Eine Ratte huscht über den Gehweg, verschwindet unter einem Kanaldeckel oder wird im eigenen Garten entdeckt. Was tun? Bislang bleibt Bürgerinnen und Bürgern im Wesentlichen der Griff zum Telefon, wenn sie eine solche Sichtung der Stadt melden wollen. Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Wegberg möchte das ändern und schlägt einen digitalen „Rattenmelder“ vor. Über das städtische Serviceportal soll künftig mit wenigen Klicks eine Meldung abgegeben werden können – möglichst direkt dort, wo das Tier beobachtet wurde.
Konkret soll im Serviceportal der Stadt unter den Online-Dienstleistungen ergänzend zum bestehenden „Mängelmelder“ ein eigener Dienst eingerichtet werden. Wichtig ist der CDU dabei eine möglichst niedrige Zugangshürde: Eine vorherige Registrierung soll nicht notwendig sein, insbesondere soll die Meldung nicht an ein BundID-Konto gekoppelt werden. Auch per Smartphone soll der Dienst problemlos nutzbar sein. Damit könnten Rattensichtungen rund um die Uhr und unabhängig von den Öffnungszeiten des Rathauses gemeldet werden.
Die Meldemaske soll nach den Vorstellungen der CDU einige strukturierte Angaben abfragen. Dazu gehören vor allem eine möglichst genaue Ortsangabe und der Zeitpunkt der Beobachtung. Idealerweise könnte der Standort über eine Karten- oder Standortfunktion übermittelt werden. Zusätzlich sollen Nutzer freiwillig ein Foto hochladen und weitere Informationen in einem Freitextfeld ergänzen können.
Hinter dem Antrag steht ein praktisches Problem: Die Stadt ist auf möglichst konkrete Hinweise angewiesen, um gegen Ratten vorgehen zu können. In verschiedenen Bereichen des Stadtgebietes komme es inzwischen vermehrt zu Sichtungen, schreibt die CDU in ihrem Antrag. Ratten seien nicht nur ein Ärgernis, sondern könnten auch Krankheiten übertragen sowie Schäden an Gebäuden und der Kanalisation verursachen.
Gleichzeitig haben sich die Möglichkeiten der vorbeugenden Bekämpfung verändert. Eine befallsunabhängige Dauerbeköderung mit Rodentiziden ist seit 2021 grundsätzlich nicht mehr zulässig und wurde zwischenzeitlich weiter eingeschränkt. Gift darf demnach nur noch bei einem konkret festgestellten Befall gezielt eingesetzt werden. Für die Stadt wird es deshalb umso wichtiger, zu wissen, wo tatsächlich Ratten auftreten.
Nach Angaben der CDU lässt die Stadt bereits gemeldete Befallstellen durch einen beauftragten Schädlingsbekämpfer bearbeiten. Dieser rücke derzeit regelmäßig, in der Regel wöchentlich, aus und arbeite die gemeldeten Stellen ab. Ausgangspunkt für die Bekämpfung ist damit die Meldung eines konkreten Problems. Die zuständige Fachstelle benötigt nach Darstellung der CDU insbesondere möglichst genaue Angaben zum Ort und Zeitpunkt einer Sichtung.
Genau hier soll der digitale Meldeweg ansetzen. Die CDU argumentiert, dass die derzeit notwendige telefonische Kontaktaufnahme während der Dienstzeiten eine unnötige Hürde darstelle. Wer abends, am Wochenende oder unterwegs eine Ratte beobachte, müsse nicht erst auf die Öffnungszeit der Verwaltung warten. Stattdessen könnte die Meldung unmittelbar vor Ort über das Smartphone erfolgen.
Auch für die Verwaltung verspricht sich die CDU Vorteile. Die eingehenden Hinweise sollen möglichst medienbruchfrei und automatisiert an den beauftragten Schädlingsbekämpfer weitergeleitet werden. Dieser könnte die Meldungen direkt als Arbeitsliste abarbeiten, ohne dass Mitarbeiter im Rathaus die Informationen zunächst manuell erfassen und weitergeben müssen. Das könne Arbeitszeit sparen und Personal für andere Aufgaben freisetzen.
Der digitale „Rattenmelder“ soll nach dem Willen der CDU außerdem aktiv beworben werden. Vorgesehen sind Hinweise auf der Internetseite der Stadt, über die Social-Media-Kanäle und in der örtlichen Bürgerinformation. Denn der Nutzen des Systems hängt maßgeblich davon ab, dass die Bürgerinnen und Bürger es auch kennen und verwenden.
Die CDU sieht in dem Vorschlag deshalb mehr als eine technische Ergänzung des Serviceportals. Durch möglichst viele und präzise Meldungen könne die Stadt eine bessere Datengrundlage über die tatsächlichen Befallsschwerpunkte erhalten. Der Schädlingsbekämpfer könnte gezielter eingesetzt werden. Gleichzeitig werde die Digitalisierung der Verwaltung vorangetrieben und der Aufwand für die manuelle Bearbeitung reduziert.
Wie hoch die Kosten für die Einrichtung eines solchen Dienstes wären und in welchem Zeitraum er umgesetzt werden könnte, soll die Verwaltung dem zuständigen Ausschuss berichten. Der Rat muss damit zunächst grundsätzlich über den Antrag entscheiden. Fraktionsvorsitzender Thomas Cassel verbindet mit dem Vorschlag die Erwartung, dass ein vergleichsweise einfaches digitales Angebot die Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Verwaltung und Schädlingsbekämpfer verbessern kann. Gerade beim Rattenproblem gilt dabei: Je genauer die Meldung, desto gezielter kann gehandelt werden.