pressemitteilung.
Gesundheitsamt ist mit eingebunden
Warum sich das Bakterium Enterobacter verbreiten konnte, sei derzeit noch nicht abschließend geklärt. Da die betroffenen Kinder bei der Aufnahme zunächst negative Screeningbefunde aufwiesen und die Erregernachweise erst im weiteren Verlauf erfolgten, würden unterschiedliche Übertragungswege intensiv untersucht. Ob die bei den Kindern nachgewiesenen Bakterien genetisch übereinstimmen und auf eine gemeinsame Übertragungskette zurückgehen, soll durch weiterführende molekulargenetische Untersuchungen geklärt werden. Die entsprechenden Analysen seien bereits veranlasst. Bis hier erste Ergebnisse vorlägen, werde es allerdings noch etwas dauern, so die Kliniksprecherin.
In dem Vorfall sei auch das zuständige Gesundheitsamt eingebunden. Alle weiteren Maßnahmen würden eng mit der Krankenhaushygiene, der Mikrobiologie und dem Gesundheitsamt abgestimmt. „Die Sicherheit der uns anvertrauten Kinder hat höchste Priorität. Wir werden das Geschehen weiterhin engmaschig überwachen, die Ursachen konsequent aufklären und über wesentliche neue Erkenntnisse transparent informieren“, schreiben die St.-Vincenz-Kliniken.
Die neonatologische Intensivstation betreut Früh- und Neugeborene sowie Säuglinge, die aufgrund einer Erkrankung, einer Frühgeburt oder nach operativen Eingriffen eine intensivmedizinische Versorgung benötigen.
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