Ein Mann sitzt an einem Tisch vor einer Wand mit Bildern.

AUDIO: Porträt über Andreas Hammer von Velvet Hammer Films (4 Min)

CSD-Saison vor dem Abschluss

Stand: 22.08.2026 09:00 Uhr

Mit Demos am Samstag in Zwickau und Riesa und noch wenigen Terminen im September neigt sich die CSD-Saison in Sachsen dem Ende zu. Queere Filme zu entwickeln, diesen Traum verfolgt Andreas Hammer mit seiner Produktionsfirma Velvet Hammer Films. Er erzählt, warum Sichtbarkeit für ihn mehr als ein politisches Schlagwort ist und weshalb der ehemalige Ufa-Geschäftsführer Nico Hofmann, der unter anderem an großen Serienproduktionen wie „Charité“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“ mitgewirkt hat, ihn auf seinem Weg begleitet.

von Sina Meißgeier, MDR SACHSEN

Ein Handy liegt auf einer Laptoptastatur. Das Display zeigt das Google Logo

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Andreas Hammer spricht über Filme wie jemand, der beide Seiten kennt: die sichtbare Seite als Schauspieler vor der Kamera und die oft unsichtbare Seite als Produzent dahinter. Während der Corona-Pandemie begann er – motiviert durch Zuspruch von Freundinnen und Freunden – sich noch mehr für das Filmemachen zu interessieren. Daraus entstand im vergangenen Jahr seine Firma Velvet Hammer Films mit Sitz in Leipzig.

Der Name ist bewusst gewählt. „Velvet“ (zu Deutsch: Samt) ist ein Begriff, der auch in der queeren Community bekannt ist. Inspiriert wurde Hammer vom Buch „The Velvet Rage“ von Alan Downs. Darin geht es um die Herausforderungen schwuler Männer im Aufwachsen in einer heterosexuell dominierten Welt. „Das hat mich so beeindruckt, als ich es gelesen habe, dass ich dachte: Irgendwie muss dieser Begriff in diese Firma rein“, berichtet er im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Dreharbeiten für einen Film

Das Unternehmen will queere Stoffe nicht als Nischenprogramm, sondern als Versuch, Lebensrealitäten sichtbar machen. Aus Hammers Sicht seien diese im deutschen Fernsehen noch immer unterrepräsentiert.

Unterstützung durch ein Mentoring-Programm

Schon die erste Produktion brachte einiges an Aufmerksamkeit. Ein Abschlussfilm, an dem auch der SWR beteiligt war, wurde kurz nach der Firmengründung realisiert. Zudem wurde Hammer im Januar dieses Jahres in das Förderprogramm „Mediastart“ der Mitteldeutschen Medienförderung aufgenommen. Darüber hat er auch seinen Mentor Nico Hofmann kennengelernt.

Besonders habe den bekannten Regisseur und Produzenten Hammers Mischung aus persönlicher Erfahrung und künstlerischem Anspruch überzeugt, erzählt dieser. „Das ist jemand, der wirklich weiß, worüber er redet“, sagt Hofmann. Gleichzeitig bleibe Hammer nicht bei einer rein persönlichen Perspektive stehen.

Nico Hofmann ist ein in Deutschland sehr bekannter Filmproduzent und Regisseur.

Nico Hofmann ist ein in Deutschland sehr bekannter Filmproduzent und Regisseur. (Archivbild, Rechte: Paula Winkler)

Die Aids-Krise in Deutschland auf die Leinwand bringen

Hammer wehrt sich gegen die Vorstellung, queeres Kino bestehe ausschließlich aus Coming-Out-Erzählungen. Für ihn kann solch ein Stoff alles sein: Thriller, Kammerspiel oder sogar ein großes Historienepos. Entscheidend sei, dass queere Figuren ein selbstverständlicher Teil dieser Welten sind. Aktuell arbeitet Hammer an einem Projekt über die Aids-Krise in Deutschland. Es gebe bis auf ein Frühwerk von Rosa von Praunheim keinen deutschen Film, der sich aus einer schwul-lesbischen Perspektive mit der Aids-Krise in den 1980er-Jahren beschäftigt.

Drei rote Aids-Schleifen.

Konferenz in Rio de Janeiro

Für ihn ist das mehr als eine historische Lücke: Tausende schwule Männer seien an der Krankheit gestorben. Lesbische Frauen hätten die Kranken damals gepflegt, erklärt er eindrücklich. Die Community sei durch diese Krise geprägt worden. Diesen Teil deutscher Geschichte wolle er durch seine Arbeit sichtbar machen, so Hammer weiter.

Andreas Hammer ist Schauspieler und Produzent und lebt und arbeitet seit 17 Jahren in Leipzig.

Andreas Hammer lebt seit etwa 17 Jahren in Leipzig.

Leipzig als Wahl-Heimat und kreatives Zentrum

Dass seine Firma in Leipzig sitzt, sieht Hammer nicht als Nachteil, auch wenn natürlich in Großstädten wie Berlin oder Köln tendenziell mehr Projekte umgesetzt und letztlich auch queere Themen platziert werden könnten. Doch Leipzig ist es für ihn geworden: Vor fast zwei Jahrzehnten startete Hammer sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Nach Stationen an anderen Orten kehrte er zurück und fühlt sich heimisch hier: „Für mich ist Leipzig auch mittlerweile Heimat geworden.“

Die Stadt beschreibt er als kreativen Schmelztiegel, in dem Menschen mit unterschiedlichsten Biografien zusammenkommen. Genau darin sieht er eine Chance für neue Geschichten. Von Leipzig aus möchte er Filme entwickeln, die weit über Mitteldeutschland hinaus wahrgenommen werden. Sein Ziel: „Ich will sehr gerne von hier aus diese Firma aufbauen und dann Filme für die ganze Welt machen.“

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