
AUDIO: Weimar: Neue Schau zeigt die Holzschnitte des Gerhard Marcks im Bauhaus-Museum (4 Min)
Sonderausstellung
Stand: 21.08.2026 18:25 Uhr
Gerhard Marcks ist vor allem als Bildhauer und Künstler des Bauhauses bekannt geworden, aber er blieb in seinem Schaffen immer unabhängig von künstlerischen Strömungen. Eine neue Ausstellung im Bauhaus-Museum Weimar zeigt nun seine frühen Holzschnitte. Seine Arbeiten fokussieren sich auf die Natur und menschliche Figuren und kommen wenigen, klaren Formen aus. Die Schau öffnet am Freitag ihre Pforten.
Der Mensch auf dem Holzschnitt „Die Eule“ von Gerhard Marcks stützt den Kopf nachdenklich in die Hand. Eingehüllt in eine karierte Decke, sitzt er in einer Dachkammer. Gesellschaft leisten ihm nur die vielen Vögel, die sich rings um ihn versammelt haben. Das kleinformatige Blatt aus dem Jahr 1921 zieht mit seiner Komposition aus Hell und Dunkel, aus Flächen und Strukturen lange den Blick der Betrachtenden auf sich.

Eine Art Selbstbildnis?: „Die Eule“ von Gerhard Marcks von 1921
Künstler, Bauhaus-Meister, Eremit
Ute Ackermann, Kustodin am Bauhaus-Museum in Weimar, glaubt, die Eule repräsentiere den Künstler selbst: „Das umschreibt vielleicht die Situation, in der Marcks sich befindet“. Marcks sei damals Mitglied des Meisterrates des Bauhaus gewesen, lebte aber nicht in Weimar, sondern in Dornburg bei Jena. So sei er weniger stark in die intensiven Debatten an der Kunstschule involviert gewesen, so Ackermann bei MDR KULTUR. „Vielleicht kann man das auch so lesen, dass er ein grübelnder Eremit im Gebälk ist, um den herum viel Gezwitscher herrscht.“
Von 1919 bis 1924 leitete Gerhard Marcks als Bauhausmeister die Keramikwerkstatt in der Außenstelle in Dornburg. In der ländlichen Abgeschiedenheit des Saaletals schuf er Plastiken aus Steinzeug. Angeregt durch seinen Freund Lyonel Feininger erarbeitete er aber auch unzählige Holzschnitte.

Nur wenig soll in der Schau ablenken von den Holzschnitten.
Werke enstanden im ländlichen Idyll des Saaletals
Die Werke in der Ausstellung spiegeln das ländliche Idyll in Thüringen wieder, erklärt Anette Ludwig, Leiterin des Bauhaus-Museums, bei MDR KULTUR: „Es sind Kühe, es sind Pferde, es sind Menschen in diesem ländlichen Raum, die er studiert hat. Er hat so auch einen ganz eigenen Stil im Medium Holzschnitt entwickelt.“
Mit klaren Formen und starken Kontrasten warf Marcks auf den bedruckten Blättern einen nüchternen Blick auf das harte, einfache Landleben. Er ging damit künstlerisch seinen eigenen Weg, findet Kustodin Ute Ackermann: „Er hat sich wirklich vehement der Gegenständlichkeit verschrieben. Auch, wie man sieht, in der Bauhauszeit. Damit nimmt er schon wieder eine Gegenposition zu dem Abstrakten am Bauhaus ein: Alle schreien Abstraktionen, alle schreien Expressionismus und damit hat er überhaupt nichts im Sinn.“

Gerhard Marcks Kunst war der Gegenständlichkeit verschrieben.
„Entartete Kunst“: Diffamierung durch Nationalsozialisten
Stattdessen arbeitete Marcks beharrlich an seinem Werk. Auch später als er von den Nazis als entartet diffamiert und mit einem Ausstellungsverbot belegt wird, hält er unbeirrbar an seiner Auffassung von Kunst fest. Immer wieder ist der Holzschnitt sein Medium in den Phasen des Rückzugs. So entsteht ein Werk von großer formaler Geschlossenheit.
Das kann man Bauhaus-Museum nun in aller Ruhe entdecken. Nichts lenkt von den 29 Blättern ab, die in einem einzigen Raum, lediglich von einigen Kleinplastiken ergänzt, präsentiert werden. So kann man sich umso tiefer in den Details der Grafiken vertiefen.

Bildhauer, Grafiker, Bauhäusler: Gerhard Marcks im Jahr 1924.
Detaillierte Holzschnitte im Bauhaus-Museum
„Die Blätter kann man stundenlang anschauen und entdeckt immer wieder etwas Neues, weil die so toll durchkomponiert sind“, schwärmt Anette Ludwig. „Man entdeckt ganz viele Feinheiten und wenn man alles zusammen sieht, sieht man halt auch so eine Linie, die durchgeht, eine Stringenz in dem Werk.“
Wenn Sie sich einmal vertun, dann ist das Blatt kaputt.
Anette Ludwig, Museumsleiterin
So ist die Ausstellung auch eine Möglichkeit, um dem Holzschnitt als Medium in seiner ganzen Vielfalt zu begegnen. Anette Ludwig ist von der handwerklichen Umsetzung der Druckgrafiken begeistert: „Man muss sich immer vergegenwärtigen, dass Sie für dieses Medium Holzschnitt auch körperliche Kraft brauchen.“ Es sei eine Technik, bei der auch das Körperliche das Werk beeinflusse: „Wenn Sie sich einmal vertun, dann ist das Blatt kaputt“, so die Museumsleiterin

Die Ausstellung in Weimar umfasst auch einige Plastiken des Bauhaus-Künstlers.
Gerhard Marcks hat in dieser Technik Bilder geschaffen, die eigenständig und humorvoll sind, die Geschichten erzählen, ohne zu viele Worte zu gebrauchen. Diese nun entdecken zu können, ist ein Glück.
Mehr Informationen zur Ausstellung
„Gerhard Marcks – Frühe Holzschnitte des Bauhaus-Meisters aus der Sammlung HHW“
Sonderaussellung vom 21. August 2026 bis 11. Januar 2027
Adresse:
Bauhaus-Museum
Stéphane-Hessel-Platz 1
99423 Weimar
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag, von 10 bis 18 Uhr
Dienstags geschlossen
Eintritt:
11 Euro, ermäßigt: 8 Euro
Barrierefreiheit:
Das Museum ist für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen schwellenarm erreich- und begehbar. Im Museum gibt es Angebote für Menschen mit Hörbehinderung und in Leichter Sprache. Auf Anfrage sind auch Führungen für Menschen mit Sehbehinderung möglich.
Mehr Informationen zur Schau finden Sie auf der Website des Bauhaus-Museums.
Redaktionelle Bearbeitung: tis