Ein Bauarbeiter installiert ein Glasfaserkabel in einem Schacht.

AUDIO: Wo es in Hamburg Lücken beim Glasfaserausbau gibt (1 Min)

Stand: 22.08.2026 12:00 Uhr

Die Glasfaser-Technologie verspricht schnelles Internet der Zukunft. Eigentlich ist Hamburg bundesweit Vorreiter beim Ausbau des Netzes. Einige Stadtteile surfen allerdings deutlich schneller als andere.

von Benedikt Bathe und Alexander C. Mühlhausen

Auf den ersten Blick sieht es so gut aus: Hamburg zählt zu Deutschlands Spitzenreitern beim Glasfaserausbau. 80 Prozent aller Privathaushalte haben eine Leitung für schnelles Internet in ihrer Straße liegen. Nur in Bremen ist der Anteil mit 86 Prozent etwas höher. Das geht aus den Zahlen des „Breitbandatlas“ der Bundesnetzagentur hervor, die NDR Data analysiert hat.

Doch bei genauerem Hinschauen tun sich Unterschiede auf: Während im Bezirk Hamburg-Nord rund 9 von 10 Haushalten Internet aus der Glasfaserleitung beziehen können (92 Prozent), liegt Hamburgs Süden zurück. Vorletzter ist der Bezirk Harburg mit 70 Prozent, Bergedorf das Schlusslicht mit 68 Prozent Ausbauquote.

Bleiben die ländlichen Bezirke auf der Strecke?

Videokonferenzen, Streaming, Computerspiele – für all das wird immer schnelleres Internet gebraucht. Glasfaserkabel ermöglichen es: Sie übertragen Daten viermal schneller als die klassischen Kupferkabel. Damit das schnelle Internet überall ankommt, müssen die Glasfaserleitungen bis ins Haus führen. An dieser Stelle stockt der Ausbau.

Glasfaser ist deutlich schneller als DSL – besonders, wenn man Daten hochlädt. Das merkt man zum Beispiel bei Videokonferenzen oder wenn man große Dateien verschicken möchte. Oft heißt es, Glasfaser sei so schnell, weil Daten dort „mit Lichtgeschwindigkeit flitzen“ würden, während sie in Kupferkabeln (DSL) „kriechen“ würden. Ganz so einfach ist es aber nicht: Die Signale bewegen sich in beiden Leitungen tatsächlich ähnlich schnell. Der echte Unterschied liegt in der Datenmenge: Glasfaserkabel können mehr Signale, also Informationen, gleichzeitig übertragen.

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass auch die Walddörfer im Nordosten der Stadt abgehängt sind. Die Walddörfer, Bergedorf, Harburg – warum bleiben Hamburgs ländliche Stadtteile beim Thema Glasfaser auf der Strecke?

Glasfaser: Ausbau auf dem Land häufig teurer

Fabian Gerken von der städtischen Koordinierungsstelle Glasfaserausbau erklärt das mit der Bevölkerungsdichte. Der Ausbau sei für die Telekommunikationsunternehmen in Ballungszentren lohnenswerter. „Wenn wir im ländlichen Bereich Einfamilienhäuser haben, dann gibt es eben weniger Haushalte und es wird schwieriger, die Kosten zu decken“, sagt Gerken.

Der Staat könne aus rechtlichen Gründen nur einspringen, wenn der Ausbau durch Unternehmen gar nicht vorankommt. Wegen der insgesamt guten Ausbauzahlen sei das in Hamburg derzeit nicht gegeben. Und das, obwohl der Anbieter Deutsche Glasfaser den weiteren Ausbau unter anderem in Bergedorf vor Kurzem abgesagt hat. „Wenn die anderen Gebiete abgeschlossen sind, dann sollte es auch weiter in die Außenbezirke gehen“, meint Gerken.

Kritik an schleppendem Tempo beim Ausbau

Der schleppende Ausbau am Rande der Stadt habe schon jetzt Konsequenzen, warnt die FDP. „Wenn schnelles Internet nicht zu den Menschen und Betrieben kommt, müssen die Menschen zum schnellen Internet pendeln“, sagt Dirk Kannengießer, der FDP-Fraktionsvorsitzende in Harburg. Das führe zu mehr Verkehr auf den Straßen und schwäche die Standortattraktivität.

Wenn die Stadt nicht selbst tätig werden könne, dann müssten zumindest bürokratische Hürden aus dem Weg geräumt werden. Straßen würden teils mehrfach geöffnet, Bauabschnitte nicht ausreichend gebündelt und Genehmigungen zu langsam erteilt, kritisiert die FDP.

Ein Glasfaserkabel liegt in einer Baugrube.

Der Senat will ein flächendeckendes Glasfasernetz in Hamburg bis 2030.

Stadt-Mitarbeiter Fabian Gerken hält dagegen: Eine Genehmigung dauere mittlerweile nur wenige Wochen. Seine Koordinierungsstelle bespricht die Ausbauprojekte zusammen mit den Glasfaseranbietern und den zuständigen Behörden, erklärt Gerken: „Man stelle sich vor, es wird nicht mit der Polizei gesprochen, mit der Feuerwehr – dann hätten wir natürlich auch Probleme.“

Langsam mehr Glasfaser: Wo es voran geht

Seit Kurzem hätten die Glasfaseranbieter Zugriff auf das Baustellen-Tool der Stadt. Das könne zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen den Anbietern vereinfachen und Doppel-Baustellen vermeiden. Außerdem will die Stadt bei städtischen Baustellen häufiger Leerrohre verlegen, sodass Glasfaserkabel einfacher verlegt werden können. Gerken gesteht ein, dass es noch mehr Verbesserungsmöglichkeiten gibt.

Immerhin holt Hamburgs Süden langsam auf bei der Versorgung mit Glasfaser-Internet. Die Karten sind eine Erinnerung daran, dass noch viel zu tun ist. Der Senat will, dass Glasfaser in Hamburg bis Ende des Jahrzehnts flächendeckend verfügbar ist.

Die statistischen Daten stammen aus dem „Breitbandatlas“ der Bundesnetzagentur (Stand: Dezember 2025). Der Atlas basiert auf adressgenauen Angaben der Internetanbieter. Sie müssen der Behörde seit 2021 ihre Versorgungsdaten melden. Die Statistik gibt allerdings nur Aufschluss über die Verfügbarkeit von Glasfaser, nicht über die tatsächliche Kundenzahl.

Ein Bündel Glasfaserkabel vor einem Wohnhaus.

Norddeutschland erreicht Spitzenwerte beim Breitbandausbau. Aber für wen lohnt sich das schnelle Internet überhaupt?