Wie gut sind die Gemeinden und Städte im Landkreis Augsburg im Vergleich aufgestellt? Wer punktet bei Freizeitmöglichkeiten, bei Bildungsangeboten oder der Verkehrsanbindung? Das hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zum ersten Mal flächendeckend untersucht. Rund 11.000 Städte und Gemeinde in Deutschland sind anhand von 17 verschiedenen Indikatoren in fünf verschiedenen Bereichen geprüft worden.
So entstand zu ersten Mal ein vergleichbarer Datensatz über die Daseinsvorsorge in allen deutschen Kommunen. Vorneweg: Kein Ort aus dem Landkreis hat einen bundesweiten Spitzenplatz. Doch insgesamt sind die Kommunen im Landkreis Augsburg nicht schlecht aufgestellt, wie ein Blick in die Grafik verrät.
Mit dem bundesweiten Rang 632 liegt Klosterlechfeld an der Spitze der Gemeinden und Städte im Landkreis Augsburg. Die Mobilität wird aufgrund der Lage direkt an der B17 und der Zugverbindung besonders hoch bewertet, zudem die Digitalisierung der Gemeinde.
Daneben gelten alle Orte zwischen Meitingen und Königsbrunn mit direkter Anbindung an die B2 und die B17 als insgesamt „sehr gut“. Allerdings wird genau in diesen beiden genannten Orten die Digitalisierung, also Mobilfunkabdeckung und Breitbandverfügbarkeit, als „schlecht“ bewertet. Datengrundlage dafür waren Daten der Bundesnetzagentur und Gitterzellen des Zensus.
Die größte Stadt im Landkreis punktet mit ihrem Freizeitwert
Königsbrunn hat vor allem einen sehr hohen Freizeitwert. Dafür schneidet die größte Stadt im Landkreis aber ausgerechnet bei der Mobilität verglichen mit den anderen Städten im Landkreis am schlechtesten ab. Das könnte unter anderem daran liegen, dass in der Studie zwar die Anbindung an die Straße und die Schiene untersucht wurden, aber keine Busverbindungen. Dort waren die geografischen Lücken zu groß. Stattdessen wurde die Qualität von Brücken in der Studie berücksichtigt.
Vergleicht man die übrigen Städte im Landkreis Augsburg, liegt Gersthofen insgesamt mit Rang 329 weit vor Bobingen (1.340). Stadtbergen (Rang 359), vor allem aber Schwabmünchen (677) oder auch Bobingen mit den Wertachkliniken schneiden aber bei der Ärzteversorgung besser ab. Stadtbergen hat zudem etwas höheren Freizeitwert als Gersthofen, dass beim Thema Bildung wiederum knapp von Neusäß geschlagen wird.
Ebenfalls „sehr gut“ bewertet wurde Untermeitingen. Die Gemeinde punktet vor allem mit Freizeit und mit weiteren hohen Rängen bei Gesundheit und Digitales. Damit lässt die Gemeinde ihre Namensvettern Obermeitingen (2.013) und Meitingen (2.095) mit einem Gesamtrang von 795 weit hinter sich. Langerringen schlägt alle drei mit einer digitalen Vorreiterrolle.
Kühlenthal reiht sich bei Zusmarsahusen und Fischach mit ein
Die kleinste Gemeinde im Landkreis, Kühlenthal, bekommt wie die Holzwinkelgemeinden, Zusmarshausen, Fischach, Ustersbach oder Kleinaitingen das Prädikat mittel. Dabei liegt Zusmarshausen vorne. Bei Gesundheit und Bildung schlägt sie in dieser Einstufung alle. Beim Freizeitwert liegt Fischach vorn. Das dürfte nicht zuletzt am Naturfreibad liegen, das das Beliebteste in ganz Schwaben ist.
Was besonders auffällt: Während Heretsried digital die anderen Kommunen in der Kategorie „mittel“ weit hinter sich lässt, sind Biberbach und Bonstetten dort weit abgeschlagen. Dabei steht doch in Bonstetten ein Funkturm.
Auch geografisch liegen zwischen den Gemeinden, die als „sehr gut“ wurden, sondern auch zwischen den „mittleren“ die „Guten“. Dort rangiert mit dem höchsten Freizeitwert Gessertshausen ganz oben. Das dürfte auch am Kloster Oberschönenfeld liegen. Dinkelscherben, Graben, Nordendorf und Westendorf profitieren von der Bahnanbindung und der Nähe Auto- und Bundesstraßen. Digital sind Westendorf, Aystetten und Wehringen besonders gut aufgestellt. Letztere Gemeinde punktet auch beim Thema Gesundheit.
Kutzenhausen hat hervorragende Einzelplatzierungen, aber…
Langenneufnach, Mickhausen, Kutzenhausen, Emersacker und Altenmünster rangieren auf den hinteren Plätzen, knapp vor den Stauden mit Mittelneufnach, Scherstetten und Walkertshofen. Kutzenhausens hervorragende Platzierung bei Mobilität und Freizeit wird von einem der hintersten Plätze im Rang Digitalen eingeholt.
Auf Platz eins kam bundesweit die Gemeinde Haar im Landkreis München, auf Platz fünf liegt Memmingen. Im Bereich Gesundheit ging es etwa um die Erreichbarkeit von Krankenhäusern, im Bereich Freizeit um Schwimmbäder, Theater und Museen, um eine möglichst vergleichbare objektive Datenbasis zu schaffen.
Methodik: So ist die Studie des IW entstanden
Für ihren „Gemeindecheck“ haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 17 Indikatoren aus fünf verschiedenen Bereichen analysiert:
- Digitales (Mobilfunkabdeckung, Breitbandverfügbarkeit)
- Gesundheit (Erreichbarkeit von Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Pflegeeinrichtungen)
- Mobilität (Qualität von Brücken, Verbindungen Schienenregionalverkehr, Anbindung an Autobahn und Flughafen)
- Freizeit (Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen)
- Bildung (Erreichbarkeit von Grundschulen, weiterführenden Schulen, Gymnasien, Versorgung mit Kitas)
Wo eine Erreichbarkeit gemessen wurde, haben die Forschenden berechnet, wie schnell sich die Einrichtungen von den Menschen in der Kommune mit dem Auto erreichen lassen. Für den Vergleich entscheidend war jeweils, wie lange 50 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner einer Gemeinde benötigen, um zu einer entsprechenden Einrichtung zu gelangen. Das wurde auf Basis von 100-mal-100-Meter-Zellen aus dem Zensus 2022 gekoppelt mit Daten aus Google Maps, Open Street Map und weiteren Quellen berechnet.
Die so erhobenen Daten wurden dann verglichen mit Befragungsdaten, die zeigen, wie die Versorgung subjektiv wahrgenommen wird. Hierfür wurden knapp 5500 Menschen befragt.
Der Auftraggeber der Studie war der Tabakkonzern Philip Morris.