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Exners Rezept für den Nord-Kracher (2 Min)

Außenseiter hofft auf Sensation

Stand: 22.08.2026 10:02 Uhr

Die Amateurfußballer des Lüneburger SK treffen im Spiel ihres Lebens im DFB-Pokal auf Bundesligist Werder Bremen. Die Niedersachsen träumen im ausverkauften Millerntorstadion des FC St. Pauli von einer Sensation – und wollen dafür Beton anrühren.

von Hanno Bode

Vor dem ersten Training in der Woche für das Pokal-Duell heute (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) hielt Tarek Gibbah eine kurze, aber knackige Ansprache an seine Mannschaft. „Männer, das Wichtigste in dieser Woche wird sein, das Zentrum zu schließen“, begann der Lüneburger Coach seine Ausführungen. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, bediente sich der 38-Jährige dann ausnahmsweise sogar eines Kraftausdrucks. „Das verf….. Zentrum schließen“, sei elementar, so der Trainer.

Sein Respekt vor den Bremer Kreativspielern ist groß, wie er zum Abschluss eines Monologs noch einmal betonte: „Von jeder Position muss das Zentrum geschlossen werden. Es darf nicht passieren, dass ein geiler Zentrumsspieler von denen vor unserer Abwehr aufdrehen kann – dann sind wir fast tot.“

Läuft Rückkehrer Füllkrug auf?

Gibbah spricht damit inbesondere auf Werders Aufbau-Asse Jens Stage und Ludovit Reis an. Nach der Rückholaktion von Ex-Nationalspieler Niclas Füllkrug wird es für den LSK noch wichtiger sein, die Angriffe des viermaligen Meisters frühzeitig zu unterbinden und so Anspiele auf den Mittelstürmer zu unterbinden. Allerdings hat SVW-Trainer Daniel Thioune den Einsatz von Füllkrug noch offengelassen. Er habe noch „nicht final entschieden, welcher Stürmer oder welche Stürmer auf dem Platz stehen werden, dafür passiert einfach auch Tag für Tag viel zu viel“, sagte er am Donnerstag.

Niclas Füllkrug

Der Bundesligist leiht den Mittelstürmer für ein Jahr von West Ham United aus. Füllkrug hat Lust auf Bremen und die Bundesliga.

Doch so oder so: Keine Lücken lassen für „Lücke“ könnte mit Blick auf den Spitznamen von Füllkrug das Motto des Außenseiters lauten – oder eben generell für die Bremer Profis. Denn: „Ich habe keine Lust, dass wir da aus dem Stadion geschossen werden“, sagte Gibbah dem NDR.

LSK bekommt Hilfe von Lüneburger Volleyballern

Der Pressesprecher der Polizeiinspektion Heidekreis und seine Feierabend-Kicker erleben gerade die sportlich aufregendste Zeit ihres Lebens. „Das Spiel schwebt seit Wochen über allem“, erzählt der Trainer. Unzählige Interview-Anfragen und andere Pressetermine standen für die Protagonisten des Fünftligisten auf dem Programm.

„Das ist die größte Sportveranstaltung, die eine Lüneburger Mannschaft je hatte. Natürlich merkt man das schon in der Stadt und in der Region“, erklärte LSK-Präsident Raphael Marquardt dem NDR. Für den Traditionsclub sei es im Jahr des 125-jährigen Vereinsjubiläums ein „Riesending“, gegen Werder im mit fast 30.000 Zuschauern ausverkauften Millerntorstadion spielen zu dürfen, so der Unternehmer.

Die Mannschaft des Lüneburger SK

Für Lüneburg ist das Spiel das Highlight in der Vereinsgeschichte. Der Oberligist ist klarer Underdog – hat aber Ambitionen.

Die Organisation der Partie hat den Ehrenamtlichen des Oberligisten laut Marquardt viel abverlangt. Nervosität sei deswegen noch nicht aufgekommen: „Wir haben relativ viel um die Ohren. Wir haben gar keine Zeit, jetzt groß aufgeregt zu sein.“ Hilfe erhielt der LSK dabei vom Stadtnachbarn SVG Lüneburg. Stefan Großmann, beim Volleyball-Bundesligisten für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, steht den Verantwortlichen des Fußballclubs mit Rat und Tat zur Seite.

Traum vom DFB-Pokal war fast schon geplatzt

Dabei müssen sie sich in der Universitätsstadt manchmal noch immer kneifen, nun überhaupt gegen Werder antreten zu können. Denn eigentlich war der Traum von der Teilnahme am DFB-Pokal bereits geplatzt. Im Finale des niedersächsischen Landespokals lag der LSK gegen den TuS Bersenbrück zur Pause mit 0:3 in Rückstand. Nach dem Seitenwechsel zeigten die Lüneburger dann aber Riesenmoral, glichen zunächst zum 3:3 aus und entschieden das Elfmeterschießen dann mit 7:6 für sich. Held des Tages war dabei Keeper Arne Exner mit drei parierten Penaltys.

Wenn wir es ins Elfmeterschießen schaffen, kann ich besten Gewissens sagen, dass wir der Favorit sind!

