Musikerin Selma Juhran
Stand: 22.08.2026 08:00 Uhr
Sie stand schon mit Ätna und Power Plush auf der Bühne, ihr musikalisches Vorbild ist Lana Del Rey. Selma Juhran aus Chemnitz mag und macht Musik, seit sie denken kann. Ihr Markenzeichen: ganz viel Melancholie. Im Frühjahr hat sie beim Wettbewerb Popmusik Sachsen gewonnen. Seitdem hat sie sich neue Projekte vorgenommen. Im Interview mit MDR SACHSEN erzählt die Sängerin von ihrer besonderen Beziehung zu Chemnitz.
Selma Juhran steht am Mikrofon eines privaten Tonstudios. Ihre Stimme erfüllt den Rau, der Klang ist kräftig, in ihm spiegelt sich etwas Verträumtes und Melancholisches wider. „Ich hoffe, dass Menschen darin reflektieren können“, sagt die 26-Jährige, „dass sie einen Safespace in der Musik finden, um nicht nur positive Gefühle zu erleben, sondern auch mal, um traurig oder wütend zu sein.“

Ihre frühen Vorbilder sieht Selma Juhran in den Sängerinnen Lana Del Ray und Sia. Aktuell sei sie von experimentellerer Musik und Gothicsounds inspiriert, sagt die Musikerin.
Die Chemnitzerin hatte im März dieses Jahres beim Wettbewerb Popmusik Sachsen gewonnen. Die Freude darüber sei immer noch groß: „Ich habe mich total darüber gefreut, weil es eine Bestätigung für mich ist, dass meine Musik gut ist und ich den richtigen Weg gehe.“

Nachrichten personalisieren
Festivals in Berlin, Polen und Tschechien
Selma singt seit Kindertagen. Als Jugendliche lernt sie Gitarre und nimmt Gesangsunterricht. Den musikalischen Feinschliff erhält sie am Landesgymnasium für Musik Carl Maria von Weber in Dresden und an der Popakademie Mannheim in Baden-Württemberg, an der sie Singer/Songwriter studiert.
Inzwischen feiert sie ihre ersten Erfolge. Sie tritt auf Festivals in Dresden, Berlin, Polen und Tschechien auf.

Das Geld, was ihr übrig bleibt, steckt Selma Juhran in neue Projekte. Aktuell sammelt sie Songs für ein erstes Album.
Musikerin: Schwer, von der Musik allein zu leben
Am Laptop stellt Selma Regler für digitale Musikinstrumente ein. Den größten Teil ihrer Songs kreiert sie mit Musikprogrammen. Dabei experimentiert sie gern: „Ich habe zum Beispiel den Sound einer Zither in einen Song mit einfließen lassen.“
Es ist extrem schwierig, von Musik zu leben. Die meisten Leute, die ich kenne und mit mir studiert haben, haben alle einen Nebenjob.
Selma Juhran | Musikerin
Trotz der ersten Erfolge sei das Leben als Sängerin finanziell voller Risiken. „Es ist extrem schwierig, von Musik zu leben. Die meisten Leute, die ich kenne und mit mir studiert haben, haben alle einen Nebenjob“, betont Juhran.
Nicht den Trends hinterherlaufen
Um finanziell abgefedert zu sein, arbeitet Selma für mehrere Musikprojekte in Chemnitz. So bringt sie Jugendlichen im Fritz-Heckert-Gebiet in DJ- oder Songwriting-Workshops Musik näher. Ihr Geld sei dennoch knapp bemessen.

Die Chemnitzerin hat eine Förderung durch die Initiative Musik erhalten, mit deren Hilfe sie ihre erste EP veröffentlichen konnte.
Aber sie sei froh, nicht komplett auf ihre musikalische Karriere angewiesen zu sein, so Juhran. Das gebe es ihr die Unabhängigkeit, nicht den erfolgversprechendsten Trends hinterherlaufen zu müssen. „Ich habe das Gefühl, freier in meinen Entscheidungen zu sein.“
Liebeserklärung an Chemnitz
Im Tonstudio erklingt Selmas sphärische Stimme über die Boxen. Mit ihrem Song „Concrete Roses“ will sie ihre enge Beziehung zu Chemnitz ausdrücken, sagt Juhran. Das Lied thematisiert ihre Jugendzeit in der Stadt.
Es ist eine Liebeserklärung und ist für mich verbunden mit einer großen Nostalgie und Melancholie, die das Aufwachsen für viele hat.
Selma Juhran | Singer-Songwriterin
Es gehe um einen Ort, der ihr als Jugendliche unendlich viele Freiheiten bot, sie zugleich aber auch wegen der eigenen Ziellosigkeit erschlagen habe. „Es ist eine Liebeserklärung und ist für mich verbunden mit einer großen Nostalgie und Melancholie, die das Aufwachsen für viele hat.“
Stadt mit einer lebendigen Musikszene
Chemnitz sei zwar nicht bekannt für große Namen, habe dennoch eine sehr lebendige Musikszene, erklärt die 26-Jährige. „Die Stadt hat mir sehr viele Möglichkeiten gegeben, mich auf Festivals zu präsentieren oder auf Konzerten zu spielen.“

Selma Juhran konnte schon zusammen mit den Musikern Ätna, Power Plush und der tschechischen Sängerin Amelie Siba auf Konzerten singen.
Auch durch ihre Musik will Selma Chemnitz sichtbarer machen. Viel Leerstand und das Klischee von Beton drücken für sie eine melancholische Stimmung aus. „Mich haben diese melancholischen Vibes in der Musik schon immer angezogen.“ Und gleichzeitig ist Chemnitz für Selma in den vergangenen Jahren bunter geworden.
Erstes Album in Arbeit
Für die nächsten Monate hat sich die Sängerin neue Projekte vorgenommen. Im Oktober will sie eine neue EP veröffentlichen, die rockiger werden soll. Für ein erstes Album sammelt sie aktuell Songs. Zudem dürfe sie die Musik zu einem Film schreiben, der in Chemnitz gedreht wurde.



„Sing, mei Sachse sing“ & mehr