Die im Jahr 1880 gegründete Augsburger Pferdebahn wurde 1898 auf elektrischen Betrieb umgestellt. Zehn Jahre später ging die private „Elektrische Straßenbahn AG“ in städtisches Eigentum über. Das meterspurige Netz ist heute knapp 50 Kilometer lang und wird von fünf Linien bedient. Doch von der Pferde- zur Straßenbahn war es ein langer Weg.
Augsburg nach dem Krieg: Viele Straßenbahnen wurden stillgelegt
Nach einem kontinuierlichen Ausbau in den ersten Jahrzehnten hat man insbesondere in der Nachkriegszeit mehrere Strecken stillgelegt. Bis in die 1970er-Jahre gab es sogar Überlegungen, den Straßenbahnbetrieb ganz einzustellen und auf Busse umzusteigen. Es folgte jedoch eine Renaissance der Augsburger Straßenbahn. Neue Strecken entstanden zum Neuen Ostfriedhof (1994), nach Haunstetten-West (1996), Oberhausen-Nord (2001), Augsburg-West (2001), Friedberg (2010) und Königsbrunn (2021). Doch vier Straßenbahnstrecken, die stillgelegt wurden, haben keine Chance mehr auf eine Reaktivierung.

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Die Straßenbahnlinie 5 verkehrte einst vom Senkelbach zum Roten Tor. Auf dem Bild fährt ein Triebwagen in den Unteren Graben.
Foto: Wilfried Matzke
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Die Straßenbahnlinie 5 verkehrte einst vom Senkelbach zum Roten Tor. Auf dem Bild fährt ein Triebwagen in den Unteren Graben.
Foto: Wilfried Matzke
So verkehrte bis 1960 die Linie 5 von der Haltestelle „Senkelbach“ zu den Fabriken von MAN und Haindl und weiter entlang des Stadtgrabens bis zum Roten Tor. Die „5er“ war als Teilstück einer Ringlinie um die Innenstadt konzipiert worden. Nun hat die Buslinie 35 diese Funktion übernommen. Neben Fabrikarbeitern profitierten auch Besucher des damaligen Hauptkrankenhauses beim heutigen Vinzentinum von der Linie 5. Nur im südlichen Bereich liegen noch die Gleise. Sie werden von der Linie 6 sowie zum Ein- und Ausrücken der Straßenbahnen über die Maximilianstraße genutzt. Ganz verschwunden hingegen sind die Gleise auf der Strecke vom Theodor-Heuss-Platz ins Bismarckviertel. Hier fuhr die Linie 3 bis 1952 auf der Bismarckstraße bis zur Alpenstraße, ursprünglich bis zur Prinz-Karl-Kaserne. Heute bedienen die Buslinien 41 und 43 diesen Abschnitt.
Wann wurde Haunstetten ans Augsburger Straßenbahnnetz angeschlossen?
Die Gemeinde Haunstetten wurde im Jahr 1927 an das Augsburger Straßenbahnnetz angeschlossen. Zur großen Freude der Haunstetter fuhr die damalige Linie 4 bis zum Georg-Käß-Platz, also in die Ortsmitte. Aber ab 1955 verkehrte die Straßenbahn nur noch bis zur neuen Wendeschleife an der Evangelischen Kirche. Die meisten Haunstetter mussten dort in den Bus umsteigen. Bei der mittlerweile als „Haunstetten-Nord“ bezeichneten Endhaltestelle der Linie 2 erinnern noch Gleisreste an die alte Strecke.
Eine erneute Verlängerung der Strecke ist im aktuellen Nahverkehrsplan enthalten, allerdings mit dem Vermerk „Derzeit keine Umsetzung“. Man hat jedoch nicht die alte Streckenführung über den Georg-Käß-Platz vorgesehen, sondern eine neue Streckenführung entlang der ehemaligen Bundesstraße bis zur Königsbrunner Stadtgrenze. Dort wird bereits ein Grundstück für eine Wendeschleife freigehalten. Nunmehr bedient die Buslinie 24 die ehemalige Straßenbahnstrecke zum Georg-Käß-Platz.
Eine andere Strecke brachte die Augsburger ab 1920 zur im Krieg zerstörten Waldgaststätte „Siebentisch“ und zum Stempflesee. Sie zweigte von der Haunstetter Stammstrecke ab und führte entlang der Ilsungstraße zum Siebentischwald. Die Wendeschleife am Waldrand wurde mit Sonderwagen für die Ausflügler und bei Veranstaltungen im alten Schwaben-Stadion angefahren. Im Jahr 1939 endete der Betrieb auf dieser rund 600 Meter langen Stichstrecke ersatzlos. Nach dem Krieg hat man das Schienenmaterial zur Instandsetzung von Bombenschäden an wichtigeren Strecken verwendet.
Tipp: Die „Freunde der Augsburger Straßenbahn“ haben unter www.f-d-a-s.de anschaulich die Augsburger Nahverkehrsgeschichte dokumentiert.