Leopoldshöhe. Am 29. Dezember 1975 verschickte Rudolf Schlichting, damaliges Mitglied des Leopoldshöher Gemeinderates, Einladungen an interessierte Bürgerinnen und Bürger für einen zwanglosen Austausch. Im Rahmen des Gespräches sollte die Gründung eines Heimat- und Verkehrsvereins eruiert werden.

Zum Hintergrund: 1969 wurden im Rahmen der kommunalen Gebietsreform die ehemals selbstständigen Gemeinden Asemissen, Bechterdissen, Bexterhagen, Greste, Krentrup, Leopoldshöhe, Nienhagen und Schuckenbaum zur Gemeinde Leopoldshöhe zusammengeschlossen. Der Zusammenschluss stieß in einigen Teilen der Gemeinde auf Kritik und Akteure aus Politik und Gesellschaft überlegt, wie die Integration der acht Teilgemeinden unterstützt werden könnte. Und so wurde – nachdem einigen Vorarbeiten geleistet worden sind – am 10. Februar 1976 der Heimatverein Leopoldshöhe gegründet wurde.

Am Gründungstag zählte der Leopoldshöher Heimatverein 55 Mitglieder, Ende des Jahres waren es bereits mehr als 100. Gründungsvater Rudolf Schlichting bekleidete bis 1978 das Amt als 1. Vorsitzender.

Leopoldshöhe begreift sich schnell als eins

Ein halbes Jahrhundert später wird kaum noch über die Zusammenlegung der verschiedenen Gemeindeteile gesprochen und Leopoldshöhe begreift sich – unter anderem auch wegen der Aktivitäten und Unterstützung des Heimatvereins – längst als eins. Den Leopoldshöher Zusammenhalt und das 50-jährige Bestehen des Heimatvereins möchte der Verein am letzten Augustwochenende, dem 29. und 30. August, feiern.

Das Sommerfest zum Vereinsjubiläum steht dabei ganz unter dem Zeichen des traditionellen Handwerkes. „Mit dem Fokus auf historischem Handwerk haben wir eine gute Balance zwischen Tradition auf der einen Seite und Möglichkeiten zum Mitmachen, Anfassen und Ausprobieren auf der anderen“, sagt der 1. Vorsitzende des Heimatvereins, Helmut Depping. Während am Samstag (29. August, 17 Uhr) interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort historisches Hufeisenschmieden bestaunen und anschließend den Abend bei Live-Musik ausklingen lassen können, führen am Sonntag (30. August, ab 11 Uhr) gleich sieben Handwerkerinnen und Handwerker – Hufschmiede, Schieferhauer, Tischler, Restaurator, Strickschläger, Dengeln und Schafschur – in die Finessen ihrer Profession ein.

Die neue Wagenremise auf dem Heimathof in Leopoldshöhe wurde erst kürzlich fertiggestellt. - © Martin Düsterberg

Die neue Wagenremise auf dem Heimathof in Leopoldshöhe wurde erst kürzlich fertiggestellt.
(© Martin Düsterberg)

„Alle Handwerkerinnen und Handwerker unterstützen unser Sommerfest ehrenamtlich, wofür wir sehr dankbar sind“, erklärt Depping. Der Eintritt ist an beiden Tagen frei, doch der Heimatverein hofft auf zahlreiche Spenden von den Besucherinnen und Besuchern des Heimathofes. „Die Erlöse, die durch Spenden am Sonntag zusammenkommen werden, werden wir dem Leopoldshöher Verein ‚Cup der guten Hoffnung e.V.‘ übergeben“, sagt Depping. Der Verein unterstützt Familien, deren Kinder an Krebs erkrankt sind und arbeitet eng mit der ambulanten Kinder- und Jugendhospizarbeit Lippe in Detmold zusammen.

Exponate im Heimatverein ergänzen die Vorführungen

Ergänzt werden die Handwerksvorführungen durch zahlreiche Exponate im und am Heimatverein. So können Interessierte eine umfangreiche Sammlung an traditionellen Maschinen – z.B. Mäh- und Dreschmaschinen aus dem frühen 20. Jahrhundert – in der kürzlich fertiggestellten Remise begutachten. Ebenso öffnet das Herzstück des Heimatvereins, das Heimatmuseum, seine Pforten. „Das Heimatmuseum beinhaltet zahlreiche Exponate, die Aufschluss über das Leben und Arbeiten in der Region geben“, sagt Helmut Depping. Abgerundet wird das Programm durch Jubiläumswünsche aus Politik und Gesellschaft sowie der Möglichkeit, mit den Nienhagener Schützen das Bogenschießen einmal auszuprobieren.

Und fünf Leopoldshöherinnen und Leopoldshöher wird im Rahmen des Sommerfestes eine ganz besondere Ehre zuteil, denn sie erhalten die Ehrenmitgliedschaft des Heimatvereins. Gustav Koch und Karl Willi Vahle sind beide Gründungsmitglieder des Heimatvereins und unterstützen den Verein von Anfang an. Kurt Abel, Gerlinde Huxhage und August Steinhage sind kurz nach Vereinsgründung dazugestoßen und erhalten für ihr langjähriges Engagement ebenfalls die Ehrenmitgliedschaft. „Wir freuen uns natürlich, langjährige und verdiente Mitglieder für ihr Engagement ehren zu dürfen“, sagt Helmut Depping.

Heimatinteressierte, die am 29. und 30. August verhindert sich, erhalten die nächste Chance, mehr über Leopoldshöhe und dessen Geschichte zu erfahren, knapp einen Monat später. Denn am 27. September lädt der Leopoldshöher Heimatverein zum traditionellen Kartoffel- und Dreschfest auf den Heimathof ein.