Tarek Gibbah vor dem Werder-Spiel

„Da gehört viel Erfahrung zu. Man muss bei sich selbst bleiben und auf sich selbst vertrauen“, verriet der „Elfmeter-Killer“ dem NDR sein Erfolgsgeheimnis. Über allem aber stehe bei den Lüneburgern das Team, so der Ballfänger: „Das Logo vom LSK beschreibt es ganz gut. Wir sind Löwen, das haben wir im Finale bereits gezeigt.“

Gegen Werder hofft der glühende Fan des Bremer Erzrivalen Hamburger SV nun auf das nächste LSK-Wunder. „Wir werden alles in die Waagschale werfen, was in uns steckt“, kündigte Exner an.

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Lüneburger SK Hansa gegen TuS Bersenbrück – die Tore (9 Min)

Angreifer Meyer ordert 650 Eintrittskarten

In dieselbe Kerbe schlägt auch Malte Meyer. „Wir haben im Landespokal-Finale gezeigt, dass wir Wunder schaffen können. Und Überraschungen gibt es im DFB-Pokal auch immer“, sagte der Torjäger. In seiner Brust werden am Samstag zwei Herzen schlagen. Denn der Angreifer ist glühender Werder-Fan und denkt seit der Auslosung kaum noch an etwas anderes als an das Spiel.

Bo Weishaupt und Malte Meyer (v.l.) vom Lüneburger SK

Hat einen eigenen Fanclub gegen Werder: LSK-Stürmer Malte Meyer (r.).

Eine „Bude“ gegen den Herzensclub – das wäre natürlich eine Riesensache für den typischen „Neuner“, der sich über mangelnde Unterstützung nicht wird beklagen können. Denn Meyer hat gleich 650 (!) Eintrittskarten für das Spiel für seine Freunde und Bekannten aus seinem Heimatdorf Eddelstorf geordert.

Damit geht ein beachtlicher Teil des Lüneburger Kontingents an „Meyer and Friends“. Insgesamt werden rund 9.000 LSK-Fans dem Team im Millerntorstadion die Daumen drücken, die restlichen Tickets gingen an Werder-Anhänger und neutrale Zuschauer. „Rein faktisch wird es ja ein Auswärtsspiel für uns“, befand Coach Gibbah daher. Er ist gespannt, wie seine Mannschaft mit der für sie ungewohnt großen Kulisse umgehen wird. Bei ihm selbst überwiegt die Vorfreude: “ Es ist total geil, auch so ein bisschen im Fokus zu stehen.“

Fünftligist hat prominente Namen im Kader

So ganz unbeleckt sind ein paar seiner Kicker aber auch nicht, was zumindest den etwas größeren Fußball angeht. So hat der LSK in Leon Perera sogar einen aktuellen Nationalspieler in seinen Reihen. Der Mittelfeldmann lief schon 21 Mal für Sri Lanka auf. Der vor Saisonbeginn geholte Lenny Borges war immerhin deutscher Junioren-Nationalspieler und zählte vor einigen Jahren zur U19 der AC Milan, bevor er über die Reserveteams des FC Bayern München und von Holstein Kiel in Lüneburg landete.

Lenny Borges im Trikot des FC Bayern München II

Lüneburgs Neuzugang Lenny Borges spielte unter anderem schon für den FC Bayern München II.

Und Kapitän Marian Kunze war dem Profi-Traum ausgerechnet dort ganz nah, wo nun das Duell mit Werder ausgetragen wird: auf dem Kiez. Der Mittelfeldspieler wurde bei St. Pauli ausgebildet und kickte bis 2017 in der U23 der Hamburger, bevor er nach Lüneburg wechselte. Seinerzeit kämpfte der LSK noch in der Regionalliga um Punkte.

Kapitän Kunze glaubt an „Minimalchance“

Bald darauf ging es aber bergab. Nach zwei Abstiegen in Folge hieß die bittere Realität 2023 Sechste Liga für den Traditionsclub. Kunze hielt dem Club dennoch die Treue und feierte im vergangenen Jahr den Oberliga-Aufstieg mit der Mannschaft. Es folgten Klassenerhalt und Landespokalsieg sowie das Traumlos Werder Bremen. Und nun gibt es ja vielleicht sogar Pokalmärchen Nummer zwei?

Kunze glaubt daran. Zumindest ein bisschen. „Wenn wir keine Minimalchance hätten, würden wir nicht antreten. Es muss natürlich viel für uns spielen. Man braucht viel Spielglück, wir wollen es ihnen so schwer machen wir möglich“, erklärte die Lüneburger Vereinslegende. Und wie das mit der Sensation klappen kann, dafür hat sein Coach auch schon eine klare Idee: „Wir müssen Quadratzentimeter für Quadratzentimeter beackern.“

Werder Bremens Tim Borowski (r.) grätscht gegen St. Paulis Florian Lechner im Pokal-Duell 2006.

Als Drittligist erreichte der FC St. Pauli das Halbfinale im DFB-Pokal. Die „B-Serie“ bewahrte den Club vor der Pleite.

Kristian Arambasic, Trainer vom SSV Jeddeloh II

Zum fünften Mal mit dem vierten Club dabei

Der Coach vom SSV Jeddeloh II ist zum fünften Mal im DFB-Pokal dabei – mit dem vierten Amateurverein. Seine Bilanz ist bislang aber ernüchternd.

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HSV-Star Ludovit Reis.

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Es ist ein Transfer mit Brisanz: Nach dem Abgang von Romano Schmid soll die Lücke im Werder-Mittelfeld ausgerechnet ein ehemaliger Hamburger stopfen. Reis kommt ablösefrei an die Weser.

Spiel des FC St. Pauli im Millerntor-Stadion

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