Ein Korsett kann den Körper formen – und zugleich ein Sinnbild für gesellschaftliche Zwänge sein. Genau diesem Spannungsfeld widmet sich die Ausstellung „Raus aus dem Korsett!“, die noch bis zum 25. Oktober im Trachtenmuseum zu sehen ist. Drei Studentinnen der Hochschule Niederrhein haben dafür eine begehbare Rauminstallation entwickelt. Unter dem Titel „Die Frau im Korsett der Zeit“ verbinden sie historische Kleidungsstücke und Bilder mit modernen Gestaltungselementen.
Schon beim Betreten der Installation wird deutlich, wie eng Mode und das gesellschaftliche Bild der Frau miteinander verbunden waren. Korsettstangen, enge Verschnürungen sowie stabile Haken und Ösen lassen erahnen, welche körperlichen Veränderungen in unterschiedlichen Modeepochen angestrebt wurden. Die Taille sollte schmaler erscheinen, die Körperhaltung wurde vorgegeben, Bewegungen eingeschränkt. Das Korsett war damit mehr als ein Kleidungsstück: Es folgte Schönheitsidealen und Erwartungen, denen Frauen entsprechen sollten.
Doch das Kleidungsstück konnte seine Bedeutung verändern. Was einst vor allem der Einengung und Formung des Körpers diente, wurde später bewusst zum Ausdruck von Selbstbestimmung und Provokation eingesetzt. Ein besonders bekanntes Beispiel ist das Outfit, das Madonna 1990 trug. Das Korsett wird hier nicht versteckt, sondern demonstrativ nach außen getragen – und damit zum Statement.
Die Ausstellung beschränkt sich allerdings nicht auf einen Blick zurück. Besonders ungewöhnlich sind Fotografien und Videosequenzen, die mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden sind. Sie eröffnen eine weitere Ebene der Auseinandersetzung mit Körperbildern, Rollen und gesellschaftlichen Vorstellungen. Gerade die künstlich erzeugten Bilder regen dazu an, genauer hinzusehen: Welche Vorstellungen von Frauen, Schönheit und Freiheit prägen unser Denken? Und wie viel davon nehmen wir selbst vielleicht als selbstverständlich hin?
Damit schlägt die Ausstellung die Brücke von den historischen Korsetts zu den unsichtbaren Begrenzungen der Gegenwart. Sie ist zugleich ein Beitrag des Trachtenmuseums zum Themenjahr „Freiheit“ des Museumsnetzwerkes Niederrhein und wird durch das Regionale Kulturprogramm NRW gefördert.
Zum Abschluss des Themenjahres soll dieser Gedanke noch einmal vertieft werden. Am Donnerstag, 26. Oktober, laden Mitglieder des Heimatvereins um 18 Uhr zu einem Gesprächsabend ins Trachtenmuseum am Kirchplatz 7 ein. Im Mittelpunkt stehen die „geistigen und seelischen Korsetts“ aus Vorurteilen, Tabus und Zwangsvorstellungen. Auch Erfahrungen aus den Fahrten zur Befreiungsroute in den Niederlanden sollen einfließen.
Dabei geht es um die Frage, welche inneren Leitplanken das eigene Denken und Handeln bestimmen – oft ohne dass es einem bewusst ist. Sind diese Vorstellungen hilfreich oder hemmen sie? Wie beeinflussen sie den Menschen als Bürger und politisch Handelnden, aber auch im privaten Leben? Und lässt sich von solchen inneren Korsetts etwas abstreifen, um freier und selbstbewusster zu leben?
Der Eintritt zu dem Gesprächsabend ist frei.