Machtpoker um Frieden

Trump setzt Kiew und Moskau unter Druck

MeinungEin Gastbeitrag von Lesia Bidochko und Oleksandr Kraiev

22.08.2026 – 11:27 UhrLesedauer: 6 Min.

imago images 0830671781Vergrößern des Bildes

Wladimir Putin (v. l. n. r.) und Donald Trump sprechen in Anchorage per Dolmetscher miteinander (Archivbild): Der Gipfel in Alaska fand vor einem Jahr statt. (Quelle: IMAGO/Gavriil Grigorov/imago)

Vorlesen

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

1xArtikel teilen

Trump denkt Ukraine-Diplomatie als Deal: Er will vor allem einen Erfolg für sich verbuchen. Der „Geist von Anchorage“ wird zur Kulisse für Druck auf beide Seiten.

Am 15. August 2025 betrat der russische Präsident – der zu diesem Zeitpunkt bereits vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht und im Großteil des Westens gemieden wurde – US-amerikanischen Boden, wurde in der Hauptstadt Alaskas mit einem roten Teppich empfangen und stand dem US-Präsidenten als Gleichberechtigter zur Seite.

Die Ukraine war hingegen nicht vertreten. Militärtechnische Unterstützung für Kiew erschien den USA zu kostspielig und Verhandlungen mit Moskau wurden als praktischerer Ansatz dargestellt, um ein Kriegsende herbeizuführen. Der Gipfel brachte allerdings weder einen Waffenstillstand noch Frieden. Vielmehr gelang Putin eine öffentliche Rehabilitierung, ohne dass er irgendwelche Zugeständnisse machen musste.

Ein Jahr später hat Russland den Gipfel zu einem eigenen Produkt gemacht. Es wurde sogar eine Markenanmeldung für ein Parfüm namens „Geist von Anchorage“ eingereicht – die vom Kreml bevorzugte Bezeichnung für die Verständigung, die Trump und Putin angeblich in Alaska erzielt hatten.

Doch es gab keine Einigung, die berichtenswert wäre, keinen Frieden, den man feiern könnte, und keinen strategischen Durchbruch, den es zu bewahren gilt – nur eine Atmosphäre. Russland beschwört seither den „Geist von Anchorage“.

(Fotomontage)(Fotomontage) (Quelle: privat)Zur Autorin

Dr. Lesia Bidochko ist Policy Fellow am European Policy Institute in Kiew (EPIK), Non-Resident Fellow an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und Assistenzprofessorin für Politik an der Kiewer Mohyla-Akademie.

Oleksandr Kraiev ist Direktor des Nordamerika-Programms beim Außenpolitischen Rat „Ukrainisches Prisma“ in Kiew und Dozent für Internationale Beziehungen an der Kiewer Mohyla-Akademie.

Was können die Ukraine und Russland Trump bieten?

Kontrovers ist heute nicht, ob Trump von Putin zu Selenskyj gewechselt ist. Denn das ist er nicht. Die Frage ist, was jede der beiden Seiten einem US-Präsidenten bieten kann, der Außenpolitik als ein Geschäft betrachtet. Moskau bietet Marktzugang, Energie und geopolitische Schnäppchen. Kiew bietet kampferprobte Technologie und industrielles Know-how. Beides mag für Trump nützlich sein – doch keine der beiden Seiten sollte Nützlichkeit mit Engagement verwechseln.

Schon vor seinem Treffen mit Putin hatte Trump die Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine in einem kommerziellen Rahmen gestellt. Anfang 2025 etwa drängte er Kiew, ein Mineralienabkommen zu unterzeichnen, das den Vereinigten Staaten eine konkrete Rendite für ihre Unterstützung verschaffen würde. In der Ukraine löste der Vorschlag Befürchtungen aus, das Land könnte wieder in erster Linie als Rohstofflieferant und nicht als vollberechtigtes Mitglied einer Wertschöpfungskette behandelt werden.